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"Verlorene Zeit mit Trump"

Der Klimaaktivist Al Gore tourt durch Deutschland, um die Werbetrommel für seinen neuen Film zu rühren. Für die Energiepolitik des amtierenden US-Präsidenten Donald Trump sieht Gore schwarz, dennoch glaubt der frühere Vizepräsident, dass die USA an den Zielen des Paris-Vertrages festhalten werden.

Aus Berlin Joachim Wille

Der renommierte Klimaaktivist Al Gore sieht keine Chance mehr, US-Präsident Donald Trump zu einem Kurswechsel in der Klimapolitik zu bewegen. Er glaube nicht, dass Trump überzeugt werden kann, doch im Paris-Klimavertrag zu bleiben. "Ich habe die Hoffnung aufgegeben", sagte Gore am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Berlin. 

BildAl Gore hat in den USA einige der effektivsten klimapolitischen Kampagnen angeführt. Entsprechend verhasst ist er bei der fossilen Lobby. (Foto: Kasey Baker/​Wikimedia Commons)

Es weiter zu versuchen sei "verlorene Zeit". Trump habe sich selbst isoliert, in dem er sich nur den Interessen der fossilen Energieindustrien verpflichtet fühle, sagte Gore, der in den 1990er Jahren US-Vizepräsident war. Auf die Frage, ob Trumps Präsidentschaft vorzeitig enden könnte, antwortete Gore nur indirekt. Die offiziellen Untersuchungen zur Russland-Connection der Trump-Aministration würden unbestechlich geführt, sagte er. Es sei ja bekannt: "Wo viel Rauch ist, ist auch viel Feuer. Und hier ist viel Rauch."

Die USA hatten das UN-Klimasekretariat in der vorigen Woche offiziell über ihren Austritt aus dem Paris-Vertrag informiert. Allerdings lässt sich Washington die Möglichkeit einer Rückkehr offen, sollten sich die Bedingungen für die USA verbessern. "Die USA unterstützen eine ausgewogene Klimapolitik, die die Emissionen senkt und gleichzeitig das Wirtschaftswachstum fördert und die Energiesicherheit gewährleistet", teilte das US-Außenministerium mit. Trump selbst hatte bei einem Treffen mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron Mitte Juli Gesprächsbereitschaft angedeutet. Er sagte: "Etwas könnte passieren in Bezug auf das Paris-Abkommen, mal sehen was passiert."

Gore unterstrich, dass die USA insgesamt trotz des Gegenkurses der Trump-Administration an den Zielen des Paris-Vertrages festhalten würden. Er verwies darauf, dass sich eine ganze Reihe von Bundesstaaten und Städten dazu verpflichtet hätten. Möglich sei das unter anderem durch die rasante Verbilligung der erneuerbaren Energien, die zudem viele neue Arbeitsplätze schaffe. "Die Zahl der Jobs in der amerikanischen Solarindustrie wächst 17-mal schneller als in der Wirtschaft insgesamt", sagte Gore. Trumps Versuch, die Kohleindustrie wiederzubeleben, werde nicht funktionieren.

Lob für Deutschlands Vorreiterrolle

Gore lobte die Vorreiterrolle, die Deutschland bei der Einführung der Öko-Energien gehabt habe. "Deutschland war ein Modell für den Rest der Welt." Inzwischen sei die Bundesrepublik allerdings in einer schwierigen Übergangsphase, die weitere Fortschritte schwierig mache, unter anderem wegen des nach Fukushima beschleunigten Atomausstiegs.

Die aktuelle Krise der deutschen Autoindustrie streifte Gore nur. Er sagte allerdings, dass die hiesigen Autokonzerne gute Chancen in der Elektromobilität hätten. Er habe von ihr Prototypen von E-Autos gesehen, die eine "Wahnsinns-Leistung" brächten.

Gore war nach Berlin gekommen, um seinen neuen Klimafilm "Immer noch eine unbequeme Wahrheit – die Zeit läuft" vorzustellen. Gore war in der Amtszeit des demokratischen US-Präsidenten Bill Clinton dessen Vize gewesen. Im Jahr 1997 verhandelte er für die USA über das Kyoto-Protokoll, den ersten Klimavertrag, der die Industrieländer zu Emissionsminderungen verpflichtete.

Im Jahr 2000 verlor er die Präsidentschaftswahl gegen George W. Bush und widmete sich danach in Vortagsreisen und Schulungen ganz der Aufklärung über den Klimawandel. Im Jahr 2007 erhielt er für den Dokumentarfilm "Eine unbequeme Wahrheit" (An Inconvenient Truth) zusammen mit dem Weltklimarat IPCC den Friedensnobelpreis.

"Immer noch eine unbequeme Wahrheit" hat Al Gore passenderweise seinen neuen Film genannt. (Video: Screenshot/​Moviepilot Trailer/​Youtube)

Sein neuer Streifen, der am 7. September in die Kinos kommt, beleuchtet den aktuellen Stand der Klimaforschung und die Chancen, das Zwei-Grad-Erwärmungslimit noch einzuhalten. Gore zeigt die politischen Erfolge und Rückschläge, darunter den Pariser Klimagipfel von 2015 und die Wahl des Klimaskeptikers Trump zum US-Präsidenten.

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