"Heißer Herbst" der Anti-Atom-Proteste
Ein "heißer Herbst" der Anti-Atomproteste steht der Bundesregierung bevor, wenn sie im September ihr Energiekonzept vorstellen möchte. In Berlin und München sind Demos geplant. Auch die bisherige Regierungspolitik wird von Umweltschützern kritisiert: Durch Streichen umweltschädlicher Subventionen und Steuervorteile ließen sich jährlich 15 Milliarden Euro mehr einnehmen, erklärte der Naturschutzverband BUND.
Aus Berlin Felix Werdermann
"Die Proteste gegen AKW-Laufzeitverlängerungen und ihre Gefahren werden nicht abreißen." Hubert Weiger, Vorsitzender des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ist sich sicher, dass es nach den Protesten im letzten Herbst und in diesem Frühjahr weitergeht. Der "Kampf gegen die Atomenergie" soll ein BUND-Schwerpunkt der kommenden Monaten sein. Wenn die Bundesregierung im September ihr lang erwartetes Energiekonzept vorstellen möchte, werde es auch einen "heißen Herbst der Anti-Atom-Proteste" geben, kündigte Weiger an.

Im Frühling gab es bereits Massenproteste - wie hier in Ahaus. (Foto: Schulze von Glaßer)
Im letzten Herbst gingen kurz vor der Bundestagswahl 50.000 Atomkraftgegner auf die Straße. Im April bildeten 120.000 Umweltschützer eine Menschenkette zwischen den Atomkraftwerken Brunsbüttel und Krümmel. Nun ist für den 18. September in Berlin eine weitere große Demonstration angekündigt, unter anderem soll das Regierungsviertel umzingelt werden. Eine Großkundgebung ist auch für München geplant. Am 9. Oktober wollen Umweltschützer auf die bayrische Atom-Situation aufmerksam machen: Von den Steuern profitiert der Freistaat, der Müll wird aber nach Niedersachsen zum geplanten Endlager in Gorleben verfrachtet.
Bundesregierung in "energiepolitischer Sackgasse"
Für die bisherige Umweltpolitik erhält die schwarz-gelbe Bundesregierung vom BUND ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. Mit der geplanten Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke befinde sie sich in einer "energiepolitischen Sackgasse", sagte Weiger. Wenn die erneuerbaren Energien weiter ausgebaut werden, müsse über kürzere Laufzeiten diskutiert werden. Auch die Diskussion um Versteigerung von Atomstrommengen sei "absurd": "Es wird hier versteigert zu Lasten Dritter", sagte Weiger - zu Lasten kommender Generationen.
Die geplante Brennelementesteuer gehört hingegen zu den wenigen Punkten, die vom BUND gelobt wurden. Allerdings müsste sie getrennt vom Weiterbetrieb der Atomreaktoren betrachtet werden, betonte Weiger. Alleine sechs Atomkraftwerke könnten abgeschaltet werden, wenn zusätzliche Maßnahmen zur Energieeffizienz und zum Energiesparen ergriffen würden. Aus dem Wirtschaftsministerium von Rainer Brüderle (FDP) fehlten aber entsprechende Initiativen, bemängelte der BUND-Vorsitzende. Die Liberalen stellten sich "zunehmend als Klientelpartei der Energieverschwender" heraus.
Umwelt schützen - und 15 Milliarden Euro sparen
Der BUND fordert, den Rotstift auch bei umweltschädlichen Subventionen und Steuervorteilen anzusetzen. Hubert Weiger zählt die Ausnahmeregelungen auf, die klimaschädliches Verhalten belohnen: Spitzenausgleich bei der Ökosteuer, Steuerbefreiung für energieintensive Prozesse, Energiesteuerermäßigung für Kohle, fehlende Kerosinsteuer, Dienstwagenprivileg, ... und die Liste geht noch weiter. Durch ökologisches Sparen könnte der Staat pro Jahr 15 Milliarden Euro zusätzlich einnehmen, hat der BUND errechnet. Das entspreche dem Sparziel für 2011. Eine Studie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) ist vor kurzem zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen.

Jede Menge Euros lassen sich einsparen - aber wo setzt die Bundesregierung den Rotstift an? (Foto: Flickr/FlubbelEmpire)
Großes Einsparpotential gibt es laut BUND im Verkehrssektor. Großprojekte wie der umstritten Bahnhof "Stuttgart 21" oder die Autobahn A 14 von Rostock nach Magdeburg seien überflüssig. Weiger: "Das Geld fehlt für umweltfreundliche Verkehrspolitik in der Fläche."
Guter Journalismus kostet
Sie können die Texte auf klimaretter.info kostenlos lesen. Erstellt werden sie jedoch von bezahlten Redakteuren. Unterstützen Sie den Klimaretter-Förderverein
Klimawissen e. V. einmalig durch eine Spende oder dauerhaft mit einer Fördermitgliedschaft.
Spendenkonto
Die Schlagzeilen um 11 Uhr
In dieser Woche am meisten gelesen
Meinungen: Rezension
Die Übermacht der fossilen Industrie In Bonn wird auf der UN-Frühjahrstagung gerade wieder über das Klima verhandelt. Ein umweltverträglicher Kapitalismus ist jedoch nicht abzusehen. Aber auch die Kritiker tun sich schwer - ihnen fehlen die Alternativen. Eine Rezension von Felix Werdermann [mehr...]
Meinungen: Standpunkte
"Altmaier muss die Energiewende retten" Nun ist es amtlich: Der Bundespräsident hat Norbert Röttgen (CDU) entlassen und Peter Altmaier (CDU) seine Ernennungsurkunde zum Umweltminister überreicht. Dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nun einen ihrer engsten Vertrauten für das Projekt Energiewende ins Rennen schickt, ist wichtig für die Kontiunität der Energiewende und für das Kräftespiel zwischen Wirtschafts- und Umweltministerium, findet klimaretter.info-Herausgeber Gero Lücking. [mehr...]
Jahrestag
Das Fukushima-Dossier
11. März 2011: Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, fast 20.000 Menschen sterben. Die Atomanlagen havarieren, ein politischer Tsunami folgt. Kanzlerin Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Welt diskutiert die Atomkraft. Zum Jahrestag präsentiert klimaretter.info jenes Dossier, das damals im Nachrichtendschungel Orientierung gab. [mehr]
Aktion des Monats Das Netzwerk Friends of the Earth hat eine Europäische Bürgerinitiative für den EU-weiten Atomausstieg gestartet. BUND-Hubert Weiger, einer der Initiatoren sagt, mit der Volksinitiative habe man "jetzt endlich eine greifbare Möglichkeit, den Weg in eine sichere und saubere Energiezukunft zu ebnen". Nutzen wir sie! [mehr] | Zu Ihrem Vorteil Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann müssen Sie uns helfen! Unabhängiger Journalismus kostet Geld, und wenn RWE, Vattenfall, die CDU oder die Netzbetreiber nicht dafür zahlen, dann doch wohl Sie! Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...] |
Klimaretter-Jobbörse
Die Pioniere der Energiewende
Ein Elektroingenieur für den Bereich Netzanschluss gesucht? Einen Sicherheitsexperten für die Windkraft? Eine Klimaberaterin für die Verbraucherzentrale in Mainz? Auf der klimaretter.info Jobbörse werden viele spannende Jobs zur Energiewende angeboten. [mehr]
Lexikon Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr] | Klimaretter-Beichtstuhl Na, doch wieder einmal schwach geworden? Doch wieder eine unnötige Strecke mit dem Auto gefahren? Doch wieder ins Flugzeug gestiegen? Fehler zu (be)kennen, ist der erste Schritt zur Besserung: Erzählen Sie einfach sich, was Sie bereuen. Und warum. Sie werden sehen: Das erleichtert! Nutzen Sie einfach unseren "klimaretter.info-Beichtstuhl". [mehr...] |
Deutsche Stahlwirtschaft: Pure Panikmache
DB mobil, die Kundenzeitschrift der Bahn, ist eine honorige Publikation. Erstens beträgt ihre Auflage mehr als 500.000 Stück, nur wenige Magazine bewegen sich in diesen Größenordnungen. Zweitens ist die Zeitschrift gut gemacht. Im Maiheft geht es beispielsweise um Elektromobilität, die[…] [mehr...]Mehr vom Lügendetektor
Klimaretter-Dossiers
Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs
Klimakonferenz-Specials
Durban Dezember 2011 - COP17 in Südafrika
Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13
Facebook Empfehlungen
klimaretter.info auf Twitter
klimaretter.info Newsfeed





Die Bundesregierung will den Weiterbau des brasilianischen Atomkraftwerks Angra 3 mit einer staatlichen Kreditbürgschaft absichern. Am Samstag starteten Umweltorganisationen eine Protestwoche. klimaretter.info sprach mit dem brasilianischen Energieexperten Célio Berman über die Interessen hinter dem umstritten Atomkraftwerk.
Die Laufzeitverlängerungen reißen einen alten gesellschaftlichen Konflikt wieder auf, der mit dem Atomkonsens eigentlich befriedet schien. Ausgetragen wird der Konflikt auf dem Rücken der Polizei, sagt Konrad Freiberg, Chef der Gewerkschaft der Polizei im klimaretter-Interview.
Die Pendlerpauschale, deren Erhöhung wieder pünktlich zur Osterreisezeit gefordert wird, kostet - schon jetzt - sehr viel Steuergeld und schadet der Umwelt noch viel mehr. Umweltwissenschaftler fordern ihre Abschaffung, genauso wie die Abschaffung von Kerosinsteuerbefreiung und Dienstwagenprivileg.
Diesmal soll sie gelingen, die Energiewende. Die schwarz-gelbe Regierung hat dafür umfangreiche Gesetze verabschiedet - oft mit
Stimmen der Opposition. In einer Serie analysiert klimaretter.info, was drin steht in den Gesetzen. Und was von ihnen zu halten ist. Heute Teil 2: Das Atomausstiegs-Gesetz - Herzstück der neuen Energiepolitik.
Zehntausende Umweltschützer erwarten die Organisatoren zur Anti-Atom-Demo am 18. September in Berlin. Am Ende soll das Regierungsviertel mit einer Menschenkette umzingelt werden. Der "heiße Herbst" geht aber auch danach weiter: Gipfeln soll er in Protesten gegen Atommülltransporte nach Gorleben.
Noch fünf Tage bis zum Beschluss des schwarz-gelben Energiekonzepts: Gegen eine Klage der SPD-Länder gegen die Verlängerung der Atom-Laufzeiten wollen unionsgeführte Länder wiederum gegenklagen.
Die grün-rote Landesregierung in Baden-Württemberg will vorerst keine weiteren Straßen neu bauen. Die Industrie- und Handelskammern sind empört. Dabei ist die Politik des grünen Verkehrsministers keinesfalls autofeindlich.
Start des 3. Deutschen Elektro-Mobil Kongresses in Bonn: Ein zügiger Ausbau der erneuerbaren Energien könnte auch die Elektromobilität voranbringen – mit all ihren Folgen.
Kommt es zur Atomkatastrophe, entstehen Schäden in Billionenhöhe. Die AKW-Betreiber haften in Deutschland und Japan zwar im Prinzip unbegrenzt. Das vorhandene Geld reicht aber nur, um einen Bruchteil der Schäden auszugleichen.
Die Nutzung der Atomkraft könnte eher beendet werden als sich das SPD und Grüne gedacht haben. Dazu werden bereits waghalsige Kostenrechnungen angestellt – doch am Ende wird auch ein schnellerer Ausstieg bezahlbar bleiben.
In einem Rutsch hat Schwarz-Gelb beim Atom-Gipfel am Sonntag auch das angekündigte Energiekonzept auf den Weg gebracht. Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) feiern einen "großen Wurf", Kanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht gar von einer "Revolution in der Energieversorgung". Kritiker sprechen dagegen von einem "Generalangriff auf energiepolitische Fortschritte".
Im Kanzleramt soll kein Telefon mehr stillstehen: Der BUND ruft Bürger auf, von Merkel den Atomausstieg einzufordern
40 Manager und Promis fordern die Bundesregierung per Zeitungsanzeige auf, neue Kohlekraftwerke zu bauen, die Reaktorlaufzeiten zu verlängern und die Atomenergie möglichst gering zu besteuern. Die Bundeskanzlerin zeigt sich gelassen, die Opposition kritisiert die Werbeoffensive. Globalisierungskritiker sprechen gar von einer "dreisten Arroganz der Macht". Von Bernward Janzing



