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Global Work Party: Anpacken für das Klima

Bäume pflanzen, Fahrrad fahren, Solaröfen bauen – auf der ganzen Welt wollen Umweltaktivisten zeigen, wie konkreter Klimaschutz aussieht. Unter dem Motto "Wir packen's an" sind am Sonntag über 7.000 Aktionen in mehr als 180 Ländern geplant. Gleichzeitig soll die Politik aufgefordert werden, endlich die Erderwärmung effektiv zu bekämpfen.

Von Felix Werdermann

Mohamed Nasheed könnte man als Star der Klimabewegung bezeichnen. Der Präsident der Malediven tut sich immer mal wieder mit kreativen Aktionen und radikalen Forderungen hervor. Im letzten Jahr ließ er das Kabinett seiner Regierung unter Wasser tagen, um auf die Gefahr hinzuweisen, sein Inselstaat könnte in Folge des Klimawandels untergehen. Beim Klimagipfel in Kopenhagen erklärte er, ein "Selbstmordpakt" sei inakzeptabel und brachte damit Industriestaaten gegen sich auf.


Nasheed in Aktion. (Foto: 350.org)

Nun packt Nasheed auch mal an und hat eine Solaranlage installiert - auf dem Dach seines Amtssitzes. Es soll ein kleiner Vorgeschmack sein für den Aktionstag am Sonntag, an dem in aller Welt Hand angelegt wird für effektiven Klimaschutz. In Russland werden an 10.000 Schulen Bäume gepflanzt, in Frankreich errichten Bürgerinnen und Bürger ein Ökodorf, in Spanien findet ein Musikfestival statt, dessen Stromverbrauch von Fahrrädern gedeckt wird. In Japan fahren Sumo-Ringer mit dem Rad zur Arbeit und in Pakistan wird erklärt, wie Solaröfen gebaut werden.

"Größter Aktionstag in der Geschichte"

"Der 10. Oktober ist auf dem besten Weg, der größte Aktionstag für konkreten Klimaschutz in der Geschichte des Planeten zu werden", erklären die Organisatoren von 350.org, einer internationalen Klimaschutzkampagne. Erfahrung haben sie aber bereits in der Mobilisierung: Letztes Jahr hatte 350.org ebenfalls zu einem globalen Aktionstag aufgerufen, es beteiligten sich beinahe genauso viele Gruppen wie für diesen Sonntag erwartet werden.

Damals stand alles im Zeichen einer Zahl: 350. Soll die Erderwärmung auf ein erträgliches Maß begrenzt werden, so müsse die Konzentration von Kohlendioxid in der Atmosphäre auf 350 parts per million (ppm) begrenzt werden, meinen Klimawissenschaftler. Der Wert ist bereits überschritten, trotzdem erhöht er sich der Kohlendioxid-Anteil von Jahr zu Jahr.

350-barrierriff

Die Bevölkerung macht's vor. Und die Politik?

Auch in diesem Jahr geht es um Zahlen: "10/10/10" - der 10.10. 2010 soll zum Startschuss für konkreten Klimaschutz werden. Denn nun geht es nicht nur um Protest, sondern um das Sichtbarmachen von umweltfreundlichen Alternativen. "Wir wollen zeigen, dass Menschen in Deutschland und weltweit längst dabei sind, die Klimakrise anzupacken", sagt David Wagner, der die über 70 Veranstaltungen in Deutschland koordiniert. "Wir erwarten aber auch von der Politik, dass sie endlich handelt."

Doch das ist fraglich: Nachdem im letzten Jahr die Kopenhagener Weltklimakonferenz gescheitert ist, glaubt kaum jemand, dass beim nächsten Gipfel im mexikanischen Cancún ein internationales Abkommen zur Emissionsminderung beschlossen wird. Die Zeit aber drängt: 2012 läuft das Kyoto-Protokoll aus. Lassen sich die Diplomaten durch den Aktionstag beeinflussen? Die oberste Klimapolitikerin Christiana Figueres glaubt das schon: " Wenn Bürger davon begeistert sind, ist es auch für Regierungen leichter, wirkliche Klimaschutzmaßnahmen zu ergreifen", sagte die UN-Klimachefin gestern während der Verhandlungen in Tianjin.

Ähnlich sieht das auch Wagner von 350.org. Die Politik werde "nicht alles anders machen", glaubt er. Aber sie reagiere auf "Stimmung und Bereitschaft der Bevölkerung". Die Menschen zumindest seien bereit für Klimaschutz - "auch wenn es eine Umstellung bedeutet".

Strom wechseln und raven in Berlin

Wie das aussehen kann, wird sich zum Beispiel in Berlin vor dem Brandenburger Tor zeigen. Dort wollen am Sonntag selbsternannte "Klimapiraten" nachgebauten Atom- und Kohlkraftwerken den Stecker ziehen. Gleichzeitig können Passanten beweisen, dass sie bereit sind für das Zeitalter der erneuerbaren Energien: Vor Ort können sie zu Ökostrom wechseln.

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Kohle- und Atomstrom kündigen - geht ganz einfach. (Foto: atomausstieg-selber-machen.de)

Im Anschluss darf dann gefeiert werden: 350 Raver werden vom Brandenburger Tor zum Alexanderplatz ziehen – mit Funkkopfhörern auf den Ohren. Den umstehenden Passanten dürfte das merkwürdig vorkommen, denn sie sehen zwar den Tanz, hören aber keine Musik. Das Moto: "Silent Climate Parade" - die leise Klima-Parade in Berlin.

Ein explosives Video

Im Vorfeld kam es bereits zu einer kleinen Panne bei der 10/10-Kampagne, die den Aktionstag unterstützt: Sie hatte ein Video ins Netz gestellt, das lustig sein sollte, unter Internetnutzern jedoch überhaupt nicht gut ankam. In dem vier Minuten langen Clip sprengt unter anderem eine Lehrerin zwei Schüler in die Luft, weil sie sich nicht für den Klimaschutz interessieren. Inzwischen wurde der Film von der Website genommen, die geplante Vorführung in britischen Kinos wurde ebenfalls abgesagt. Auf dem Videoportal Youtube kann man sich das explosive Video immer noch ansehen.

Lesen Sie HIER den Blog von 350.org.

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