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Chile: Aus für Kohlekraftwerk

Bürgerproteste haben in Chile den Bau eines Kohlekraftwerks verhindert. Zunächst sollte das Kraftwerk, das in der Nähe eines Naturschutzgebiets gebaut werden sollte, lediglich seinen Standort wechseln. Nach Protesten von Umweltschützern, Bürgerinitiativen und Kohlekraftgegnern hat das Unternehmen den Baun nun jedoch komplett aufgegeben. Kein Grund zum Aufatmen - Chile will Kohlekraft intensiv ausbauen.

Aus Santiago de Chile Daniela Estrada (IPS)

Bürgerproteste haben in Chile den Bau eines Kohlekraftwerks verhindert. Das Kraftwerk Barrancones des Energieunternehmens Suez Energy mit Hauptsitz in Paris sollte in der Nähe eines Naturschutzgebiets gebaut werden. Nach Protesten von Umweltschützern, Bürgerinitiativen und Kohlekraftgegnern hatte die chilenische Regierung das Unternehmen aufgefordert, den Standort zu verschieben. Suez Energy gab den Bau daraufhin komplett auf.

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Das Kohlekraftwerk Barrancones wird nicht gebaut - auch in anderen Teilen Chiles protestieren Kohlekraftgegner gegen Kohlekraft. (Foto: losrobles-no.cl)

Kohlekraftgegner sehen den Entscheid als einen Etappensieg auf dem Weg, die klimaschädigenden Anlagen aus dem südamerikanischen Land zu verbannen. Lorenzo Núñez, der Vorsitzender des Komitees zum Schutz von Mutter Erde in der Region Tarapacá (CODEMAT), rund 1.700 Kilometer nördlich der Hauptstadt Santiago, ist skeptisch. "Viele tun so, als gebe es keine anderen Kohlekraftwerke."

Seine Organisation kämpft seit Jahren gegen ähnliche Projekte, die in der Nähe der Chanavayita-Bucht in Tarapacá entstehen sollen. Umweltschützer fürchten um die Fische, die in der Bucht leben. In Valparaíso in Zentralchile will das zweitgrößte chilenische Energieunternehmen, AES Gener, ebenfalls eine Anlage errichten. Bürger setzten vor Gericht zunächst einen Stopp des Projekts durch. Zwar einigten sich das Unternehmen und die Stadt Puchuncaví kürzlich über eine Wiederaufnahme der Arbeiten. Die Anwohner wollen sich aber weiter dagegen wehren.

Dutzende Kohlekraftwerke geplant

Auch in anderen Landesteilen werden weitere Kohlekraftwerke gebaut. Im Bau oder kurz vor Baubeginn befinden sich zur Zeit mehr als zehn Anlagen. Zu den umstrittenen Vorhaben gehört unter anderem ein Projekt in Punta Alcalde in der Wüstenregion Atacama, das von dem spanischen Energiekonzern Endesa finanziert wird.

Chiles Kraftwerke haben insgesamt eine installierte Kapazität von 13.000 Megawatt. Mehr als 30 Prozent davon werden durch Wasserkraft generiert. Sollten alle geplanten Kohlekraftwerke genehmigt werden, würde sich nach offiziellen Schätzungen der Anteil von Kohle am Energiemix des Landes in den kommenden Jahrzehnten von derzeit 17 auf 30 Prozent erhöhen.

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Bergbau- und Tagebauprojekte in Chile - demnächst soll wesentlich mehr Kohle dazu kommen. (Grafik: Bergbauministerium Chile)

Im Wahlkampf hatte Präsident Sebastián Piñera versprochen, Umwelt belastende Projekte in der Nähe von Naturparks zu verbieten und den Anteil erneuerbarer Energien im Stromnetz bis 2020 auf 20 Prozent zu erhöhen. Dennoch treiben Unternehmen weitere Vorhaben nahe Schutzgebieten voran. So prüfen die Behörden zurzeit Pläne für das Kohlekraftwerk Cruz Grande der chilenischen Firma Compañía Minera del Pacífico nahe Caleta de Punta de Chorros, von wo bereits das Projekt von Suez Energy verbannt worden ist.

Kohlekraftgegner wollen sich landesweit koordinieren

Die Bürgerinitiativen planen nun, sich besser miteinander vernetzen. Núñez ist überzeugt davon, dass einzelne Aktionen in Städten und Gemeinden nicht ausreichen. Deshalb sei eine nationale Koordinationsstelle erforderlich, die nach sozialen, ökologischen, politischen und juristischen Kriterien arbeite.

"Kohlekraftwerke sind für die Industrie interessant, weil sie auf den ersten Blick kostengünstig erscheinen", sagte Luis Cifuentes vom Umweltzentrum der Katholischen Universität in Santiago. Doch die erheblichen Schadstoffe zu Lasten von Flora und Fauna und ihre Beitrag zum Klimawandel müssten ebenso berücksichtigt werden.

Allerdings sieht Cifuentes auch das Problem, den wachsenden Energiebedarf decken zu müssen. "Wenn keine Kohlekraftwerke gebaut werden, müssen stattdessen riesige Wasserkraftwerke und Atomkraftwerke entstehen", sagte er. Erneuerbare Energien allein könnten nicht den gesamten benötigten Strom liefern.

Anders sieht das Marcelo Mena, Direktor des Forschungszentrums für Nachhaltigkeit an der privaten Universität Andrés Bello. "Die Möglichkeiten erneuerbarer Energien werden bisher unterschätzt." Dennoch zweifelt Mena daran, dass sich der Bau neuer Kohlekraftwerke in Chile tatsächlich verhindern lasse.

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