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Bürger fordern Erdverkabelung

Der Ausbau der erneuerbaren Energien gibt immer wieder Anlass zu Bürgerprotesten. In Brandenburg soll beispielsweise das Unesco-Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin von Freileitungen gekreuzt werden. In Eberswalde diskutierten am Montagabend Bürger mit den Bündnisgrünen - aber die waren ganz ihrer Meinung

Aus Eberswalde Lea Wortmann

Etwa zwanzig Leute trudeln nach und nach ein, vor allem ältere Menschen. Der Saal in dem Gebäude der Hochschule für nachhaltige Entwicklung ist nicht einmal zur Häfte besetzt. An der Wand hängt ein weißes Laken mit fetter schwarzer Schrift: "Nicht über unsere Köpfe! Keine 380-kV-Freileitung in Biosphäre und Wohngebieten!" Das Städtchen Eberswalde im Berliner Speckgürtel ist also offenbar eine gute Wahl als Stopp für die Info-Tour der Bündnisgrünen zur Energiewende.


Stromtrassen führen zu Widerspruch. (Foto: MiGowa/flickr)

Stärker als in anderen Regionen der Bundesrepublik ist in den vergangenen Jahren in Ostdeutschland Windenergie ausgebaut worden. Weil Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg aber keine Großverbraucher sind, weil es in den Ländern beispielsweise kaum energieintensive Industrien gibt, werden neue Fernleitungen für den erzeugten Ökostrom gebraucht.Und die sorgen regelmäßig für Konflikte.

Etliche Bürgerinitiativen gegen Freileitungen haben sich in Brandenburg bereits gegründet. Sie fordern unterirdische Stromtrassen - die aber sind deutlich teurer. Im Raum Barnim/Uckermark protestiert die Bürgerinitiative "Biosphäre unter Strom" gegen die sogenannte Uckermarkleitung. Diese 380-Kilovolt-Freileitung wird von der ehemaligen Vattenfall-Tochter 50 Hertz Transmission geplant und soll von Bertikow bei Prenzlau im Norden Brandenburgs nach Neuenhagen bei Berlin führen.

Eine lange, lange Liste von Kritikpunkten

Die 115 Kilometer lange Trasse schneide sensible Gebiete wie den Naturpark Barnim und das Unesco-Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin, erklärte BI-Vertreter Hartmut Lindner und machte eine lange Liste von Kritikpunkten auf: Die 70 Meter hohen Masten seien weithin sichtbar und verschandelten das Landschaftsbild. Die Freileitung sei für die Anwohner gesundheitsschädlich durch das erzeugte elektromagnetische Feld, auch würden 110 Kilovolt ausreichen. Die Trasse stelle eine große Gefahrenquelle für Vögel dar. Die Wirtschaft und der Tourismus würden leiden, auch der Werteverlust der Immobilien sei enorm. Es bestünde außerdem die Gefahr, dass die Unesco wegen Beschädigung der Landschaft den Status des Biosphärenreservat aberkennt. Alternativen, wie die Umgehungen des Reservats seien im Raumordnungsverfahren nicht geprüft, stattdessen ausgerechnet die längste Variante der Trasse präferiert worden. Eine Erdverkabelung, so Lindner, sei aus ökologischer wie ökonomischer Sicht sinnvoller.

Für den Ausstieg aus der Atomkraft und den Ausbau erneuerbarer Energien würden nun aber mal neue Stromnetze gebraucht, erklärte Ingrid Nestle, die Sprecherin für Energiewirtschaft der bündnisgrünen Bundestagsfraktion. Doch sei sie "mit fast allem konform, was Sie gesagt haben", nickt sie dem BI-Vertreter zu. In vielen Fällen seien Freileitungen nötig - nicht aber in sensiblen Gebieten wie hier. Grundsätzlich müsse zu Wohngebäuden ein Mindestabstand gehalten werden, um eine Belastung der Bürger mit elektromagnetischer Strahlung zu vermeiden. Die Forderungen der Grünen seien, die Netzdaten zu veröffentlichen und Bürger frühzeitig an den Planungen zu beteiligen.

Einen wirklichen Widerpart zur Bürgerinitiative also gibt es nicht an diesem Abend. Ein Vertreter der Stadt Eberswalde bekundet ebenfalls eine Ablehnung des umstrittenen Projekts. Auch Michael Luthardt, Sprecher für Agrarpolitik und ländliche Räume der Linkspartei im Bundestag, spricht sich gegen Freileitungen und für Abstandsregeln aus.

Bündnisgrüne und FDP vereint für Erdkabel

Das Publikum klatscht Beifall. Ein Bürger beklagt etwa, dass im Rahmen der Genehmigungsverfahren nicht über Alternativtrassen diskutiert wurde und fordert die Politiker auf, die Sache geradezubiegen. Nestle betont nochmals, dass sich die Grünen für eine stärkere Bürgerbeteiligung einsetzen und entschuldigt sich, dass das Verfahren nicht in ihrer Macht liege - es sei Sache der Gerichte, Verwaltungsakte zu überprüfen und gegebenenfalls zu korrigieren. In der Tat werde die Bürgerinitiave klagen, kündigte Gunnar Hemme an, der Sprecher der Eberswalder Bürgerinitiative. Er habe jedenfalls keinen Zweifel, dass das Landesbergamt die Genehmigung zum Bau der Freileitung erteilen werde.

Eine ungewöhnliche Folge habe die Uckermarkleitung bereits gehabt, sagte in Eberswald Axel Vogel, der Landesvorsitzende der Brandenburger Bündesgrünen. Seine Fraktion habe im Landtag einen Gesetzentwurf zur Erdverkabelung eingebracht - ausgerechnet zusammen mit der FDP.
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