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Amis gegen Kohlekraftwerke

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Nur in wenigen Ländern gibt es mehr Pläne für den Bau neuer Kohlekraftwerke als in Deutschland. Eines davon ist die USA. 151 Kraftwerksvorhaben hatte das US-Energieministerium Anfang 2007 gezählt, berichtet Lester R. Brown vom Earth Policy Institute. Doch auch in den USA rührt sich massiver Widerstand gegen die neuen Kohlendioxid-Schleudern. 59 Pläne seien entweder von den Behörden abgelehnt oder in aller Stille zurückgezogen worden. Über 50 weitere würden vor Gerichten angefochten, so Brown. 

Auch in den USA sind offensichtlich viele Bürger nicht gewillt, Kraftwerke in ihrer Nachbarschaft zu dulden, die oft mehr als doppelt so groß wie die Altanlagen sind. Und wie hierzulande, ist der Klimawandel nur ein Argument unter vielen, die ins Feld geführt werden. Auch jenseits des Atlantiks hat es sich herumgesprochen, dass mit der Verbrennung von Kohle giftige Schwermetall- sowie gefährliche Feinstaub-Emissionen verbunden sind. 23.600 Tote pro Jahr werden zwischen Pazifik und Atlantik der Luftverschmutzung durch Kohlekraftwerke zugeschrieben. Besonders die schleichende Vergiftung mit Quecksilber beunruhigt offenbar viele. 

Außerdem wird in den USA für die Förderung der Kohle in den Apalachen die Landschaft großräumig zerstört. Dort ist man nämlich längst zum Tagebau übergegangen und sprengt ganze Berge weg, um an den Brennstoff für die Kraftwerke zu kommen. 470 zerstörte Berge haben die Tagebau-Gegner gezählt. Wie hierzulande in der Lausitz oder in anderen betroffenen Gegenden, formiert sich auch im US-amerikanischen Kohlerevier der Widerstand gegen den Raubbau. 

Währende die Präsidenschaftskandidaten der Republikaner (McCaine) und der Demokraten (Obama) auf Kohle nicht verzichten wollen, nehmen die Regierungen einiger Bundesstaaten inzwischen eine ablehnende Haltung ein. Washington und Kansas haben zum Beispiel den Bau neuer Kohlekraftwerke gänzlich ausgeschlossen. 

Auch in Florida ist sich der republikanische Gouverneur Charlie Crist, als Reagan-Fan ansonsten keiner linken Neigung verdächtig, der Gefahren bewusst, die der Klimawandel für seinen Staat mitbringen würde. Jedenfalls widersetzt er sich dem Bau neuer Kohlekraftwerke und hat statt dessen den Bau des weltgrößten solarthermischen Kraftwerks angekündigt. 

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Florida nach einem Anstieg des Meeresspiegels um fünf Meter. Bilder: James E. Hansen

Im Mai letzten Jahres hatten die Behörden Floridas die Genehmigung für den Bau eines 1960-Megawatt-Kraftwerks abgelehnt, das über fünf Milliarden US-Dollar hätte kosten sollen. Begründung: Der Bauherr konnte nicht nachweisen, dass seine Pläne gegenüber Investitionen in Energiesparen und erneuerbare Energien die billigere Variante darstellen. Vier weitere Bauvorhaben, schreibt Brown, seien daraufhin stillschweigend zurückgezogen worden. 

Wie in Deutschland gehen auch in den USA die Kraftwerkbauer mit dem vagen Versprechen hausieren, Kohlendioxid könne künftig aus den Abgasen bzw. schon vor dem eigentlichen Verbrennungsprozess abgetrennt und sicher eingelagert werden. Pläne für eine Pilotanlage erhielten aber Ende Januar 2008 einen schweren Rückschlag, als sich die Bush-Regierung aus dem Projekt zurückzog. Die Kosten waren von 950 Millionen US-Dollar, die man 2003 veranschlagt hatte, auf 1,5 Milliarden US-Dollar gestiegen. 

Doch noch hat die Kohle eine beherrschende Stellung in der Stromversorgung der USA. Mit rund 4000 Milliarden Kilowattstunden jährlich hat das Land einen der höchsten Pro-Kopf-Stromverbräuche der Welt – knapp doppelt so hoch wie der nicht kleine deutsche Pro-Kopf-Verbrauch. Etwa 50 Prozent des Stroms wird bisher durch Kohlekraftwerke zur Verfügung gestellt. Der Anteil hat eine leicht abnehmende Tendenz, was allerdings eher am noch immer wachsenden Strombedarf liegt. Die Menge der in Kraftwerken verbrannten Kohle wächst jedenfalls im beachtlichen Tempo. 1993, im Jahr der Unterzeichnung der Klimarahmenkonvention, waren es 754,4 Millionen Tonnen, 2007 bereits 951,2 Millionen Tonnen. 

Und auch die Welle der Neubauten ist noch keinesfalls gestoppt. US-Kohlegegner haben rund 110 Anlagen mit einer Gesamtkapazität von 54.553 Megawatt gezählt, die bereits im Bau sind oder noch geplant werden. 85 weitere mit noch einmal in etwa der gleichen Kapazität seien entweder ad acta oder zumindest auf Eis gelegt. Daher sind Klimaschützer und Kohlegegner mit der Unterstützung namhafter Forscher auf die Idee verfallen, eine Kampagne für ein Kohle-Moratorium zu starten. Durchaus eine nachahmenswerte Initiative. 

Wolfgang Pomrehn

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