"Die Laufzeitverlängerungen waren ein Fehler"

Konrad Freiberg (59) trat 1968 in den Polizeidienst ein, seine Karriere bei der Gewerkschaft der Polizei GdP begann 1979. Nach mehreren Funktionen auf Landesebene wurde er GdP-Funktionär auf Bundesebene: Vorsitzender des Fachausschusses Kriminalpolizei, stellvertretender Bundesvorsitzender und schließlich, seit dem Jahr 2000, Bundesvorsitzender der GdP.
Herr Freiberg, die Castoren sind im Zwischenlager, mit mehr als einem Tag Verspätung gegenüber dem avisierten Zeitplan. Die Demonstranten haben der Polizei das Leben schwerer gemacht, als Ihnen lieb sein kann. Waren Sie überrascht?
Konrad Freiberger: Nein. Nach der Aufkündigung des Atomkonsenses mussten wir mit einem Anschwellen des Protestes rechnen. Wir als Gewerkschaft der Polizei haben die Politik massiv für die Laufzeitverlängerung kritisiert, weil sie schließlich dazu führt, dass ein gesellschaftlich eigentlich befriedeter Konflikt neu aufbricht - und auf dem Rücken der Polizei ausgetragen wird.
Wie meinen Sie das?
Wir haben den gesetzlichen Auftrag, einerseits den Transport zu gewährleisten, andererseits aber auch die öffentliche Demonstrationsfreiheit zu gewährleisten. Dafür standen uns dieses Mal nicht genug Einsatzkräfte zur Verfügung. Etliche meiner Kollegen waren 20 bis 30 Stunden ohne Pause im Einsatz, und das unter schwierigsten Bedingungen. Und obwohl der überwiegende Teil der Demonstranten friedlich seine Meinung äußerte, gab es auch einige wenige, die auf Gewalt aus waren.
Gewalt, die Gegengewalt erzeugt? Demonstranten - insbesondere der Schottern-Kampagne erheben schwere Vorwürfe gegen die Beamten.
Es ist kaum zu begreifen, dass Menschen Polizeifahrzeuge mit brennbarer Flüssigkeit übergießen und dann anzünden - obwohl noch Beamte drin sitzen. Das ist eine neue Stufe der Gewalt. Viele junge und ältere Menschen wie Eltern mit ihren Kindern haben gewaltfrei protestiert. Es ist sehr bedauerlich, dass einige Straftäter mit Angriffen auf die Polizei diesen demokratischen Widerstand teilweise diskreditiert haben.
Im Dezember rollt bereits der nächste Castor, dann von Karlsruhe nach Mecklenburg. Werden solche Szenen jetzt Normalität?
Die Politik der Bundesregierung wird dazu führen, dass die Anti-Atom-Proteste zunehmen werden. Das glaube ich auf jeden Fall.Und natürlich kann ich den friedlichen Demonstranten nur meine Hochachtung zollen, mit welcher Entschlossenheit und mit welchem Mut sie ihre Meinung kund getan haben.
Elf Castoren sind jetzt neu in Gorleben, die Laufzeitverlängerung verschafft uns 500 zusätzliche zu den über 200 Castoren, die die Bundesrepublik ohnehin noch aus Frankreich oder Großbritannien zurück nehmen muss. Wo liegt die Lösung im Angesicht dieses Horrorszenarios?
Ganz einfach: In einer anderen Politik. So wie viele Menschen haben auch Polizisten eine politische Meinung und nicht wenige Polizisten sind sich mit den Demonstranten in diesem Punkt einig: Die Laufzeitverlängerungen waren ein Fehler.

Protest mit Seifenblasen - die Polizisten lassen sich nicht beeindrucken. (Foto: Bente Stachowske / Greenpeace)
Jetzt, wo der Transport vorbei ist, wird über die ausufernden Kosten des Polizeieinsatzes gestritten. Wer muss zahlen?
Bund und Länder - natürlich kann man streiten, wer sich wie beteiligt. Und ich bin der Meinung, dass es sich bei Castortransporten um eine Gemeinschaftsaufgabe handelt, an der sich alle beteiligen müssen. Letztlich ist es aber mit den Kosten wie immer: Es zahlt der Steuerzahler, also wir.
Interview: Nick Reimer
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