Klimaaktivistin aus Haft entlassen
Die Klimaaktivistin Franziska Wittig ist gerade aus der Haft entlassen worden. Ihr erstes Ziel ist der Rathausplatz von Bühl, wo Freunde und Unterstützer ein veganes Frühstücksbuffet aufgebaut haben. Vor zwei Jahren besetzte sie die Baustelle des Kohlekraftwerks in Hamburg-Moorburg und wurde dafür zu 15 Tagessätzen verurteilt. Sie zahlte nicht und ging stattdessen in das Gefängnis.
Müde ist sie. "Aber sonst fühle ich mich ziemlich gut." Die Klimaaktivistin Franziska Wittig ist gerade aus der Haft entlassen worden. Ihr erstes Ziel ist der Rathausplatz von Lünen, wo Freunde und Unterstützer ein veganes Frühstücksbuffet aufgebaut haben.

Franziska Wittig blockiert 2008 einen Castor-Transports in Berg bei Karlsruhe. (Foto: Cinerebelde)
Franziska Wittig hat 14 Tage Knast hinter sich. Vor zwei Jahren besetzte sie gemeinsam mit 40 Mitstreitern für einige Stunden die Baustelle des Kohlekraftwerks in Hamburg-Moorburg. "Fünf Personen waren oben auf dem Kran, ich habe mich unten am Boden an einer Sitzblockade beteiligt", erzählt sie.
Das Amtsgericht Hamburg-Harburg verurteilte die Besetzer im März 2009 wegen Hausfriedensbruchs zu einer Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu je zehn Euro.
Klimawandel als "rechtfertigender Notstand"
Weil sie ihre Aktion für legitim hält, wollte Wittig allerdings nicht zahlen. "Angesichts der drastischen Effekte, die der Klimawandel mit sich bringt, ist der Neubau von Kohlekraftwerken absolut unvertretbar", sagt Wittig. Vor Gericht argumentierte sie, aufgrund der akuten Bedrohung durch den Klimawandel sei die Aktion als rechtfertigender Notstand zu werten, den das Strafgesetzbuch im Paragrafen 34 explizit vorsieht.
Aus dem Gefängnis ist Wittig nun einen Tag früher entlassen worden als ursprünglich vorgesehen. "Wenn ein Teil des Tagessatzes bezahlt wurde, darf der Gefangene für den Tag nicht weiter festgehalten werden – das wird sonst als Freiheitsberaubung gewertet", erklärt Wittig. Eine Freundin habe einen Cent überwiesen, weil sie der Überzeugung sei, die Aktivistin könne außerhalb des Gefängnisses mehr bewegen als in der Zelle. Daraufhin musste Wittig entlassen werden - ein Teil des Tagessatzes war bezahlt, wennauch der denkbar kleinste.
Der Alltag im Knast: Zwei Wochen "ganz okay"
"Für zwei Wochen ist es ganz okay, ins Gefängnis zu gehen", sagt sie. "Ich wusste ja, dass der Aufenthalt begrenzt ist." Hilfreich sei der große Unterstützerkreis gewesen, sie habe viele Briefe bekommen und konnte auch mal telefonieren. Während ihres Aufenthalts schrieb Wittig an einem Knasttagebuch, das online veröffentlicht wurde. Darin beschreibt sie auch ihre Arbeitsroutine: Im gefängnisinternen Betrieb musste sie Mappen basteln – bei einem Stundenlohn von unter einem Euro.
"Für diejenigen, die länger im Gefängnis sitzen, ist es natürlich ganz anders. Hier sind beispielsweise auch Frauen, die zu Hause Kinder haben. Für die ist es ganz schlimm", sagt Wittig. Schwierig sei es auch für Untersuchungshäftlinge, die meist nicht wissen, wie lange sie in Haft bleiben müssen.
Aktion auf dem ersten deutschen Klimacamp
Die Bauplatzbesetzung, für die Wittig die Gefängnisstrafe abgesessen hat, fand 2008 im Rahmen des ersten deutschen Klimacamps in Hamburg statt. Dort hatte sich kurz zuvor eine schwarz-grüne Koalition gebildet. Im Wahlkampf hatten die Grünen noch versprochen, im Falle einer Regierungsbeteiligung den Bau des Kohlekraftwerks zu stoppen. Später allerdings akzeptierten sie den Weiterbau. Während des Camps kam es zu mehreren Aktionen gegen das Kohlekraftwerk, eine geplante Massenbesetzung am letzten Tag scheiterte.

Polizisten beschützen das Kohlekraftwerk Hamburg-Moorburg. Einige Aktivisten sind trotzdem auf die Baustelle gelangt. (Foto: Werdermann)
"Der Klimawandel führt schon jetzt zu Flucht, Not, und Vertreibung. Da ist es nicht sinnvoll, ihn weiter voranzutreiben, indem man Kohlekraftwerke baut. Vattenfall tut das trotzdem", sagt Wittig. "Ich setze mich für eine dezentrale Stromversorgung ohne Kohle und Atom ein, am liebsten in Selbstverwaltung." Wittig zufolge reicht es nicht aus, "ein bisschen ökologischer" zu leben, man müsse auch selbst handeln und selbst etwas bewegen. Mit dem veganen Buffet auf dem Rathausplatz, das die Aktivisten als Mahnwache deklarierten, wollen sie aber dennoch zeigen, dass jeder Einzelne auch selbst etwas im Kleinen bewirken kann.
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