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Countdown zur Anti-Atomdemo (III): "Jeder Tag Laufzeit ist ein Tag zu viel"

jochen-stay Die Veranstalter versprechen 150 Busse und drei Sonderzüge, die Demonstranten am Samstag nach Berlin bringen sollen. Und das ist auch notwendig, denn nichts Geringeres ist angekündigt, als das Regierungsviertel zu umzingeln. Bundeskanzlerin Angela Merkel habe es sich mit vielen Menschen verdorben, als sie sich für die Interessen der Atomkonzerne entschieden hat, urteilt Jochen Stay, Sprecher des Anti-Atom-Bündnisses ausgestrahlt, im Interview. 

klimaretter.info: Am Samstag will der Anti-Atom-Protest das Regierungsviertel umzingeln. Wie viele Menschen werden dafür notwendig sein? Und: Werden so viele auch kommen?

Jochen Stay: Genau kann ich das natürlich nicht sagen, wir verkaufen ja keine Eintrittskarten. Aber es werden wohl schon mehrere Zehntausend sein, die am Samstag ihren Unmut über die Regierungspolitik freien Lauf lassen. Uns wurde gemeldet, dass 150 Busse und drei Sonderzüge nach Berlin fahren. Es soll zwei Demonstrationszüge geben, die von zwei Seiten das Regierungsviertel umzingeln. Wir wollen Bundeskanzlerin Angela Merkel auf die Pelle rücken!

Ein drei Kilometer langer Demo-Zug: Starten und enden soll er am Berliner Hauptbahnhof?

Ja. Als Start- und Endpunkt wollten die Behörden auf der Wiese vor dem Reichstag nicht zulassen, offiziell weil der Rasen zu Schaden kommen könnte. Dagegen hatten wir vor dem Verwaltungsgericht geklagt, die Entscheidung ist gestern Abend gefallen: Losgelaufen wird jetzt also am Washingtonplatz am Hauptbahnhof, wo auch die Abschlusskundgebung stattfinden wird.

Auf den Punkt gebracht: Worum geht es bei der Umzingelung?

Wir wollen nicht nur zeigen, dass wir gegen die Atompläne der Regierung sind, sondern auch: Damit kommt ihr nicht durch.

Nach dem Motto: Merkel komm raus, du bist umzingelt?

Es geht nicht darum, dass Angela Merkel sich stellt. Aber die Regierung soll sehen, dass es einem großen Teil der Bevölkerung deutlich gegen den Strich geht, wie sie mit den Chefs der Atomkonzerne klüngelt.

Bringt es denn noch etwas, gegen die Laufzeitenverlängerung zu demonstrieren? Ist das nicht praktisch schon entschieden?

Das Motto der Demo ist: Atomkraft abschalten. Wir sind nicht gegen Laufzeitverlängerungen, sondern gegen Laufzeiten. Das heißt, wir wollen, dass sofort alle Atomkraftwerke abgeschaltet werden – jeder Tag ist einer zu viel.

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Anti-AKW-Demo in Ahaus. Am Samstag soll es noch viel voller werden. (Foto: Schulze von Glaßer)

Im Vorfeld wurde mehr mobilisiert als bei den vorigen Anti-Atom-Demos. Sind andere Gruppen dabei als sonst?

Neu ist, dass es einen Fahrradblock und einen Skaterblock gibt. Die Berliner Clubszene hat außerdem dazu aufgerufen, Atomkraft "wegzubassen". A Capella gibt es aber auch: Mehrere Chöre werden entlang der Strecke singen. Traditionell kommen auch wieder ein paar Traktoren aus dem Wendland.

Die aktuellen Pläne zum Weiterbetrieb der Atomkraftwerke haben aber auch dazu geführt, dass sich Menschen aus allen Schichten der Gesellschaft auf den Weg nach Berlin machen. Merkel hat es sich mit fast allen verdorben, als sie sich so klar für die Interessen der Stromkonzerne entschieden hat.

Interview von Johanna Treblin

Lesen Sie hier alle Teile des Countdowns:

I: Protesthandbuch - Mehr als nur Latschen
II: Wo bleiben die Mitarbeiter der Branche der Erneuerbaren?
III: "Jeder Tag Laufzeit ist einer zuviel"

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