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Atomkraftgegner planen Großdemo in Berlin

Zehntausende Umweltschützer erwarten die Organisatoren zur Anti-Atom-Demo am 18. September in Berlin. Am Ende soll das Regierungsviertel mit einer Menschenkette umzingelt werden. Der "heiße Herbst" geht aber auch danach weiter: Gipfeln soll er in Protesten gegen Atommülltransporte nach Gorleben.

Aus Berlin Felix Werdermann

Während die Regierung über längere Atomlaufzeiten diskutiert, haben Umweltschützer jetzt einen "heißen Herbst" der Anti-Atom-Proteste angekündigt. Mit einer Großdemo am 18. September in Berlin soll ein "starkes Signal für einen echten Atomausstieg" gesendet werden, sagte Thorben Becker vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gestern in Berlin. Die Organisatoren rechnen mit zehntausenden Teilnehmern.

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Bei der letzten Großdemonstration im Herbst 2009 waren in Berlin 50.000 Menschen auf der Straße.

Die Bundesregierung möchte im Herbst ein Energiekonzept vorlegen, in dem unter anderem der Weiterbetrieb der Atomkraftwerke geregelt werden soll. Dass diese Frage erst jetzt entschieden wird, liegt an der nordrhein-westfälischen Landtagswahl in diesem Frühjahr. Längere AKW-Laufzeiten wider den Willen der Bevölkerung hätten Union und FDP wichtige Stimmen kosten können.

Heute steht zwar keine entscheidende Wahl an, die Stimmung in der Bevölkerung hat sich aber nicht geändert. Atomkraftgegner sind daher hoffnungsvoll: "Wir rechnen damit, dass die gesellschaftliche Mehrheit auch die Bundesregierung zum Einlenken bringt", sagt Jochen Stay von der Organisation Ausgestrahlt.

Regierungsviertel soll umzingelt werden

Die Demonstration in Berlin wird getragen aus einem breiten Bündnis aus Umweltverbänden, Bürgerinitiativen, Parteien und Gewerkschaften. An dem Tag sollen auch Fahrradfahrer und Inline-Skater mitdemonstrieren. Am Ende wollen die Umweltschützer eine knapp 3 Kilometer lange Menschenkette um das Regierungsviertel bilden. Die Veranstalter sind zuversichtlich, dass mindestens 30.000 Demonstranten kommen werden, dann wären sogar mehrere Reihen möglich. Eine ähnlich Aktion gab es schon vor etwa anderthalb Jahren, als in Berlin eine Tagung des Atomforums umzingelt wurde.

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Frühjahr 2009: Das Atomforum ist umzingelt.

Die Mobilisierung zur Berlin-Demo laufe "auf Hochtouren", sagen die Organisatoren. Angemeldet seien bereits 30 Sonderbusse aus ganz Deutschland und zwei Sonderzüge – einer kommt aus Baden-Württemberg, der andere aus Nordrhein-Westfalen. Aus Niedersachsen ist eine Radtour nach Berlin geplant.

Der "heiße Herbst" soll in den den Protesten gegen den Atommülltransport zum geplanten Endlager im niedersächsischen Gorleben gipfeln. Die Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg rechnet mit 20.000 Teilnehmern bei einer Kundgebung, auf der man "mit Kind und Kegel" demonstrieren wolle. "Das wird die größte Anti-Atom-Manifestation in der Geschichte des Wendlands", prophezeit die Vorsitzende Kerstin Rudek. Aus Sicht der Bürgerinitiative werde die Endlagerproblematik "gerade bei dem Geschacher um verlängerte Laufzeiten gern unter den Tisch gekehrt". Sie sei daher "kein regionales Problem".

Der Protest-Fahrplan steht

Los gehen die Anti-Atom-Proteste aber schon an diesem Samstag. Das Netzwerk Campact organisiert Aktionen in 40 Städten: Unter dem Motto "Mal richtig abschalten" wollen es sich Umweltschützer in Liegestühlen unter Sonnenschirmen bequem machen. Am 3. September werden in mehreren Städten Deutschlands Atommüllfässer bemalt, die danach in Berlin ein großes Mahnmal bilden sollen.

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Campact möchte am Samstag "mal richtig abschalten". (Foto: Campact)

Ende September soll gegen die Inbetriebnahme des geplanten Endlagers Schacht Konrad protestiert werden, bevor wenige Zeit später zwei Demonstrationen im Süden Deutschlands auf dem Programm stehen: Am 6. Oktober soll der baden-württembergische Landtag in Stuttgart umzingelt werden, drei Tage später wird in der bayrischen Landeshauptstadt München demonstriert. Die beiden unionsregierten Länder gehören zu den Befürwortern einer Laufzeitverlängerung. Umweltschützer kritisieren, dass die Atomenergie in diesen Ländern einen überproportional großen Anteil am Strommix hat, der Müll aber in den Norden Deutschlands gekarrt wird.

Anti-Atom-Bewegung im Aufschwung

Die Chancen, viele Menschen auf die Straßen zu bringen, stehen gut. Schon im letzten Herbst haben kurz vor der Bundestagswahl 50.000 Atomkraftgegner in Berlin demonstriert – viele aus Angst vor einer schwarz-gelben Regierung, die noch längere Laufzeiten beschließen könnte. In diesem Frühjahr gab es dann die zahlenmäßig größten Anti-Atom-Proteste in der Geschichte Deutschlands: 120.000 Umweltschützer bildeten eine Menschenkette zwischen den Atomkraftwerken Brunsbüttel und Krümmel.

Vor kurzem hat auch der BUND, einer der größten deutschen Umweltverbände, den Kampf gegen den Weiterbetrieb der Reaktoren zum Schwerpunkt-Thema im Herbst erklärt.

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