Kanada lobbyiert für Teersande
Die kanadische Regierung versucht mit großem Lobby-Aufwand, Öl aus Teersanden in Europa salonfähig zu machen. In nur zwei Jahren sollen sich kanadische Regierungsvertreter mehr als 100 mal mit Kollegen aus Großbritannien und anderen europäischen Staaten getroffen haben, schreibt der Guardian mit Bezug auf einen Bericht der Umweltorganisation Friends of the Earth Europe. Kanada soll versucht haben, die europäische Verkehrspolitik zu beeinflussen, um Auswirkungen auf den Handel mit Öl aus Teersanden zu verhindern.

Teersand-Abbau in Alberta, Kanada. Der kanadischen Regierung wird massive Lobby-Arbeit für das umwelt- und klimaschädliche Öl vorgeworfen. (Foto: Greenpeace)
Der Abbau von Teersand gilt als extrem umwelt- und klimaschädlich. Studien gehen davon aus, dass Öl aus Teersanden fünfmal so viele Treibhausgase verursacht wie konventionelles Öl. Die größten Teersand-Vorkommen befinden sich in Kanada, weitere große Vorkommen gibt es in Venezuela.
Die Europäische Kommission will ein Treibstoffqualitätsgesetz einführen, das das Transportwesen in den Ländern der EU sauberer machen soll. Bis 2020 sollen die klimaschädlichen Treibhausgase im Verkehrsbereich um sechs Prozent gesenkt werden. Friends of the Earth wirft Kanada vor, massiv auf Politiker eingewirkt zu haben, um das Gesetz zu verwässern. Die Regierung soll vor allem die Umweltwirkungen von Teersanden heruntergespielt haben. Die Vorwürfe wurden bereits im vergangenen Jahr in der Öffentlichkeit diskutiert. "Die kanadische Regierung muss die Klimaschädlichkeit von Teersanden offenlegen und damit aufhören, falsche Angaben zu machen", fordert die Umweltorganisation in ihrem Bericht.
"Das ist ein Präzedenzfall", sagte Darek Urbaniak, Campaigner von Friends of the Earth Europe. Noch nie habe die Regierung eines Industrielandes solch große Anstrengungen unternommen, um wissenschaftliche Erkenntnisse anzufechten und internationale Partner derart hinters Licht zu führen. "Die kanadische Regierung fordert weitere Studien und weiteren Aufschub. Eine ähnliche Strategie hat bisher nur die Tabak-Industrie gefahren, um die Gesundheitsrisiken durch das Rauchen herunterzuspielen."
klimaretter.info/jot
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