Garzweiler halb lahmgelegt

Hunderte Anti-Kohle-Aktivisten haben den RWE-Braunkohletagebau Garzweiler im Rheinischen Revier besetzt. Sie fordern einen Kohleausstieg. Die Polizei geht mit Schlagstöcken und Pfefferspray gegen die Demonstranten vor.

Aus dem Rheinland Eva Mahnke

Nach der Besetzung durch Anti-Kohle-Aktivisten stehen drei von sechs Baggern im größten Braunkohletagebau Europas still. Nach Angaben der Organisatoren von "Ende Gelände" sind 1.300 Menschen am frühen Samstagmorgen losgelaufen, um in den RWE-Tagebau Garzweiler zu kommen. Drei von vier Gruppen sollen durch die Polizeiabsperrungen gelangt sein.

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Der Braunkohletagebau Garzweiler ist der größte Europas. Die Besetzungsaktion nach dem Vorbild der Castor-Blockaden war eine Premiere. (Foto:
Eva Mahnke)

Auch eine Autobahn wird gesperrt, weil Aktivisten über diesen Weg auf das Gelände kommen wollen. An Unterführungen, die von der Polizei abgeriegelt wurden, kommt es zu Zusammenstößen. Von "massiver Polizeigewalt" spricht später Mona Bricke, eine der Organisatoren der Aktion und zuständig für den Anti-Kohle-Protest bei der Klima-Allianz. Die Polizei geht mit Schlagstöcken und Pfefferspray gegen die Demonstranten vor – und selbst gegen Journalisten. Eine WDR-Journalistin wird den Organisatoren zufolge in Handschellen abgeführt, anderen werden das Handy oder die Speicherkarte abgenommen. Die klimaretter.info-Redakteurin wird mit Pfefferspray angegriffen.

Eine Gruppe von 150 Menschen sitzt auf der ersten Tagebau-Ebene, 100 Meter vor dem Abraumbagger. Sie werden gerade von der Polizei eingekesselt. Eine andere Gruppe sitzt auf einem Bagger. "Wir wollen den Tagebau möglichst lange lahmlegen", sagt Bricke. "Wir wollen ein Zeichen setzen: RWE ist keine sichere Bank für die Zukunft." 

"Kohle ist eine existenzielle Gefahr für die Menschheit"

Die Verbrennung von Kohle ist der weltgrößte Treiber für den Klimawandel. Damit die Zivilisation auf einen Zwei-Grad-Pfad einschwenkt, müssen Wissenschaftlern zufolge über 80 Prozent der weltweit noch zur Verfügung stehenden Kohle unter der Erde bleiben. "Die Braunkohletagebaue stellen eine existenzielle Gefahr für die Menschheit dar", sagt die Globalisierungskritikerin Naomi Klein. "Deshalb müssen unsere Bewegungen eingreifen und sie stilllegen."

"Man sieht hier die Verquickung zwischen staatlichen und fossilen Strukturen", betont Tadzio Müller, Energiereferent der Rosa-Luxemburg-Stiftung. "Hier werden die privaten Profite von RWE beschützt, die dafür sorgen, dass in Mali und Bangladesch Leute absaufen."

Der Energiekonzern hat laut Medienberichten bereits Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs gestellt. "Es sind nach wie vor Tagebaugegner auf dem Gelände und protestieren", sagt ein Sprecher von RWE gegenüber klimaretter.info. "Sie werden eingekesselt von der Polizei. Die Aktion ist widerrechtlich. Wir hoffen aber, dass sie wieder heil vom Bagger kommen."

Für die Protestierenden, die zuvor in einem Klimacamp für die Tagebaubesetzung trainiert hatten, stellt sich die Lage wesentlich dramatischer dar.

Über Twitter stellen die Organisatoren von "Ende Gelände" laufend neue Meldungen und Fotos ins Internet, auf denen zu sehen ist, wie die Polizei gegen die Demonstranten vorgeht.

Update um 16:15 Uhr: Garzweiler-Besetzung geräumt

Lesen Sie unseren ausführlichen Vor-Ort-Bericht: Mit dem "pinken Finger" in die Kohle

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