Werbung

Preise .info-Award 2010 Gewinner des Deutschen Solarpreises 2009 Umwelt-Medienpreis 2008
Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. DruckenE-Mail

UN-Klimagipfel: Erste Prozesse in Kopenhagen

Während des Weltklimagipfels in Kopenhagen wurden über tausend Demonstranten festgenommen. Die meisten wurden nach einigen Stunden wieder aus der Präventivhaft entlassen. Der Berliner Student Christoph Lang ist einer von ihnen: Am Mittwoch verurteilte ihn das Kopenhagener Landgericht zu 30 Tagen Haft auf Bewährung. wir-klimaretter.de hat vor dem Prozess mit ihm gesprochen

wir-klimaretter.de: Sie haben in Kopenhagen gegen den UN-Klimagipfel demonstriert und müssen nun vielleicht ins Gefängnis: Was wird Ihnen vorgeworfen?

Christoph Lang: Ich wurde auf einer Massen-Ingewahrsamnahme während der "Reclaim-Power"-Aktion in der zweiten Woche festgenommen. Wir wollten an diesem Tag das Bella-Center erreichen und dort ein "Assembly of the people" abhalten. Die Festnahmen waren eine der üblichen präventiven Maßnahmen. Aufgrund des dänischen Lümmelpaketes konnten Demonstranten ohne Verdacht festgesetzt werden. Mir wird vorgeworfen, zwei Polizisten während des Abtransports im Polizeibus getreten zu haben.

henner_weithner2-kl
In der dänischen Präventivhaft saßen bis zu 1.200 Demonstranten aus ganz Europa ein

Und das streiten Sie ab?

Ich werde keine Aussage machen. Die zwei Polizisten, die mich verklagen, haben an sehr vielen Stellen sichtlich gelogen.

Für den "Reclaim-Power-Tag" wurden im Vorfeld schon Aktionen des zivilen Ungehorsams angekündigt: Die Reaktion der Polizei war deshalb nicht überraschend.

Ich fand das Ziel sehr gut, über die Zäune zu klettern, in das Verhandlungszentrum zu gehen und dort drinnen die "Assembly of the people" abzuhalten. Es ging nicht darum, in die Gebäude zu gehen, sondern nur auf das Gelände. Wir wollten zeigen, dass es hier ein Legitimitätsproblem gibt. Aber es war relativ schnell klar, dass es nicht funktionieren würde, da wir zu wenig Aktivisten waren.

Welche Strafe erwarten Sie, wenn Sie verlieren?

Wenn ich für schuldig erkannt werde, wird es eine Mindeststrafe von 40 Tagen geben. Da es aber zwei Beamten sind, die mich beschuldigen wird es wahrscheinlich mehr werden – also 60 bis 80 Tage.

Viele Demonstranten haben auch gegen dänische Polizisten geklagt: Wie sind die Beamten denn mit den Demonstranten umgesprungen?

Ich habe auch einem der beiden Polizisten, die mich angezeigt haben, eine Anklage angedroht. Ich suche aber noch Zeugen: Er hat mich im Polizeibus drei Mal gewürgt – und das nur weil ich dagegen protestiert habe, dass Leute gequält wurden.

Was heißt gequält?

Die Polizei hat teilweise unter Schlagstockeinsatz die Gefangenen auf ihre Sitze zurückgedrängt. Sie haben mehrere Insassen mit ihrem Kapuzenpullover gewürgt. Einmal wurde ein Demonstrant an den Ohren hereingetragen – solange bis es geblutet hat. Das ist eben der unerklärte Notstand, der bei solchen Gipfeln immer ausgerufen wird. Kann sich eine demokratische Gesellschaft solche unausgesprochenen Notstände denn leisten? Es sollte darüber nachgedacht werden, wie anders mit solchen Gipfeln umgegangen werden kann.

dsc_0103
Das "Lümmelpaket" ermöglichte die Massenfestnahmen in Kopenhagen

In Kopenhagen wurden über tausend Demonstranten festgenommen: Wie viele müssen mit einer Klage rechen?

23 Demonstrantinnen waren zusammen mit mir in Untersuchungshaft, sechs davon aus Deutschland. Wir müssen alle mit einem Prozess rechnen. Zwei deutsche hatten schon ihren Prozess, eine wurde freigesprochen und die andere verurteilt, aber dagegen geht sie in Berufung. Einige haben aber noch kein Prozessdatum, beispielsweise Tadzio Müller.

War Kopenhagen Ihr erster Gipfel und warum sind Sie hingefahren?


Ich bin nach Kopenhagen gefahren, weil ich überzeugt bin, dass diese Top-Down-Geschichten nicht funktionieren. Die Klimaprobleme können nicht in solchen Gipfeln bearbeitet werden. Das wissen auch alle Beteiligten. Das ist ein Theater, was da gespielt wird. Deshalb muss man dieses Spiel immer wieder demaskieren. Wir sind demokratische Gesellschaften und müssen das zusammen lösen. Die Gipfel stellen immer wieder autoritäre Strukturen her. Meine ersten Erfahrungen habe ich bei den Massenblockaden während des G8-Gipfels in Heiligendamm gemacht.

Haben Sie den Eindruck, dass in Kopenhagen eine Klimabewegung entstanden ist?

Ob Klima- oder G8-Gipfel: Wir müssen zeigen, dass es so nicht geht. Diese autoritären Strukturen, die da immer wieder für einzelne Tage erreichtet werden und für die jedes Mal wieder demokratische Rechte eingeschränkt werden, führen zu einer Gesellschaft, die wir nicht wollen.

Werden Sie in Mexiko weiterdemonstrieren?

Ich bin derzeit voll mit den Repressionen beschäftigt. Ich werde zusammen mit den anderen, die mit mir im Gefängnis waren, versuchen, gegenseitige Hilfe aufzubauen. Beispielweise gibt es einen weißrussischen Aktivisten, der so viele Gerichtskosten aufbringen muss, dass er diese sein halbes Leben lang abzahlen müsste. Das müssen wir solidarisch abfedern.

INTERVIEW: SUSANNE GÖTZE

Weitere Infos zu den Verfahren und Solidaritätsaktionen hier

Diesen Text mit einem Klick honorieren:    [Erklärung]

Werbung

Meinungen: Etscheits Alltagsstress

Danke, lieber Fritz Vahrenholt!

etscheid Energiekonzerne können bohren, fracken und teersanden so viel sie wollen, ohne dass ihnen linksradikale Umweltschützer noch in die ölige Suppe spucken können. Alles wird gut. Vielen Dank, liebe Sonne! Vielen Dank, Fritz Vahrenholt! [mehr...]

Meinungen: Kommentar

Keine Blackout-Angst

Der Winter ist kalt und das Stromnetz bleibt stabil - die Energiewende führt nicht zum befürchteten Blackout.Ein Kommentar von Joachim Wille [mehr...]

mehr...

Werbung

Jahresrückblick
2011: Das Jahr der Rekorde

Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, Bundeskanzlerin Angela Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Hamburger Mucken auf. Neuer Schmelzrekord in der Aktis, neuer Emissionsrekord in der Atmosphäre und so viel Flugpassagiere wie noch nie - der Jahresrückblick 2011. [mehr]


Aktion des Monats

US-Waldgesetz retten

In den USA formieren sich Lobbyisten nachdem US-Behörden dem Gitarrenbauer Gibson die Einfuhr von illegalen Tropenhölzern nachweisen konnten. Vorn dabei: Die rechtskonservative Tea Party. Gemeinsam wollen diese das Lacey-Gesetz, dass den Import der Tropenhölzer für illegal erklärt, kippen. [mehr]

Durban 2011

Klimakonferenz Durban

Was war die 17. UN-Klimakonferenz - eine weitere Pleite der Diplomatie oder der Startschuss für das bitter nötige globale Klimaabkommen? Alle Berichte unserer Korrespondentinnen und Korrespondenten aus Südafrika können Sie im Durban-Dossier nachlesen.  [mehr]

Neue Klimaretter-Serie 
Die Gesetze der Energiewende

Diesmal soll sie gelingen, die Energiewende. Die schwarz-gelbe Regierung hat dafür umfangreiche Gesetze verabschiedet - oft mit  Stimmen der Opposition. In einer Serie analysiert klimaretter.info, was drin steht in den Gesetzen. Und was von ihnen zu halten ist.


Lexikon

Das ABC der Klimaretter

Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr]

In eigener Sache

Klimaretter abonnieren!

Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann unterstützen Sie uns, denn unabhängiger Journalismus kostet Geld. Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...]

Werbung

Bild & Vahrenholt: Die Lüge von der CO2-Lüge

Der Chef des Springer-Verlags, Matthias Döpfner, hat vor Jahren mal über sein Boulevardblatt Bild gesagt: „Wer mit ihr im Aufzug nach oben fährt, der fährt auch mit ihr im Aufzug nach unten.“ Das betrifft offenbar nicht nur Promis, sondern auch[…] [mehr...]

Klimaretter-Dossiers

Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs

Klimakonferenz-Specials

Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13

Werbung

Facebook Empfehlungen

klimaretter.info auf Twitter

klimaretter.info Newsletter

klimaretter.info Newsfeed

Hier gehts zu einer Übersicht unserer Newsfeeds


Werbung


Ressorts

Politik


Kanzlerin auf Rohstoffsuche

Angela Merkel (CDU) trifft sich heute mit dem Präsidenten von Kasachstan, um über die Lieferung von seltenen Erden zu verhandeln [mehr...]
Protest


Facebook: Sonne gegen Rösler

Wegen Solarkürzungen: Facebook-Nutzer wetten gegen Wirtschaftsminister [mehr...]
Mobilität


Kalifornien erzwingt mehr saubere Autos

Neue Abgasregeln sollen CO2-Ausstoß im Verkehr bis 2025 um 52 Millionen Tonnen senken [mehr...]
Forschung

mann3_cr
Rechtshilfefonds für US-Klimaforscher

Organisation will Wissenschaftler wie Michael Mann beim Kampf gegen juristische Angriffe von "Klimaskeptikern" unterstützen [mehr...]
Wohnen


Heizkosten kosten nach Verbrauch

Urteil des Bundesgerichtshof: Eine pauschale Abrechnung ist "ungerecht" - und deshalb verboten [mehr...]

Werbung


Meinungen

Kommentar


Keine Blackout-Angst

Der Winter ist kalt und das Stromnetz bleibt stabil - die Energiewende führt nicht zum befürchteten Blackout.
Ein Kommentar von Joachim Wille
[mehr...]
Standpunkte


Biogas: unverzichtbar für die Energiewende

Die pauschale Kritik an der "Vermaisung" der Landschaft ist falsch, meint der Geschäftsführer des Fachverband Biogas, Claudius da Costa Gomez, in einem Gastbeitrag. Zukünftig würden auch alternative Energiepflanzen wie Rüben für die Stromerzeugung verwendet werden. Auch auf den Humus-Haushalt habe der Biomasseanbau keine negativen Auswirkungen. Teil fünf unserer Debattenserie zu den Folgen des Atomausstiegs.
Von Claudius da Costa Gomez
[mehr...]
Rezension


Ruht der Wind sich jemals aus?

Warum sind die Wolken flauschig? Wieso ist die Erde nicht tiefgefroren? Der Potsdamer Klimaforscher Stefan Rahmstorf präsentiert Wetter und Klima als Abenteuer für Kinder.
Eine Rezension
von Toralf Staud
[mehr...]
Kolumnen

nick3
Wie die FDP Ihr Geld klaut

Der Wirtschaftsminister will 250 Großkunden die EEG-Umlage von deren Strompreis abziehen. Das kostet Sie vielmehr Geld als der Ausbau der erneuerbaren Energien! [mehr...]
Überraschung der Woche


Transparenz, EEG und die Ananas des Herrn Großmann

Kalenderwoche 5: Was steckt hinter dem Solarbashing des Wirtschaftsministers?, fragt sich Matthias Willenbacher, Gründer des Unternehmens juwi und Mit-Herausgeber von klimaretter.info [mehr...]