Castoren rollen nach Lubmin
Nur Wochen nach dem Castor-Transport von La Hague nach Gorleben sind Castoren aus Frankreich auf dem Weg ins Zwischenlager Lubmin - begleitet von Protesten. Im Atommüll-Lager Asse tritt immer mehr radioaktive Flüssigkeit aus und das AKW Biblis leckt.
Von Johanna Treblin
Mehr Demonstranten als je zuvor begleiteten den Castor-Transport Anfang November aus dem französischen La Hague nach Gorleben, der Transport wurde mehr als 90 Stunden aufgehalten. Am Dienstagabend ist ein weiterer Castor-Transport von Frankreich nach Deutschland gestartet. Die vier Castoren werden am Donnerstag im Zwischenlager Nord am "vergessenen Standort Lubmin" erwartet. Aktivisten haben zahlreiche Proteste an der Strecke angekündigt.

Anti-Castor-Proteste in Gorleben, November 2010. Heute sind Castor-Behälter auf dem Weg nach Lubmin. (Foto: Andreas Conradt / Publixviewing)
Am Wochenende haben bereits mehrere tausend Atomkraftgegner gegen den Transport in Greifswald demonstriert. In Erfurt demonstrierten am Dienstagabend mehrere hundert Menschen. Elf Mahnwachen haben die Behörden entlang der möglichen Transportstrecke bereits genehmigt, gerechnet wird aber mit weiteren Aktionen.
Die rund 2.500 Brennstäbe stammen aus der Atomforschungsanlage im südfranzösischen Cadarache. Ursprünglich waren sie in einem 1991 in Karlsruhe stillgelegten Forschungsreaktor eingesetzt sowie in dem atombetriebenen Forschungsschiff "Otto Hahn", das bereits seit 1979 nicht mehr in Betrieb ist.
Nach Angaben des BUND Thüringen ist die Zwischenlagerung in Lubmin nur bis 2039 genehmigt. Was mit dem Müll nach der Zwischenlagerung geschehen soll, sei völlig ungewiss, da es bisher weltweit kein Endlager für radioaktiven Müll gebe. "Es gibt nur einen verantwortungsvollen Weg, mit Atomenergie umzugehen: Abschalten!", sagte Ron Hoffmann, Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Thüringen.
"Der Karlsruher Atommüll ist in Lubmin völlig fehl am Platz", sagte Greenpeace-Sprecherin Anike Peters am Mittwoch. "Solange kein sicheres Endlager existiert, muss der Müll wieder zurück in das Bundesland, in dem er produziert wurde." Die Umweltorganisation fordert daher, nach dem Verursacherprinzip die Castoren an den Zwischenlagerstandort Philippsburg in Baden-Württemberg umzuleiten.
Majak-Transport auf Eis gelegt
Kurz nach dem Castor-Transport ins niedersächsische Zwischenlager Gorleben wurde bekannt, dass die Bundesregierung einen weiteren Transport mit radioaktivem Müll aus dem nordrhein-westfälischen Ahaus in die Wiederaufbereitungsanlage Majak in Russland plant. 951 Brennelemente aus Russland, die im DDR-Forschungsreaktor Rossendorf bei Dresden genutzt worden waren, waren 2005 ins nordrhein-westfälische Ahaus gebracht worden – und sollten nun auf Basis eines internationalen Abkommens über deutsche Seehäfen "zurück" nach Majak gebracht werden. Der Transport von 18 Castoren war bereits im September vom Bundesamt für Strahlenschutz genehmigt worden. Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) hatte die Überführung allerdings am 6. Dezember abgesagt: Gegenwärtig gebe es keine Möglichkeit der schadlosen Verwertung von Brennelementen in Majak.

Asse leckt: Acht statt bisher vier Liter radioaktive Salzlösung wird aufgefangen. (Foto: Michael Schulze von Glaßer)
Derweil wurden an zwei deutschen Atom-Standorten erneut Sicherheitsmängel festgestellt. Im Atomkraftwerk Biblis wurde am Dienstag ein Leck an der Leitung eines Nebenkühlwassersystems bekannt: Das tropfende Rohrleitungsstück mit 1,5 Zentimeter Durchmesser sei bereits am 9. Dezember vom Betreiber RWE Power entdeckt worden und wurde daraufhin abgedichtet. Weder Umwelt noch Menschen seien in Gefahr gewesen, hieß es in einem Bericht der Nachrichtenagentur dpa. Nach einer internationalen Skala habe der Vorfall keine oder sehr geringe sicherheitstechnische Bedeutung.
Im Atommülllager Asse bei Wolfenbüttel hat sich nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung die Menge radioaktiver Flüssigkeit vor einer unterirdischen Lagerkammer verdoppelt. In der Einlagerungskammer 8 liegen 11.278 Fässer radioaktiven Mülls. Nach Angaben des Bundesamts für Strahlenschutz werden nun statt vier acht Liter radioaktiv belasteten Salzlösung pro Tag aufgefangen. Auch die Konzentration an radioaktivem Cäsium-137 in der Salzlösung sei gestiegen.
Die Asse ist hochgradig einsturzgefährdet. In dem ehemaligen Salzbergwerk wurden zwischen 1976 und 1978 rund 126.000 Fässer mit schwach- und radioaktivem Atommüll eingelagert. Das Bundesamt für Strahlenschutz plant, das Lager wegen Wassereinbrüchen und Einsturzgefahr zu räumen.
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