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Zwei gegen Trump

BildJames Hansen, der bekannte Klimaforscher, kämpft gegen die Klimapolitik der US-Regierung – mit seiner 18-jährigen Enkeltochter, die gemeinsam mit weiteren Teenagern eine Klage eingereicht hat.

Von Sandra Kirchner

Zwischen den Delegierten in Anzügen oder folkloristischer Kleidung fällt ein ungleiches Gespann auf der Weltklimakonferenz in Bonn auf: Neben einer jungen Frau mit Jeans, weitem Pulli und offenem Haar läuft ein Mann mit Schlapphut und Falten im Gesicht über das Bonner Konferenzgelände. Es ist ihr Großvater, der renommierte Klimaforscher James Hansen.

BildSophie Kivlehan und ihr Großvater James Hansen machen Druck auf die US-Regierung. (Foto: Benjamin von Brackel) 

Ihre Mission: die klimafeindliche Politik von US-Präsident Donald Trump stoppen. Während Hansen seit 30 Jahren mit wissenschaftlichen Studien vor den Auswirkungen des Klimawandels kämpft, verklagt seine Enkelin Sophie Kivlehan zusammen mit weiteren 20 Kindern und Jugendlichen und der Organisation Our Children’s Trust die US-Regierung.

"Unser Leben und unsere Freiheit werden beschädigt", sagt Kivlehan über die fossile Industrie. Künftige Generationen würden weniger Freiheiten haben, weil sie etwa wegen Meeresspiegelanstieg und Superstürmen nicht wüssten, wo sie leben werden.

Sophies Großvater mahnt seit Jahrzehnten vor dem Kohlendioxid-Ausstoß. Geschichte geschrieben hat seine Rede vor dem US-Senat 1988. Damals erklärte er, dass die Rekordtemperaturen in jenem Jahr keineswegs im Rahmen der natürlichen Schwankungen lägen. 1988, damals war seine Enkelin noch nicht geboren, ergriff eine beispiellose Hitzewelle die USA: Dürren zerstörten die Ernten, der Yellowstone-Park brannte, Tausende Menschen starben. Mit Hansen zog erstmals ein leitender US-Wissenschaftler öffentlichkeitswirksam die Verbindung zwischen dem Klimawandel und den vom Menschen verursachten CO2-Emissionen. Einen Tag nach der Anhörung titelte die New York Times: "Die Erderwärmung hat begonnen." Etliche Senatoren forderten drastische Maßnahmen.

29 Jahre später hat sich die Erhitzung des Planeten verstärkt: Immer neue Hitzerekorde, immer stärkere Wirbelstürme. Der 76-jährige Hansen hat im Laufe der Jahre allmählich die Seiten gewechselt: Vom Forscher zum Aktivisten. Als Grund gab er an: Seine Enkelkinder sollten nicht zurückzuschauen und über ihn sagen: Er hat verstanden, was passiert ist, aber er hat es nie klar ausgesprochen.

"Geld ist den Erwachsenen wichtiger"

Sophie Kivlehan wurde schon früh durch ihren Großvater, den Klima-Guru, für Klimaschutz sensibilisiert. Zu Our Children’s Trust kam Kivlehan über Hansen, die Anwälte der Organisation baten den Klimaforscher um seine Expertise. "Als ich davon gehört habe, wollte ich dabei sein", sagt Kivlehan, die sich – wie ihr Großvater – für Wissenschaft interessiert.

Um klare Worte ist auch Sophie nicht verlegen, nur die Röte in ihrem Gesicht zeigt, wie neu es für sie ist, vor Dutzenden Journalisten aus aller Welt zu sprechen. Den Regierungen wirft sie Heuchelei vor: "Trotz all der Versprechen haben sie schrecklich wenig unternommen, um das Entstehen des katastrophalen Klimawandels zu verhindern", sagt Kivlehan.

Doch die Teenagerin, die seit dem Herbst aufs College geht, ist optimistisch, dass sich das angesichts ihrer Klage bald ändern wird. "Wir berufen uns auf die amerikanische Verfassung", sagt Kivlehan. Darin verpflichte sich das amerikanische Volk, das allgemeine Wohl zu fördern und das Glück der Freiheit auch den Nachkommen zu bewahren. "Unsere Verfassungsrechte werden verletzt, weil die Erwachsenen die Luft und den Boden belasten."

2015 wurde die Klage beim Bezirksgericht in Oregon beantragt, im nächsten Frühjahr – so erwarten Kivlehand und Hansen – soll das Gericht entscheiden, ob die Klage zugelassen wird. Allerdings versucht die Regierung, das noch zu verzögern. Kivlehan und ihr Großvater versprechen sich im Idealfall, dass in den Vereinigten Staaten ein CO2-Preis eingeführt wird.

BildDas Steinkohlekraftwerk von Centralia im Bundesstaat Washington: Hansen und seine Enkelin wollen verhindern, dass die US-Regierung die Kohle länger am Leben hält.  (Foto: Kid Clutch/​Flickr)

"Seht, was die Erwachsenen uns für ein Durcheinander hinterlassen. Geld scheint ihnen wichtiger zu sein als die Zukunft ihrer Kinder", erklärt Kivlehan. Und dann richtet sie sich direkt an die Generation ihres Vaters und Großvaters: "Erwachsene, ihr sagt, ihr liebt uns! Aber euer Handeln spiegelt nicht eure Worte wider!"

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Alle Beiträge zur Klimakonferenz COP 23 
finden Sie in unserem Fidschi-Bonn-Dossier

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