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Klimaallianz holt Taschenrechner raus

Auftakt zum morgigen Klima-Aktionstag: Vor dem Kanzleramt gibt die Klima-Allianz Rechennachhilfe für Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP). Dazu passt das Motto des Aktionstages "Energiewende sind wir!"

Aus Berlin Silvana Steiniger und Nick Reimer

Zum Auftakt des morgigen Klima-Aktionstages haben Aktivisten der Klima-Allianz Deutschland heute vor dem Kanzleramt in Berlin "Mathenachhilfe" für Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) angeboten. Mit ihrer Aktion – inklusive Windrad, Photovoltaik-Panel und Braunkohlekraftwerk – will die Klima-Allianz die Bundesregierung auffordern, die Energiewende nicht länger zu blockieren. Die Regierung rechne die Kosten der Energiewende hoch; diese "Rechenkünste" gefährdeten das Projekt.


2 x 3 macht 4, widdewiddewitt und 3 macht 9. So bitte nicht Herr Rösler: Die Klima-Allianz erteilt Mathenachhilfe. (Foto: Silvana Steiniger)

Insbesondere von Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) kämen "seit Jahresbeginn ausnahmslos Vorschläge, die die eben erst begonnene Energiewende bremsen oder zum Erliegen bringen sollen", kritisiert die Deutsche Umwelthilfe (DUH). "Die Bürger haben das Recht auf echte, realistische Zahlen und nicht die Zahlen, die die Energieunternehmen gerne hätten", so Katharina Reuter, Koordinatorin der Klima-Allianz, gegenüber klimaretter.info.

Swantje Küchler, Energieexpertin vom Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS), kritisiert: "Zwar finden sich die Kosten der Erneuerbaren per EEG-Umlage auf der Stromrechnung wieder, wesentliche Kosten der Stromerzeugung aus Atom und Kohle jedoch nicht. Wenn diese zusätzliche Kosten der konventionellen Energieträger wie beim Erneuerbare-Energien-Gesetz ebenfalls auf die Endverbraucher umgelegt würden, läge diese 'Konventionelle-Energien-Umlage' bei 10,2 Cent pro Kilowattstunde." 

Und damit stellte Küchler klar, dass die Erneuerbaren eben nicht die Strompreistreiber seien. "Bei den erneuerbaren Energien liegt diese Umlage bei 3,6 Cent pro Kilowattstunde", sagte Küchler. Und sie verweist auf die Studie "Was Strom wirklich kostet" des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft. Damit seien schon heute und auch zukünftig die Erneuerbaren günstiger als Kohle und Atom.

Es geht um den 15.Oktober: An dem Tag werden die Netzbetreiber die EEG-Umlage für das kommende Jahr veröffentlichen: Gegner der Energiewende sagen, dass die Umlage auf über fünf Cent pro Kilowattstunde steigen wird – und damit die Energiewende unbezahlbar macht. Unterstützer der Energiewende sagen, dass der neue Tarif genau dies belegt: Die Energiewende funktioniert. Jedenfalls haben die Lobbyisten der beiden Lager derzeit viel damit zu tun, die Studien, die sie zur Untermalung ihrer – natürlich richtigen – Position schreiben ließen, in die richtige Druckform zu gießen.


Sollte die EEG-Umlage von 3,6 auf über 5 Cent steigen – wäre das dann nicht immer noch weniger als die fossile Umlage? (Foto: Steiniger)

Da kommt der Klima-Aktionstag gerade richtig, der am Samstag durch Deutschland rollen soll: Endlich mal wieder den Blick für das eigentlich Relevante schärfen. Sir Nicholas Stern, der ehemalige Chefökonom der Weltbank und heutige Baron Stern of Brentford, hatte in seinem berühmten Report im Jahr 2006 nachgerechnet, dass die Folgen der Erderwärmung deutlich grausamer werden als die des 2. Weltkrieges.

Hallo Minister Rösler: Wollen Sie statt dessen vielleicht doch lieber die 5 Cent pro Kilowattstunde?

[Erklärung]  
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