USA lassen Klimagesetz platzen
Vor wenigen Tagen hatte sich der Mehrheitsführer der Demokraten Senator Harry Reid noch optimistisch gezeigt, jetzt spricht er von einer "unglaublichen Enttäuschung": Das US-Klimagesetz ist trotz monatelanger Verhandlungen und etlicher Kompromisse geplatzt. Die Demokraten haben das Gesetz am Donnerstag aufgeben müssen: "Wir haben für das Klimagesetz schlichtweg nicht die nötigen Stimmen", zitiert die New York Times den Senator aus Nevada.

Donnerstag im Weißen Haus: Hier unterschreibt der US-Präsident eine Ausweitung von Arbeitslosen-Hilfen für Millionen von Amerikanern. Andere "Top-Prioritäten" der Demokraten wie das US-Klimagesetz müssen dagegen erneut verschoben werden. (Foto: Lawrence Jackson/White House)
Das Repräsentantenhaus hatte einen ähnlichen Entwurf bereits im vergangenen Jahr verabschiedet: US-Präsident Barack Obama hatte auch auf dem Weltklimagipfel in Kopenhagen angekündigt, die Emissionen des zweitgrößten Treibhausgas-Emittenten der Welt bis 2020 um 17 Prozent unter den Stand von 2005 zu senken. An wirtschaftsnahen Republikanern und konservativen Demokraten im Senat hatten sich die Verfechter des Klimagesetzes jedoch die Zähne ausgebissen. Über ein Jahr lang wurde im Senat debattiert, verhandelt und geblockt, erst kürzlich wurde ein umfassender Kompromissentwurf vorgestellt, der eigentlich sowohl Demokraten als auch Republikanern schmecken sollte.
Am gestrigen Donnerstag wurde das Klimagesetz dann doch erneut und auf ungewisse Zeit "verschoben": Der Senat will nun nicht wie geplant ein Gesetz zur Reduktion von Kohlendioxid-Emissionen auf den Weg bringen, sondern stattdessen Einzelvarianten angehen, mit denen etwa auf die Ölpest im Golf von Mexiko reagiert oder Energieeffizienzstandards verschärft werden sollen. Das Ziel sei jedoch noch immer ein umfassendes Klimagesetz, betonte die Energieberaterin des Weißen Hauses, Carol Browner.
"Es ist ein Skandal, dass Umweltverschmutzer sich darauf verlassen können, dass eine Minderheit von Senatoren entsprechende Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels blockt", sagt Michael Brune vom Sierra Club. "Kolossales Versagen" attestierte auch die National Wildlife Federation dem Senat: "Zu viele Senatoren hören nicht auf die Öffentlichkeit sondern auf die Verschmutzer", sagt Direktor Larry Schweiger gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Die Senatoren hätten nicht begriffen, dass der Preis für ein Diktat der Öl- und Kohlelobby am Ende ein hoher sei.
klimaretter.info/sam
Guter Journalismus kostet
Sie können die Texte auf klimaretter.info kostenlos lesen. Erstellt werden sie jedoch von bezahlten Redakteuren. Unterstützen Sie den Klimaretter-Förderverein
Klimawissen e. V. einmalig durch eine Spende oder dauerhaft mit einer Fördermitgliedschaft.
Spendenkonto
Die Schlagzeilen um 03 Uhr
In dieser Woche am meisten gelesen
Meinungen: Reimers kleine Zahlenkunde
930 Euro für Angela Merkel Mehr Geld für die Kanzlerin ist gut und richtig. Jetzt sollten als nächstes die Bezüge der Abgeordneten angehoben werden! Vielleicht hilft das ja, die Qualität der angebotenen Politik zu verbessern. [mehr...]
Meinungen: Kommentar
Treffer Röttgen - aber nicht versenkt Er wollte Karriere über den Umweg der Provinz machen - und ist gescheitert. Nun fordert die Opposition seinen Rücktritt. Der aber wird nicht kommen.
Ein Kommentar von Nick Reimer [mehr...]
Jahrestag
Das Fukushima-Dossier
11. März 2011: Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, fast 20.000 Menschen sterben. Die Atomanlagen havarieren, ein politischer Tsunami folgt. Kanzlerin Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Welt diskutiert die Atomkraft. Zum Jahrestag präsentiert klimaretter.info jenes Dossier, das damals im Nachrichtendschungel Orientierung gab. [mehr]
Aktion des Monats Das Netzwerk Friends of the Earth hat eine Europäische Bürgerinitiative für den EU-weiten Atomausstieg gestartet. BUND-Hubert Weiger, einer der Initiatoren sagt, mit der Volksinitiative habe man "jetzt endlich eine greifbare Möglichkeit, den Weg in eine sichere und saubere Energiezukunft zu ebnen". Nutzen wir sie! [mehr] | Zu Ihrem Vorteil Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann müssen Sie uns helfen! Unabhängiger Journalismus kostet Geld, und wenn RWE, Vattenfall, die CDU oder die Netzbetreiber nicht dafür zahlen, dann doch wohl Sie! Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...] |
Klimaretter-Jobbörse
Die Pioniere der Energiewende
Ein Elektroingenieur für den Bereich Netzanschluss gesucht? Einen Sicherheitsexperten für die Windkraft? Eine Klimaberaterin für die Verbraucherzentrale in Mainz? Auf der klimaretter.info Jobbörse werden viele spannende Jobs zur Energiewende angeboten. [mehr]
Lexikon Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr] | Klimaretter-Beichtstuhl Na, doch wieder einmal schwach geworden? Doch wieder eine unnötige Strecke mit dem Auto gefahren? Doch wieder ins Flugzeug gestiegen? Fehler zu (be)kennen, ist der erste Schritt zur Besserung: Erzählen Sie einfach sich, was Sie bereuen. Und warum. Sie werden sehen: Das erleichtert! Nutzen Sie einfach unseren "klimaretter.info-Beichtstuhl". [mehr...] |
Vattenfall: Einfach schlecht vorbereitet
Es gibt Werbekampagnen, die so schlecht sind, dass man sich fragt, wie sie jemals zustande kommen konnten. Ist die Agentur zu blöd? Wollen die Chefs, die die Kampagne abnehmen, ihre Firma bewußt schädigen? Ist das Produkt so miserabel, dass es[…] [mehr...]Mehr vom Lügendetektor
Klimaretter-Dossiers
Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs
Klimakonferenz-Specials
Durban Dezember 2011 - COP17 in Südafrika
Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13





USA-China-Dialog: US-Außenministerin Hillary Clinton hat das Reich der Mitte aufgefordert, den entscheidenden Weltklimagipfel in Südafrika Ende dieses Jahres nicht scheitern zu lassen. Auch die Vorleistungen der USA sind jedoch ausgesprochen dünn.
US-Abgeordneter Luetkemeyer: der Intergovernmental Panel on Climate Change ist eine "schändliche" Organisation
US-Repräsentantenhaus streicht Mittel für Klimaschutz und Gesundheitsreform zusammen
Der Umweltausschuss im US-Senat hat über den Entwurf für ein umfangreiches Klimagesetz abgestimmt - ohne die streikenden Republikaner
72 Prozent der Tea-Party-Anhänger halten Thema jedoch für unwichtig. Spaltung unter Republikanern nimmt zu
Auch nach zwei Jahren unter Barack Obama stehen die USA als größter Kohlendioxid-Verschmutzer unter den Industrieländern noch immer ohne Klimagesetz da. klimaretter.info hat mit dem Klima-Experten David Roberts vom Grist-Magazin über enttäuschte Erwartungen und die Macht der Konservativen gesprochen.
"Top Kill" im Golf von Mexiko: Konzernchef erklärt, Stopfversuch verlaufe "planmäßig". Ob tatsächlich das Bohrloch geschlossen wurde, zeigt sich erst heute abend
Wie Patrick Michaels einmal vergaß, wieviel Geld er aus der Ölindustrie bekam
Rezepte für eine grüne Wirtschaft sind da: Im Ranking der G20 steht Deutschland mit seinem Gebäudesanierungsprogramm und dem EEG ganz vorn
US-Klimagesetz, CO2-Regulierung durch die US-Umweltbehörde EPA und Kaliforniens Klimschutzgesetz: Bei den "midterm elections" in den USA entscheidet sich mit der Mehrheit im Kongress auch der künftige Klimakurs.
Republikanische Senatoren wollen die CO2-Regulierung durch die US-Umweltbehörde aushebeln und lassen EPA-Chefin Lisa Jackson zum Rapport antreten.
Die Wahlen in den Schlappe für Obama: Die Republikaner erobern sich die Mehrheit im Repräsentantenhaus. Gegen den landesweiten Trend stimmten dagegen die Kalifornier - die "Proposition 23" wurde abgeschmettert.
Die Ergebnisse der Zwischenwahlen bestätigen, was sich mit dem Scheitern des Klimagesetzes im Senat im Sommer 2010 bereits andeutete. Ein nationales Klimagesetz rückt in weite Ferne. Einen US-weiten Emissionshandel wird es auf absehbare Zeit nicht geben. Im Kongress wird bestenfalls eine Politik der Trippelschritte folgen. Eine Analyse (1. Teil)
Die ferngesteuerte Roboter-Säge bleibt in der Steigleitung stecken. Obama wirbt für US-Klimagesetz



