Klimacamp vor Royal Bank of Scotland
Das britische Klimacamp findet dieses Jahr im schottischen Edinburgh statt. Kritik an Investitionen der Royal Bank in Kohlekraftwerke und in den Abbau von Teersand. Unterstützung für lokale Proteste gegen Kohletagebau.
Das britische Klimacamp hat seine Zelte vor dem Hauptquartier der Royal Bank of Scotland (RBS) in Edinburgh aufgeschlagen. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag drangen die ersten Aktivisten auf das Gelände der Bank vor – früher als geplant, da man befürchtete, die Polizei könnte versuchen das Camp zu unterbinden. Höhepunkt soll am Montag eine Blockade der Bankzentrale werden.

Die Bankzentrale im Blick. (Foto: Böck)
Während der Wirtschaftskrise hatte die RBS die höchsten Staatshilfen für ein Einzelunternehmen im vereinigten Königreich erhalten. Die Bank wurde vom Klimacamp als Ziel ausgewählt, da sie in großem Maßstab in den Abbau fossiler Rohstoffe investiert. So wurden etwa Eon Kredite für den Bau von neuen Kohlekraftwerken gewährt. Im Zentrum der Kritik stehen jedoch Investitionen in die Gewinnung von Öl aus sogenannten Teersanden in Kanada.
Der Abbau von Teersand ist sehr energieaufwändig und verursacht etwa drei- bis fünfmal so viel Treibhausgasemissionen wie konventionelles Öl – doch durch Ölknappheit und den hohen Ölpreis lohnt sich die Förderung zunehmend. Der Teersandabbau zerstört große Flächen der borealen Wälder in Alberta, die giftigen Abwasserbecken gehören zu den größten künstlich angelegten Wasserflächen der Welt. Zur Zeit finanziert die RBS den Bau einer Ölpipeline der Firma Enbridge in British Columbia. Die Pipeline geht durch das Gebiet von 50 indianischen Gemeinschaften – zwei Vertreterinnen kanadischer Ureinwohner nehmen am Klimacamp in Edinburgh teil. Ein Sprecher der Bank erklärte, man habe Verständnis für das Anliegen der Proteste, jedoch investiere die RBS bereits in großem Maßstab in erneuerbare Energien.

Klimacamp startet heute offiziell. (Foto: Böck)
Neben RBS haben die Klimaschützer weitere Protestziele in der Region im Auge. Nahe Edinburgh plant Scottish Coal, den Steinkohletagebau Airfield zu eröffnen. Im Norden von Schottland in der Gemeinde Hunterston gibt es Pläne für den Bau eines neuen Kohlekraftwerks. Ursprünglich hatte die britische Regierungskoalition angekündigt, den Bau neuer Kohlekraftwerke durch erhöhte Effizienzstandards für Kraftwerksneubauten zu verhindern – doch wie diese Woche bekannt wurde, wird ein entsprechendes Gesetz wohl vorerst nicht verabschiedet.
Das britische Klimacamp findet seit 2006 an wechselnden Standorten statt und dient als Vorbild für Klimacamps in vielen anderen Ländern. Ziel dabei ist es auch, das Camp selber so klimaschonend wie möglich zu gestalten – veganes Essen, Komposttoiletten, Strom von Windrädern und Solarzellen. Das erste Camp fand am Kohlekraftwerk Drax statt. 2007 zogen die Klimacamper zum Londoner Flughafen Heathrow – die Ausbaupläne für den Flughafen sind inzwischen zurückgezogen. Im darauf folgenden Jahr ging es nach Kingsnorth, wo Eon ein neues Kohlekraftwerk bauen wollte – die Pläne liegen ebenfalls auf Eis. Im vergangenen Jahr fand das Camp in London statt.
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