CDU-Ministerpräsident stellt Gorleben in Frage
Niedersachsens Landeschef David McAllister (CDU) stellt die bisherige Atompolitik seiner Partei in Frage. In einem Brief an Bundesumweltminister Norbert Röttgen (ebenfalls CDU) fordert er bei der Endlagerung von Atommüll "Modelle, die auf eine Rückholbarkeit des Atommülls zielen". Damit wäre der Salzstock in Gorleben kaum mehr als Endlager geeignet.

Arbeiten im Salzstock in Gorleben - McAllister schlägt andere Lösungen vor. (Foto: Michael Meyborg / Signum / Greenpeace)
McAllister formuliert damit konkrete Anforderungen an ein Atommüll-Endlager und wärmt eine Debatte darüber auf, wie eine Gesellschaft mit Müll umgeht, der noch über Generationen eine Bedrohung für Menschen darstellt. Die bisherigen Konzepte - etwa auch die, die für den Salzstock in Gorleben vorgesehen waren - gehen meist davon aus, den Atommüll in tiefen geologischen Schichten einzulagern und die Bergwerke anschließend zu verschließen. Nach den Erfahrungen im maroden Atommülllager Asse müsse, so McAllister, eine Umkehrbarkeit der Entscheidung künftig eine tragende Rolle spielen. Im Lager für schwachradioaktiven Müll "Asse II" war ein Zurückholen der teilweise zerstörten Atommüllfässer nie vorgesehen - umso schwieriger ist es nun, mit den dortigen Problemen umzugehen.
Das Konzept der Rückholbarkeit könnte langfristig noch eine ganz andere Rolle spielen: Zumindest theoretisch ist es möglich, hochradioaktiven Atommüll durch physikalische Methoden unschädlich zu machen - zwar sind derartige Methoden nach dem heutigen Stand der Wissenschaft noch sehr aufwändig und in großem Maßstab kaum realistisch. Aber die Rückholbarkeit würde zukünftigen Generationen genau diese Möglichkeit zumindest offen halten.
Die Opposition reagierte vorwiegend positiv auf McAllisters Vorschläge. Die grüne Europaabgeordnete Rebecca Harms, die selbst aus dem Wendland kommt, sagte zu McAllisters Brief: "Seine Fragen zur Rückholbarkeit, zu den Eignungs- und Sicherheitskriterien und die demokratische Beteiligung im Endlagersuchverfahren müssen unbedingt beantwortet werden." In der SPD wurden Stimmen laut, die McAllister ein taktisches Manöver unterstellen: Er suche angesichts der Schwäche der FDP nach Möglichkeiten, schwarz-grüne Bündnisse zu erleichtern.
klimaretter.info/hb
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