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310.000 in New York für Klimaschutz

BildDie größte Klimaschutz-Demo aller Zeiten: Zum Beginn der New Yorker Klimawoche steigt der Druck auf die 120 Staatenführer, die sich zum Ban-Ki-Moon-Gipfel am Dienstag angesagt haben. Die Wirtschaft verspricht "mitzuziehen", versagt bisher aber immer wieder. Am Montag geht es um die "Low Carbon Economy".

Aus New York Reimund Schwarze und Nick Reimer

Leonado DiCaprio durfte natürlich nicht fehlen. "Die Nachrichten sagen uns doch jede Woche, wie sich der rapide Klimawandel auswirkt auf unser Leben", sagte der Schauspieler am Sonntag in New York. 310.000 Menschen gingen an diesem Tag für mehr Klimaschutz auf die Straße, sie zogen vom Central Park etwa 30 Straßenblocks durch Manhattan nach Midtown – eine der größten Demos, die New York erlebt hat.

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Dreimal mehr Demonstranten als von den Veranstaltern erwartet ... (Foto: Shadia Fayne Wood/ peoplesclimate.org)

Neben DiCaprio waren Künstler wie Sting oder Edward Norton unter den Demonstranten, New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio lief neben Friedensnobelpreisträger Al Gore, auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und New Yorks Senator Charles Ellis Schumer waren unter den Demonstranten. "Wir hatten in unserem Aufruf erklärt, jeder wird vom Klimawandel betroffen sein – und alle kamen", erklärte Eddie Bautista, Chef der New York City Environmental Justice Alliance, die den Marsch mitorganisiert hatte. Die Veranstalter hatten mit 100.000 Teilnehmern gerechnet. Im Süden von Manhattan gab es am Abend am Hudson River dann noch eine Straßenparty. Schon am Freitag und Samstag hatten in 150 Ländern sogenannte People's-Climate-Aktionen und Demonstrationen stattgefunden.

Die Zivilgesellschaft formiert sich also vor dem Sondergipfel der UNO. Soziale Netzwerke, Städte-Bündnisse und Unternehmensallianzen wollen für Bewegung sorgen, wo die Politik auf der Stelle tritt. Ein Beispiel ist der "Carbon War Room", eine Initiative von Virgin-Gründer Richard Branson. Der mit fossilen Geschäften reich gewordene Milliardär wollte durch gute Geschäftsideen "tausende Tonnen Kohlendioxid einsparen, Milliarden US-Dollar mobilisieren und echte Durchbrüche beim Klimaschutz schaffen".

"Verlorenes Jahrzehnt"

Vor zwei Jahren bei der Eröffnung in Berlin schien das alles ganz einfach und schnell erreichbar: Man müsse nur zeigen, dass Geldanlagen in Klimaschutz weniger risikoreich und profitabler als gewöhnliche Geldanlagen sein, dann flössen schon die Milliarden, so das Credo der Carbon-War-Room-Initiative. "Es ist nicht so gut gelaufen, wie wir erhofft haben", erklärte nun ein Vertreter der Initiative. Von den versprochenen drei Milliarden US-Dollar, die Branson in die Entwicklung von grünen Geschäftsideen stecken wollte, sind nicht mal zehn Prozent zusammengekommen – knapp 300 Millionen.

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... zogen am Sonntag durch die Straßen von Süd-Manhattan ... (Foto: Robert van Waarden/peoplesclimate.org)

Die wohl schärfste Kritikerin der Idee des grünen Geschäftsmodells, Naomi Klein, spricht angesichts dieses Versagens von einem "verlorenen Jahrzehnt". Die kanadische Globalisierungsgegnerin fordert eine radikale Abkehr vom grünen Wachstumsmodell – wie kürzlich auch die mehr als dreitausend Teilnehmer der Leipziger Degrowth-Konferenz.

So fundamentalkritisch muss man nicht sein, um zu erkennen, dass grüne Geschäftsideen allein nicht reichen werden, um den Stillstand im internationalen Klimaschutz zu überwinden. "Wir brauchen einen Preis für Treibhausgas-Emissionen," erklärte die Sonderbeauftragte der Weltbank für den Klimaschutz Rachel Kyte auf dem Eröffnungstag der New Yorker Klimawoche. An ihrer Seite weiß sie 157 Firmenchefs der Klimainitiative der internationalen Wirtschaft – darunter auch Ölgiganten wie Shell und BP sowie viele im Verkehrssektor tätige Multis wie British Airways und Pirelli.

Viele hatten erst kürzlich die Chance, einen Kohlendioxid-Preis ganz ohne die große Politik zu schaffen. Die EU plante, im Alleingang ein Emissionshandelssystem für den Luftverkehr einrichten, bei dem alle Flüge von und nach Europa einen "Umweltpreis" für das verbrauchte Kerosin zahlen. Gescheitert ist dies am Widerstand der Luftverkehrsindustrie und der Regierung Chinas. Unvergessen auch, dass US-Präsident Barack Obama unter dem Druck der Lobby damals ein "EU-Emissionshandelsverbot" unterzeichnet hatte. Das alles unter der Androhung von Klagen auf der Grundlage des internationalen Abkommens "für den freien Luftverkehr", ICAO.

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... um bei den "Entscheidungsträgern" Druck zu machen. (Foto: Shadia Fayne Wood/peoplesclimate.org)

Reimund Schwarze ist Professor für Internationale Umweltökonomie an der Frankfurter Viadrina, Forscher am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung Leipzig und Berater von klimaretter.info

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Alle Beiträge zum Ban-Ki-Moon-Gipfel finden Sie in unserem New-York-Dossier

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