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100.000 Unterschriften gegen Kohlehafen

Von wegen "Kulturwandel": Die Deutsche Bank finanziert in Australien den Bau eines riesigen Kohle-Terminals auf Kosten des Great Barrier Reef und des Klimas. Mit dem Bau würden Millionen Tonnen Schlamm in die sensiblen Korallen-Biotope des Weltnaturerbes entsorgt werden. Und der weltgrößte Kohleexporteur würde den CO2-Ausstoß in Ländern wie China weiter steigen lassen.

Aus Berlin Peter Jopke

In einer Woche findet in Frankfurt am Main die Hauptversammlung der Deutschen Bank statt. Vieles wollte das Unternehmen besser machen als noch im Vorjahr, einen "Kulturwandel" hatte der Vorstand aufgrund diverser Skandale angekündigt. Mit moralisch verwerflichen Investitionsmustern sollte Schluss sein. Doch am 22. Mai wird der Konzern wieder viel Kritik einstecken müssen: Meeresschützer, Umweltfreunde und Klimaaktivisten wollen den Aktionären auf der Hauptversammlung mindestens 100.000 Unterschriften präsentieren und ins Gewissen reden.

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Das Great Barrier Reef ist mit 2.000 Kilometern das längste Korallenriff der Erde. (Foto: Nasa)

Der Grund: Die Deutsche Bank will den Ausbau des australischen Hafens Abbot Point finanzieren. Aber der Ausbau bedroht das Great Barrier Reef. Die Erweiterung des Hafens im nordöstlichen Bundesstaat Queensland zu einem der weltgrößten Kohle-Terminals würde rund 4,5 Millionen Tonnen Schlamm in die Zone des Weltnaturerbes spülen, warnen Umweltgruppen und das Kampagnen-Netzwerk Campact. Somit könnten Teile des marinen Ökosystems zusammenbrechen, denn die Korallen brauchen Sonne und können nur in klarem Wasser gedeihen. Den Aktivisten zufolge hat die Bank bereits den Ankauf des Küstenabschnitts ermöglicht. Nun plane der Konzern, auch in den Bau des Hafens durch die indische Adani Group zu investieren. Die Erlaubnis, den bei den Bauarbeiten anfallenden Schlamm im Meer zu entsorgen, wurde bereits erteilt.

Immer mehr Kohle auf dem Weltmarkt

Mit dem Hafen-Projekt in Abbot Point trägt der Konzern nicht nur zur Zerstörung der Korallenriffe an der Ostküste Australiens bei. Die Deutsche Bank beteiligt sich auch am Bau einer Infrastruktur, die den Abtransport noch größerer Mengen Kohle aus dem jetzt schon weltgrößten Kohleexportland ermöglicht – und damit den CO2-Ausstoß in den Importländern wie China in neue Höhen steigen lässt. Langfristig sollen über Abbot Point nach Angaben von Campact jährlich 120 Millionen Tonnen Kohle verschifft werden. Heute seien es etwa 50 Millionen Tonnen. Doch Klima-Argumente kommen beim australischen Premierminister Tony Abbott nicht an: Der Rechtsliberale ist bekennender Klimaskeptiker.

Dennoch glauben die Umweltaktivisten, dass das Projekt noch gestoppt werden kann. Mehr als 200 Wissenschaftler aus aller Welt warnten unlängst in einem offenen Brief vor dramatischen ökologischen Folgen durch die Hafenerweiterung. Auch die Unesco weist auf das weltweite Sterben der Korallenriffe hin und droht Australien bereits damit, das Great Barrier Reef auf die Rote Liste gefährdeter Welterbe-Stätten zu setzen. Neben der weltweiten Kritik, hat sich in Australien eine breite Koalition aus Umweltschützern, Verbraucherverbänden und Tourismusvertretern formiert. Ein juristischer Erfolg sei wegen des großen ökologischen Risikos durchaus möglich, heißt es bei Campact, doch der Prozess brauche Zeit und werde das Projekt mittelfristig nicht aufhalten. 

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Leiden unter Verschmutzung, hohen Wassertemperaturen und der Versauerung der Ozeane: Korallenriffe. (Foto: Konstanze Staud)

Das Great Barrier Reef ist Heimat von rund einem Viertel aller Arten, die es im Meer gibt, und eines der letzten Rückzugsgebiete verschiedener seltener Meeresschildkröten. Seit 1985 hat das Riff die Hälfte seiner Korallen verloren, hauptsächlich wegen der Wasserverschmutzung und den zeitweise hohen Wassertemperaturen als Folge des Klimwandels. Die zunehmende Meeresversauerung stellt eine weitere Bedrohung für die Korallen dar.

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