De Boer: Klimaabkommen ohne USA möglich
Der scheidende Chef des UN-Klimasekretariats, Yvo de Boer, hält ein rechtsverbindliches Klimaabkommen auch ohne Unterstützung der USA für erreichbar. Das sagte er auf einer Pressekonferenz in Bonn, wo am kommenden Montag die nächste Vertragsstaaten-Tagung der UN-Klimarahmenkonvention (UNFCCC) beginnt. Es sei aber wenig wahrscheinlich, dass es auf der nächsten Weltklimakonferenz in Cancún im Dezember zum Durchbruch kommt. De Boer: "Viel realistischer ist ein rechtsverbindliches Abkommen in Südafrika", also erst 2011.

Noch-UN-Klimachef de Boer (Foto: UNFCCC)
Wichtig sei jetzt, dass ein Vertrauensverhältnis zwischen den Industrie- und den Entwicklungsländern hergestellt werde und dass die Industrieländer die in Kopenhagen vereinbarten 30 Milliarden US-Dollar bereitstellen, die von 2010 bis 2012 an die Entwicklungsländer gehen sollen. Rund ein Drittel davon will die EU tragen. De Boer regte an, möglicherweise neue Institutionen zu gründen, die sich beispielsweise mit der Finanzierung der Klimamaßnahmen beschäftigen.
De Boer über seine Nachfolgerin: "Sie ist so gut, sie braucht meinen Rat nicht"
In Bonn solle sowohl über die Fortführung des Kyoto-Protokolls diskutiert werden, so de Boer, als auch über den sogenannten Copenhagen Accord, das Abschlussdokument der letzten großen Klimakonferenz im vergangenen Dezember. Geklärt werden müsse unter anderem, wie Verstöße gegen Klimaabsprachen sanktioniert werden könnten. Allgemein schätzte der Chef des UN-Klimasekretariats die Verhandlungen als konstruktiv ein. Beiläufig ging de Boer auch auf die teils chaotischen Akkreditierungsprozesse beim letzten Gipfel ein. "Wir haben aus Kopenhagen gelernt", sagte er. Unter anderem werde es in Bonn ein neues System zur Online-Registrierung geben, um den Prozess vor Ort zu beschleunigen.
Auf die Frage eines Journalisten, welchen Rat er seiner Nachfolgerin Christiana Figueres mit auf den Weg geben wolle, erklärte de Boer: "Sie ist so gut, sie braucht meinen Rat nicht." Die costa-ricanische Diplomatin übernimmt die Funktion der UN-Klimachefin Ende Juni.
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