Werbung

Preise .info-Award 2010 Gewinner des Deutschen Solarpreises 2009 Umwelt-Medienpreis 2008
Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. DruckenE-Mail

Klimaaktivistin aus Haft entlassen

Die Klimaaktivistin Franziska Wittig ist gerade aus der Haft entlassen worden. Ihr erstes Ziel ist der Rathausplatz von Bühl, wo Freunde und Unterstützer ein veganes Frühstücksbuffet aufgebaut haben. Vor zwei Jahren besetzte sie die Baustelle des Kohlekraftwerks in Hamburg-Moorburg und wurde dafür zu 15 Tagessätzen verurteilt. Sie zahlte nicht und ging stattdessen in das Gefängnis.

Von Johanna Treblin

Müde ist sie. "Aber sonst fühle ich mich ziemlich gut." Die Klimaaktivistin Franziska Wittig ist gerade aus der Haft entlassen worden. Ihr erstes Ziel ist der Rathausplatz von Lünen, wo Freunde und Unterstützer ein veganes Frühstücksbuffet aufgebaut haben.

castorblockade2008_cinerebelde
Franziska Wittig blockiert 2008 einen Castor-Transports in Berg bei Karlsruhe. (Foto: Cinerebelde)

Franziska Wittig hat 14 Tage Knast hinter sich. Vor zwei Jahren besetzte sie gemeinsam mit 40 Mitstreitern für einige Stunden die Baustelle des Kohlekraftwerks in Hamburg-Moorburg. "Fünf Personen waren oben auf dem Kran, ich habe mich unten am Boden an einer Sitzblockade beteiligt", erzählt sie.

Das Amtsgericht Hamburg-Harburg verurteilte die Besetzer im März 2009 wegen Hausfriedensbruchs zu einer Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu je zehn Euro.

Klimawandel als "rechtfertigender Notstand"

Weil sie ihre Aktion für legitim hält, wollte Wittig allerdings nicht zahlen. "Angesichts der drastischen Effekte, die der Klimawandel mit sich bringt, ist der Neubau von Kohlekraftwerken absolut unvertretbar", sagt Wittig. Vor Gericht argumentierte sie, aufgrund der akuten Bedrohung durch den Klimawandel sei die Aktion als rechtfertigender Notstand zu werten, den das Strafgesetzbuch im Paragrafen 34 explizit vorsieht.

Aus dem Gefängnis ist Wittig nun einen Tag früher entlassen worden als ursprünglich vorgesehen. "Wenn ein Teil des Tagessatzes bezahlt wurde, darf der Gefangene für den Tag nicht weiter festgehalten werden – das wird sonst als Freiheitsberaubung gewertet", erklärt Wittig. Eine Freundin habe einen Cent überwiesen, weil sie der Überzeugung sei, die Aktivistin könne außerhalb des Gefängnisses mehr bewegen als in der Zelle. Daraufhin musste Wittig entlassen werden - ein Teil des Tagessatzes war bezahlt, wennauch der denkbar kleinste.

Der Alltag im Knast: Zwei Wochen "ganz okay"

"Für zwei Wochen ist es ganz okay, ins Gefängnis zu gehen", sagt sie. "Ich wusste ja, dass der Aufenthalt begrenzt ist." Hilfreich sei der große Unterstützerkreis gewesen, sie habe viele Briefe bekommen und konnte auch mal telefonieren. Während ihres Aufenthalts schrieb Wittig an einem Knasttagebuch, das online veröffentlicht wurde. Darin beschreibt sie auch ihre Arbeitsroutine: Im gefängnisinternen Betrieb musste sie Mappen basteln – bei einem Stundenlohn von unter einem Euro.

"Für diejenigen, die länger im Gefängnis sitzen, ist es natürlich ganz anders. Hier sind beispielsweise auch Frauen, die zu Hause Kinder haben. Für die ist es ganz schlimm", sagt Wittig. Schwierig sei es auch für Untersuchungshäftlinge, die meist nicht wissen, wie lange sie in Haft bleiben müssen.

Aktion auf dem ersten deutschen Klimacamp

Die Bauplatzbesetzung, für die Wittig die Gefängnisstrafe abgesessen hat, fand 2008 im Rahmen des ersten deutschen Klimacamps in Hamburg statt. Dort hatte sich kurz zuvor eine schwarz-grüne Koalition gebildet. Im Wahlkampf hatten die Grünen noch versprochen, im Falle einer Regierungsbeteiligung den Bau des Kohlekraftwerks zu stoppen. Später allerdings akzeptierten sie den Weiterbau. Während des Camps kam es zu mehreren Aktionen gegen das Kohlekraftwerk, eine geplante Massenbesetzung am letzten Tag scheiterte.

moorburg2-fw
Polizisten beschützen das Kohlekraftwerk Hamburg-Moorburg. Einige Aktivisten sind trotzdem auf die Baustelle gelangt. (Foto: Werdermann)

"Der Klimawandel führt schon jetzt zu Flucht, Not, und Vertreibung. Da ist es nicht sinnvoll, ihn weiter voranzutreiben, indem man Kohlekraftwerke baut. Vattenfall tut das trotzdem", sagt Wittig. "Ich setze mich für eine dezentrale Stromversorgung ohne Kohle und Atom ein, am liebsten in Selbstverwaltung." Wittig zufolge reicht es nicht aus, "ein bisschen ökologischer" zu leben, man müsse auch selbst handeln und selbst etwas bewegen. Mit dem veganen Buffet auf dem Rathausplatz, das die Aktivisten als Mahnwache deklarierten, wollen sie aber dennoch zeigen, dass jeder Einzelne auch selbst etwas im Kleinen bewirken kann.

Diesen Text mit einem Klick honorieren:    [Erklärung]

Werbung

Dies könnte Sie auch interessieren:

Donnerstag, 05. Januar 2012, 09:55 Uhr
"Das wird der Markt entscheiden"
Wie hält die Regierung es mit der Kohle? Vor dem traditionellen Dreikönigstreffen der FDP erklärt ihr Umweltpolitiker Michael Kauch, warum neue Kraftwerke gar nicht so schlecht sind. Interview Teil 2 über Wettbewerb, Emissionshandel und die Waldschutzmaßnahmen von Parteifreund Dirk Niebel
Interview: Nick Reimer, Mitarbeit: Joachim Wille [mehr...]
Donnerstag, 12. August 2010, 15:49 Uhr
Klimaaktivistin geht ins Gefängnis
castorblockade2008_cinerebeldeDie Klimaschutzaktivistin Franziska Wittig geht für zwei Wochen ins Gefängnis. Hintergrund ist eine Aktion gegen den Bau des Kohlekraftwerks in Hamburg-Moorburg vor zwei Jahren. Sie hatte zusammen mit 40 anderen im Rahmen des Hamburger Klimacamps 2008 die Baustelle für einige Stunden besetzt gehalten. Vattenfall baut im Hamburger Ortsteil Moorburg ein 1.640-Megawatt-Steinkohlekraftwerk, welches pro Jahr etwa zwei Millionen Tonnen Kohlendioxid ausstoßen wird.
Aus Berlin Hanno Böck

[mehr...]
Samstag, 16. Juli 2011, 17:20 Uhr
Anti-Kohle-Camp vor RWE-Zentrale
Umweltschützer haben in Essen auf der Straße gezeltet. Eine ähnliche Aktion in Berlin wurde verboten [mehr...]
Montag, 31. Januar 2011, 17:16 Uhr
Australische Aktivisten müssen zahlen
Gericht verurteilt Kohlegegner zu Strafen zwischen 250 und 1.000 Dollar: Die einen haben im Dezember die Gleise für Güterzüge zum Kohlekraftwerk Bayswater besetzt, die anderen einen Verladekran blockiert.
Von Johanna Treblin
[mehr...]
Donnerstag, 01. Dezember 2011, 07:39 Uhr
BUND versus Kohlewerk Lünen
Die Klage gegen das Trianel-Kohlekraftwerk geht heute in die nächste Runde [mehr...]
Donnerstag, 10. März 2011, 08:09 Uhr
Das Ende des britischen Klimacamps
Fünf Jahre lang haben die Klima-Aktivisten in Großbritannien vorgemacht, wie es geht. In diesem Jahr wird es kein britisches Klimacamp mehr geben. Die Bewegung will sich an "neuen Experimenten" versuchen.
Von Sarah Messina  [mehr...]
Montag, 27. Juni 2011, 11:27 Uhr
Einwendungen gegen Moorburg-Trasse
Am Mittwoch läuft die Frist ab   [mehr...]

Meinungen: Etscheits Alltagsstress

Danke, lieber Fritz Vahrenholt!

etscheid Energiekonzerne können bohren, fracken und teersanden so viel sie wollen, ohne dass ihnen linksradikale Umweltschützer noch in die ölige Suppe spucken können. Alles wird gut. Vielen Dank, liebe Sonne! Vielen Dank, Fritz Vahrenholt! [mehr...]

Meinungen: Kommentar

Keine Blackout-Angst

Der Winter ist kalt und das Stromnetz bleibt stabil - die Energiewende führt nicht zum befürchteten Blackout.Ein Kommentar von Joachim Wille [mehr...]

mehr...

Werbung

Jahresrückblick
2011: Das Jahr der Rekorde

Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, Bundeskanzlerin Angela Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Hamburger Mucken auf. Neuer Schmelzrekord in der Aktis, neuer Emissionsrekord in der Atmosphäre und so viel Flugpassagiere wie noch nie - der Jahresrückblick 2011. [mehr]


Aktion des Monats

US-Waldgesetz retten

In den USA formieren sich Lobbyisten nachdem US-Behörden dem Gitarrenbauer Gibson die Einfuhr von illegalen Tropenhölzern nachweisen konnten. Vorn dabei: Die rechtskonservative Tea Party. Gemeinsam wollen diese das Lacey-Gesetz, dass den Import der Tropenhölzer für illegal erklärt, kippen. [mehr]

Durban 2011

Klimakonferenz Durban

Was war die 17. UN-Klimakonferenz - eine weitere Pleite der Diplomatie oder der Startschuss für das bitter nötige globale Klimaabkommen? Alle Berichte unserer Korrespondentinnen und Korrespondenten aus Südafrika können Sie im Durban-Dossier nachlesen.  [mehr]

Neue Klimaretter-Serie 
Die Gesetze der Energiewende

Diesmal soll sie gelingen, die Energiewende. Die schwarz-gelbe Regierung hat dafür umfangreiche Gesetze verabschiedet - oft mit  Stimmen der Opposition. In einer Serie analysiert klimaretter.info, was drin steht in den Gesetzen. Und was von ihnen zu halten ist.


Lexikon

Das ABC der Klimaretter

Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr]

In eigener Sache

Klimaretter abonnieren!

Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann unterstützen Sie uns, denn unabhängiger Journalismus kostet Geld. Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...]

Werbung

Bild & Vahrenholt: Die Lüge von der CO2-Lüge

Der Chef des Springer-Verlags, Matthias Döpfner, hat vor Jahren mal über sein Boulevardblatt Bild gesagt: „Wer mit ihr im Aufzug nach oben fährt, der fährt auch mit ihr im Aufzug nach unten.“ Das betrifft offenbar nicht nur Promis, sondern auch[…] [mehr...]

Klimaretter-Dossiers

Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs

Klimakonferenz-Specials

Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13

Werbung

Facebook Empfehlungen

klimaretter.info auf Twitter

klimaretter.info Newsletter

klimaretter.info Newsfeed

Hier gehts zu einer Übersicht unserer Newsfeeds


Werbung


Ressorts

Politik


Kanzlerin auf Rohstoffsuche

Angela Merkel (CDU) trifft sich heute mit dem Präsidenten von Kasachstan, um über die Lieferung von seltenen Erden zu verhandeln [mehr...]
Protest


Facebook: Sonne gegen Rösler

Wegen Solarkürzungen: Facebook-Nutzer wetten gegen Wirtschaftsminister [mehr...]
Mobilität


Kalifornien erzwingt mehr saubere Autos

Neue Abgasregeln sollen CO2-Ausstoß im Verkehr bis 2025 um 52 Millionen Tonnen senken [mehr...]
Forschung

mann3_cr
Rechtshilfefonds für US-Klimaforscher

Organisation will Wissenschaftler wie Michael Mann beim Kampf gegen juristische Angriffe von "Klimaskeptikern" unterstützen [mehr...]
Wohnen


Heizkosten kosten nach Verbrauch

Urteil des Bundesgerichtshof: Eine pauschale Abrechnung ist "ungerecht" - und deshalb verboten [mehr...]

Werbung


Meinungen

Kommentar


Keine Blackout-Angst

Der Winter ist kalt und das Stromnetz bleibt stabil - die Energiewende führt nicht zum befürchteten Blackout.
Ein Kommentar von Joachim Wille
[mehr...]
Standpunkte


Biogas: unverzichtbar für die Energiewende

Die pauschale Kritik an der "Vermaisung" der Landschaft ist falsch, meint der Geschäftsführer des Fachverband Biogas, Claudius da Costa Gomez, in einem Gastbeitrag. Zukünftig würden auch alternative Energiepflanzen wie Rüben für die Stromerzeugung verwendet werden. Auch auf den Humus-Haushalt habe der Biomasseanbau keine negativen Auswirkungen. Teil fünf unserer Debattenserie zu den Folgen des Atomausstiegs.
Von Claudius da Costa Gomez
[mehr...]
Rezension


Ruht der Wind sich jemals aus?

Warum sind die Wolken flauschig? Wieso ist die Erde nicht tiefgefroren? Der Potsdamer Klimaforscher Stefan Rahmstorf präsentiert Wetter und Klima als Abenteuer für Kinder.
Eine Rezension
von Toralf Staud
[mehr...]
Kolumnen

nick3
Wie die FDP Ihr Geld klaut

Der Wirtschaftsminister will 250 Großkunden die EEG-Umlage von deren Strompreis abziehen. Das kostet Sie vielmehr Geld als der Ausbau der erneuerbaren Energien! [mehr...]
Überraschung der Woche


Transparenz, EEG und die Ananas des Herrn Großmann

Kalenderwoche 5: Was steckt hinter dem Solarbashing des Wirtschaftsministers?, fragt sich Matthias Willenbacher, Gründer des Unternehmens juwi und Mit-Herausgeber von klimaretter.info [mehr...]