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Warmlaufen für den Castor-Protest

Am kommenden Donnerstag will der Bundestag das Energiekonzept der Bundesregierung verhandeln. Themen sind die geplante Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke und der Atomfonds für die Energiekonzerne Eon, EnBW, RWE und Vattenfall. Eine Woche später rollt der Castor aus Frankreich ins Wendland. Für diesen Samstag ist schon einmal ein bundesweiter "Castor-Strecken-Aktionstag" geplant. Auf richterlichen Beschluss hin pausiert derweil die Endlagersuche in Gorleben.

Von Johanna Treblin

Während die Polizei in Lüneburg Briefe an Atomkraftgegner verschickt, bereiten die sich auf den Atommüll-Transport Anfang November vor. Für Samstag haben sie einen Castor-Strecken-Aaktionstag angekündigt. Entlang der Transportrouten von Wörth über Karlsruhe nach Gorleben, von Karlsruhe nach Lubmin und von Jülich nach Ahaus soll es Kundgebungen, Mahnwachen und Flash-Mobs geben. Bisher wollen Gruppen aus mehr als 90 Städten teilnehmen.


Anti-Atom-Demo im April 2010 in Ahaus. Ins Wendland zum Castor sollen noch mehr Menschen kommen. (Fotos: Schulze von Glaßer)

Am ersten Novemberwochenende soll der nächste Castor-Transport aus dem französischen La Hague ins niedersächsische Gorleben rollen. Seit 33 Jahren tobt hier die Auseinandersetzung um die Endlagerfrage. Seitdem ist das Dorf im Wendland das Symbol für die Anti-AKW-Bewegung.

Zwei Wochen vor dem diesjährigen Castor-Termin liefern sich Gegner und Polizei bereits verbale Schlachten über die massiven Proteste, die beide Seiten dabei erwarten. "Die Proteste gegen den diesjährigen Castor-Transport werden so massiv ausfallen, wie seit den 90er Jahren nicht mehr", prophezeit beispielsweise Christoph Bautz, Geschäftsführer des Kampagnen-Netzwerks Campact. Das Bundeskriminalamt warnte vor einem "erheblich höheren Protestniveau und zunehmender Gewaltbereitschaft".

Dass sich gegen Atomkraft immer mehr Menschen mobilisieren lassen, haben bereits die Anti-Atom-Demonstrationen in diesem Herbst in Berlin und München gezeigt. 100.000 Demonstranten gingen am 19. September in Berlin auf die Straße, um gegen die von Regierung und Atom-Lobby ausgehandelte Laufzeitverlängerung zu protestieren. In München waren es am 9. Oktober immerhin 50.000. Die Laufzeitverlängerung um durchschnittlich zwölf Jahre ist Teil des Energiekonzepts der Bundesregierung, das am kommenden Donnerstag im Bundestag verhandelt werden soll. Thema ist außerdem ein Fonds, in den die Atomkonzerne ab 2017 zur Förderung erneuerbarer Energien einzahlen sollen.


Anti-Atom-Protest in Münster - Aktivisten sind auf "Endlager-Suche". Die tatsächliche Suche pausiert  gerade.

Die Demonstranten wenden sich aber nicht nur gegen den Atomdeal der schwarz-gelben Regierung: "Es geht darum, dass kein weiterer Atommüll mehr produziert wird", sagt Andreas Raschke, Sprecher der südwestdeutschen Anti-Atom-Initiativen, die sich am Castor-Streckenaktionstag am Samstag beteiligen. "Wir wollen, dass sofort alle Atomkraftwerke abgeschaltet werden", sagt auch Jochen Stay, Sprecher des Anti-Atom-Bündnisses "ausgestrahlt".

Groß mobilisiert wird in diesem Jahr inbesondere zum sogenannten Schottern. Die Initiative "Castor Schottern" will in einer Massenaktion Steine aus dem Gleisbett entfernen, um die Schienen unsicher und damit unbefahrbar machen. Geschottert werden soll einzig auf dem Gleisabschnitt, auf dem am Transporttag der Atommüllzug im Schritttempo unterwegs sein wird. "Wir planen keine Aktionen, die Menschen gefährden können", sagt Sprecherin Sonja Schubert. Die Staatsanwaltschaft Lüneburg hat vergangene Woche Ermittlungen gegen die Unterzeichner einer Absichtserklärung zum Castor Schottern eingeleitet. Seitdem hat sich die Zahl der Unterzeichner von rund 500 auf über 1.000 mehr als verdoppelt. Den ersten Unterzeichnern hat die Polizei in Lüneburg nun Briefe zu sogenannten "Beschuldigtenanhörungen" zugeschickt.

In La Hague wird deutscher Atommüll aufbereitet, um ihn unschädlicher zu machen. In Gorleben wird der Atommüll zwischengelagert. Ein zehn Jahre währendes Moratorium, um zu untersuchen, ob sich der Standort Gorleben als Endlager für radioaktiven Abfall eignet, hob die Bundesregierung in diesem Jahr auf. Im Oktober haben die Erkundungen begonnen.

Am Freitag wurden sie allerdings vom Verwaltungsgericht Lüneburg gestoppt, nachdem Greenpeace und die Rechtshilfe Gorleben gegen die Wiederaufnahme der Erkundungen geklagt hatten. Auch Andreas Graf von Bernstorff, der Elbfischer Christian Köthke und die Salinas GmbH unterstützten den Gang vor die Gerichte. Schließlich hatte sich am Donnerstag auch die Kirchengemeinde Gartow, die Salzrechte am Salzstock in Gorleben besitzt, der Klage angeschlossen.

"Der Stopp der Bauarbeiten in Gorleben ist ein erster wichtiger Schritt zur Aufgabe des Endlagerstandortes. Es ist absolut notwendig, dass in Gorleben keine weiteren Tatsachen geschaffen werden, bis unsere Klage vor Gericht entschieden ist", erklärte Mathias Edler, Atom-Experte bei Greenpeace. Die Organisation werde alle Rechtsmittel ausschöpfen, um das geplante Endlager zu verhindern. "Den langen Atem dafür haben wir."

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