Christoffers fürchtet CCS-Klagewelle
Brandenburgs Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) fordert, den Klageweg für die Kohlendioxid-Speicherung und -Abscheidung zu verkürzen. Das sei notwendig, um den Baubeginn des Vattenfall-Pilotprojekts in Jänschwalde nicht zu verzögern, heißt es in einem Bericht der Potsdamer Neuen Nachrichten. Der Gesetzentwurf der Bundesregierung von Ende Juli müsse dahingehend überarbeitet werden.

Vor der Wahl waren alle im Landkreis Oder-Spree gegen CCS - hier die SPD-Landtagsabgeornete Elisabeth Alter. Nach der Wal ist das natürlich anders: Bei Brandenburgs Bürgern kommt das nicht überall gut an. (Foto: Reimer)
Umweltschützer hatten bereits kritisiert, das CCS-Gesetz sei für Vattenfall maßgeschneidert worden. Bisher sieht der Entwurf vor, dass vor drei Instanzen geklagt werden kann. Das könnte ungemütlich werden: Christoffers befürchtet, dass es dadurch zu erheblichen zeitlichen Verzögerungen des Baubeginns kommt. Er schlägt vor die Instanzen auf Oberverwaltungs- und Bundesverwaltungsgericht zu reduzieren. Sollte das Projekt wegen einer großen Anzahl an Klagen nicht vor 2015 begonnen werden, fürchtet der Wirtschaftsminister, dass es gar nicht starten kann.
Klar: Um an 180 Millionen Euro Fördermittel der Europäischen Union zu kommen, muss die Vattenfall-Anlage tatsächlich innerhalb der nächsten fünf Jahre in betriebsbereit sein. Und mit verzögernden Klagen ist durchaus zu rechnen, da die unterirdische Speicherung und Abscheidung von Kohlendioxid (CCS) in Brandenburg erhebliche Proteste hervorgerufen hat.
Die Bürgerinitiative "CO2-Endlager stoppen" aus dem märkischen Beeskow kritisiert die geplante Verkürzung des Klagewegs scharf: "Jetzt lässt der Linkspolitiker die Maske fallen und macht sich endgültig zum Büttel des Energiekonzernes", sagte der BI-Vorstand Udo Schulze. Christoffers gehe es "einzig und allein darum, Vattenfall und seiner umstrittenen CCS-Technologie den roten Teppich auszurollen".
klimaretter.info/jot
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Der Parteitag wendet sich gegen den Kurs der rot-roten Koalition und lehnt CCS und neue Braunkohletagebaue ab
Kohle ist Deutschlands einziger Energieträger, sagt Brandenburgs Wirtschaftsminister Ralf Christoffers - und fordert einen Vorrang vor Atomkraft. In niedersächsischen Wilhelmshaven haben Erprobungen für die unterirdische Speicherung von CO2 begonnen.
Noch in diesem Jahr soll das Gesetz zur Abscheidung und Einlagerung von Kohlendioxid (CCS) verabschiedet werden. Aber in den Reihen der Union gibt es auch Abweichler: Im Gespräch mit klimaretter.info erklärt der Bundestagsabgeordnete Hans-Georg von der Marwitz (CDU), wie er das Gesetz stoppen möchte, warum viele seiner Parteikollegen derzeit zu den Befürwortern gehören, und was der rot-roten Koalition in Brandenburg noch bevorsteht.
Noch immer gibt es keine Einigung zum umstrittenen CCS-Gesetz: Bundeskanzlerin Angela Merkel macht Druck und will einen neuen Vorschlag. Umweltschützer warnen unterdessen mit einem geologischen Gutachten vor "enormen Risiken" der CO2-Einlagerung.
SPD und Bündnisgrüne werden sich am Donnerstag erstmals mit der Linksfraktion in Nordrhein-Westfalen treffen, um ein rot-grün-rotes Bündnis zu sondieren. Einer der Knackpunkte könnte dabei die Energiepolitik werden: Die Linke hat in ihrem Wahlprogramm versprochen, die großen Energiekonzerne im Falle einer Regierungsbeteiligung zu enteignen. wir-klimaretter.de sprach mit Dorothée Menzner, der energiepolitischen Sprecherin der linken Bundestagsfraktion.
Brandenburgs Umwelt- und Wirtschaftsministerien präsentierten heute die Eckpunkte für die geplante Energiestrategie 2030. Der Entwurfstext wird jedoch nur ausgewählten Organisationen zur Verfügung gestellt. Die Landesregierung setzt weiter auf Braunkohle, dies soll mit CCS-Technologie ausgestattet werden. Notwendig ist hierfür ein europaweites Kohlendioxid-Pipelinenetz.
Die Linke in Brandenburg will keine Erkundung zur Kohlendioxid-Speicherung ohne CCS-Gesetz. In einem Antrag zum bevorstehenden Landesparteitag am Wochenende werden "zunehmend Zweifel" an der Sicherheit der Technologie laut.
Das Gesetz zur unterirdischen Verpressung von Kohlendioxid sorgt weiter für Unstimmigkeiten zwischen den Ländern. Am Mittwoch beschäftigte das CCS-Gesetz sowohl den Kieler Landtag als auch den Umweltausschuss des Bundestags.
Brandenburg: CCS-Gegner halten wenig von dem von Wirtschaftsminister Christoffers (Die Linke) gegründeten CCS-Beirat. Das 18-köpfige Gremium sei einseitig besetzt worden
Wenn CCS, dann bundesweit: Die Linkspartei in Brandenburg möchte, dass ein Gesetz zur Abscheidung und Verpressung des Kohlendioxids für andere Bundesländer gleichermaßen gilt. Das könnte möglicherweise das gesamte Gesetzesvorhaben auf Bundesebene verhindern. Die Verantwortung schieben die Linken nun der Bundesregierung zu.
Linke-Minister hält Braunkohle für Brückentechnologie. Im Frühjahr neue Energiestrategie
Heute wird in Beeskow gegen die unterirdische Kohlendioxid-Einlagerung in Brandenburg demonstriert. Die Proteste bringen die Linkspartei in die Bredouille, denn sie regiert zusammen mit der SPD. Vor der Wahl war sie noch gegen die CO2-Endlager, nun soll sie den Pro-Braunkohle-Kurs mittragen. Von Hanno Böck
Die Brandenburger Landesregierung will in Kürze eine neue Energiestrategie vorstellen. Die SPD und Teile der Linkspartei wollen auch ohne CCS-Technologie an der Braunkohle festhalten – und sind dafür bereit, die bisherigen Klimaschutzziele über Bord zu werfen.


