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Grüne: Klima-Blockade lösbar

"Klima kennt keine Grenzen: Neue Allianzen in Zeiten nationaler Abschottung" – unter diesem Motto haben sich rund 150 Experten und Interessierte am Wochenende zum 11. Sächsischen Klimakongress der Grünen in Dresden getroffen. Es sei sinnvoll und vernünftig, in den Bundesländern und Kommunen klimapolitisch zu handeln, auch wenn Regierungen und große Unternehmen blockierten oder sich sogar rückwärts bewegten, sagte der Chef der grünen Landtagsfraktion Volkmar Zschocke zur Eröffnung.

BildDer mit weitem Abstand größte sächsische Treibhausgasemittent: Das Leag-Braunkohlekraftwerk Boxberg (Foto: Ankawü/Wikimedia Commons)

Aus der Verweigerung von Klimaschutz ließen sich am Ende keine Vorteile ziehen, sagte Gerd Lippold, klimapolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion. Er warnte diejenigen in Sachsen, die nach dem Scheitern der "Jamaika"-Sondierungen "hörbar aufgeatmet" hätten. "Das Einzige, was jetzt wirklich ungewiss geworden ist, sind die bereits klar umrissenen Strukturwandel-Fördermittel für unsere Kohleregionen."

Auf den wachsenden Zeitdruck beim Klimaschutz wies Felix Matthes, Forschungskoordinator beim Öko-Institut, hin. Es gehe nicht nur darum, CO2-Emissionen zu senken, dies müsse auch rasch geschehen. "Je schneller wir das tun, umso mehr Freiheitsgrade haben wir in der Zukunft."

In einer Videobotschaft an den Klimakongress forderte die Energieökonomin Claudia Kemfert vom DIW Berlin, dass gerade die Verursacher hoher CO2-Emissionen nun so schnell wie möglich mit der Transformation von fossilen zu erneuerbaren Energien beginnen und alles tun müssten, um die Emissionen deutlich zu senken.

Nach Ansicht von Kemfert kann Sachsen "Vorreiter für Klimaschutz" werden. Derzeit liege das Land zwar im Bundesländer-Vergleich bei den Erneuerbaren noch im hinteren Mittelfeld, aber es gebe Chancen für den Ausbau der Wind- und der Bioenergie. Dazu müsse aber ein Kohleausstiegsplan erarbeitet werden, wie ihn der Sachverständigenrat für Umweltfragen erarbeitet habe, betonte die Expertin. "Sachsen kann zeigen, dass ein Kohleausstieg funktioniert."

Über politische Blockaden klagt auch der renommierte Klimaforscher Mojib Latif vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel (Geomar). Deutschland müsse sofort Braunkohlekraftwerke abschalten, um das Klimaziel von minus 40 Prozent CO2 bis 2020 noch zu erreichen, forderte Latif am Sonntag laut Medienberichten. Hierzulande enthalte der Strommix immer noch 40 Prozent Kohle, und der Anteil sei in den letzten Jahren nicht geringer geworden. "Die Politik ist schlichtweg nicht bereit aus der Kohle auszusteigen", sagte Latif. Es gebe Blockierer wie Deutschlands größtes Braunkohleförderland Nordrhein-Westfalen.

Ein Bundesland wie Sachsen "kann zeigen, dass ein Kohleausstieg funktioniert", sagte DIW-Ökonomin Kemfert. (Video: Grüne Landtagsfraktion Sachsen/​Facebook)

Redaktioneller Hinweis: Claudia Kemfert ist Mitherausgeberin von klimaretter.info

klimaretter.info/jst

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