"Harvard schadet den eigenen Studierenden"

BildDie Harvard-Universität in den USA stand am Freitag vor Gericht: Die reichste Uni der Welt habe "Misswirtschaft bei Spendengeldern" betrieben. Die sieben Kläger sind nicht etwa besorgte Sponsoren, sondern Klimaaktivisten, die ihre Uni zum Divestment aus der Fossilwirtschaft bewegen wollen. Eine von ihnen ist Kelsey Skaggs. Mit der Jurastudentin sprach klimaretter.info über den Verlauf des Verfahrens.

Harvard hat seinen Campus in der Nähe von Boston an der US-Ostküste. Die Harvard-Stiftung umfasst rund 36 Milliarden US-Dollar. Doch wieviel Gelder die Universität tatsächlich in die Fossilwirtschaft investiert hat, ist unbekannt.

klimaretter.info: Frau Skaggs, wie kommen Sie darauf, dass Ihre Hochschule nicht angemessen mit ihren Geldern umgeht?

Kelsey Skaggs: Harvard investiert massiv in Unternehmen, die mit fossilen Brennstoffen handeln. Nach derzeitiger Aktenlage hält Harvard Beteiligungen in Höhe von rund 20 Millionen Dollar an der Fossilwirtschaft. Das ändert sich aber regelmäßig Wie viel Geld noch zu den direkten Unternehmensanteilen hinzukommt, kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen – dazu gibt es keine öffentlichen Zahlen. Wir vermuten aber, dass es sich um weitere Millionen handelt. Das fossile Geschäft ist die Hauptursache für den Klimawandel. Die Investitionen richten sich also auch ganz konkret gegen uns Harvard-Studierende: Der Klimawandel untergräbt die Integrität unserer Bildung – und bedroht unseren Campus sogar physisch durch die Zunahme von Überflutungen und Extremwetter an der Ostküste.

Vor drei Jahren haben Studierende, Professoren und weitere Mitarbeiter angefangen sich dagegen zu organisieren. "Divest Harvard" fordert, dass die Uni ihre Gelder aus fossilen Energieunternehmen abzieht. Harvard weigert sich aber anzuerkennen, dass die Universität dazu moralisch verpflichtet ist. Wir hoffen nun, dass wir juristisch beweisen können, dass Harvard diese Verantwortung trägt. Wir klagen auch im Namen zukünftiger Generationen.

Sie gehören also zu "Divest Harvard"?

Wir sieben sind tatsächlich Mitglieder der Bewegung. Für unsere Klage haben wir aber eine eigene Untergruppe gegründet: die Harvard Climate Justice Coalition.

Am Freitagnachmittag fand der erste Termin vor Gericht statt. Was wurde verhandelt?

Die Universität hatte beantragt, dass unsere Klage als unbegründet abgewiesen wird. Das lehnen wir ab, der Fall muss sich entwickeln. So haben wir gestern auch vor Gericht argumentiert. Der Richter sollte die Klage nicht einfach zu den Akten legen!

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Harvards Widener-Bibliothek – mit schmutzigen Investitionen in Höhe von mehreren Millionen Dollar profitiert die Elite-Uni von der fossilen Energiewirtschaft. (Foto: Joseph Williams/Wikimedia Commons)

Auf das Ergebnis müssen wir aber noch warten, wahrscheinlich mehrere Wochen oder sogar Monate. Wir hoffen natürlich, dass der Richter zu unseren Gunsten entscheidet. Und wenn nicht: Dann werden wir die Entscheidung anfechten.

Sollte Ihr Fall tatsächlich behandelt werden: Harvard kann sich die besten Anwälte leisten – haben Sie überhaupt eine Chance?

Stimmt, Harvard hat Anwälte beauftragt, um sich gegen unsere Klage zu verteidigen. Im Gegensatz dazu vertreten wir uns selbst, ganz ohne Anwälte. Das ist wichtig für uns. Wir sind junge Menschen, wir kämpfen für unsere Zukunft! Wir vertrauen auf unsere Argumente.

Was für Studierende kommen denn auf so eine außergewöhnliche Idee?

Wir sind eine gemischte Gruppe, aber alle studieren in Harvard. Drei von uns – darunter bin ich – studieren ihren Master in Jura. Einer ist Doktorand der angewandten Physik. Die anderen drei sind noch im Bachelor und haben noch kein Hauptfach festgelegt.

Interview: Sandra Kirchner

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