Allein unter "Klimaskeptikern"

Ein konservativer US-amerikanischer Unternehmer ist es leid, dass Klimaschutz in seinem Heimatland Sache der Demokraten ist. Er steckt Millionen in eine Klima-Kampagne, die sich an die Republikaner richtet. Nur: Die bekommen auch lukrative Angebote von der fossilen Branche.

Von Susanne Schwarz

Es erscheint wie eine ideologische Herkules-Aufgabe: Jay Faison, Unternehmer aus dem US-Bundesstaat North Carolina, will seine Republikanische Partei zur Klimaschutzpartei machen. Oder zumindest zu einer, die den menschengemachten Klimawandel nicht komplett ignoriert oder gar leugnet. Es geht um dieselbe Partei, die seit Anfang des Jahres Senat und Repräsentantenhaus in Washington beherrscht – und dem Klimaschutz mehr oder weniger offen den Kampf angesagt hat.

Bild
Mittlerweile zum Symbolprojekt der Republikaner gegen den Klimaschutz geworden: Die Teersand-Pipeline Keystone XL. (Foto: Transcanada)

175 Millionen US-Dollar, umgerechnet 155 Millionen Euro, lässt Faison sich sein Vorhaben kosten. Vermögen hat er seit dem Verkauf seines Elektronikunternehmen SnapAV. Das Geld hat Faison zweckgebunden an seine eigene zweijährige Stiftung überwiesen, die Clearpath Foundation. Diese hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Green Economy zu propagieren: Wohlstand durch erneuerbare Energien. Mit 165 Millionen US-Dollar, rund 146 Millionen Euro, soll die Stiftung jetzt eine Online-Werbekampagne auf die Beine stellen, die Republikaner über den wissenschaftlichen Stand zum Klimawandel informiert.

Zehn Millionen US-Dollar, umgerechnet neun Millionen Euro, sind für politische Lobby-Arbeit vorgesehen. Jay Faison will den Klimaschutz nicht mehr nur den Demokraten überlassen, er wünscht sich konservative Lösungen.

Millionenschwerer Dialog

"Ich habe mich als Republikaner immer ein wenig allein gefühlt", sagte Faison kürzlich dem Online-Magazin Politico. Kein Wunder: Laut den Ergebnissen der neuen Gallup-Bevölkerungsumfrage glauben 40 Prozent derer, die sich als "konservative Republikaner" einordnen, dass der Klimawandel niemals stattfinden wird. 70 Prozent sind davon überzeugt, dass eventuelle globale Temperatursteigerungen nicht auf menschliche Handlungen zurückzuführen sein können. Bei den "moderaten Republikanern" fallen die Werte schwächer aus. Hier glauben aber immer noch 16 Prozent nicht daran, dass es den Klimawandel jemals geben wird, und 47 Prozent führen ihn wenn überhaupt auf natürliche Einflüsse zurück – ungeachtet aller wissenschaftlichen Befunde. "Ich habe Clearpath gegründet, um einen Dialog innerhalb der Partei in Gang zu setzen", so Faison.

Er ist nicht der allererste, der den Versuch unternimmt, das Klima und seinen Wandel als Thema unter den Republikanern zu platzieren. Im Jahr 2012 machte etwa der ehemalige Kongressabgeordnete Bob Inglis von sich reden, als den Thinktank "Energy and Enterprise Initiative" (EEI) gründete, der "konservative" Antworten auf den Klimawandel finden und popularisieren soll. Und Schauspieler sowie republikanischer Politiker Arnold Schwarzenegger führte während seiner Zeit als Gouverneur Kaliforniens - entgegen der Umweltpolitik der Bush-Administration - 2006 ein Klimaschutzgesetz für "seinen" Bundesstaat ein. Was Faisons Vorstoß neu macht: Die Bereitschaft, riesige Geldsummen in die Debatte zu investieren.

Leicht wird Faison es trotz seines Vermögens nicht haben, den Standpunkt der Partei umzukrempeln. Denn die weiß: Für den Geldbeutel lohnt sich Klima-"Skeptizismus" in den USA. Zwischen 2003 und 2007 wurde massiv Geld in die US-amerikanische "Klimaskeptiker"-Bewegung gepumpt, die teils eng mit der "Grand Old Party" verknüpft ist.

Das große Geld kommt anonym

Damals ganz vorn mit dabei: Exxon Mobil, mit rund 480 Milliarden Dollar Umsatz eines der größten und "wertvollsten" Unternehmen der Welt, und die Koch-Brüder, deren Mischkonzern Koch Industries mit rund 100 Milliarden Dollar Jahresumsatz das zweitgrößte nicht börsennotierte Unternehmen der USA ist.

Seit 2008, ungefähr seit Beginn von Barack Obamas Präsidentschaft, lassen sich keine Zahlungen mehr zurückverfolgen. Heimlich fließt das Geld aber trotzdem weiter, etwa über Stiftungen wie den Donors Trust oder den Donor Capital Fund – die "Geldautomaten der 'Klimaskeptiker'", wie ihn liberale Medienmacher schon oftmals genannt haben. Durch anonyme Spenden kann dabei nicht nachvollzogen werden, wer gezahlt hat.

Es geht dabei nicht um Taschengeld: Von 2011 bis 2013 flossen über den Donor Trust rund 125 Millionen US-Dollar (110 Millionen Euro) in zahlreiche konservative US-Thinktanks. Das ergab eine Recherche der britischen Tageszeitung The Guardian.

Bild
US-Präsident Barack Obama spricht vor dem Kongress – der mittlerweile komplett republikanisch dominiert ist. (Foto: Lawrence Jackson/Wikimedia Commons)

Wie viel von der Gesamtsumme direkt in "klimaskeptische" Aktivitäten geflossen ist, kann man nicht sagen, da die meisten der gesponserten Gruppen sich auch noch anderen Themen widmen. Den meisten von ihnen ist allerdings gemein, dass sie in der Vergangenheit auf verschiedenen politischen Ebenen Lobbyarbeit gegen Klimapolitik oder Energiewende geleistet haben. Eins hingegen ist sicher: Jay Faison hat sich viel vorgenommen.

[Erklärung]  
Anzeige
blog comments powered by Disqus

Anzeige

Anzeige

Kolumnen

Alle Kolumnen lesen
Alle Herausgeber-Interviews lesen