Schwarz-Gelb erledigt deutsches Klimaziel

Bleibt es bei den Braunkohle-Plänen der neuen CDU/FDP-Landesregierung in Nordrhein-Westfalen, wird Deutschland die Ziele des Pariser Klimavertrags verfehlen. Das zeigt eine jetzt veröffentlichte Analyse des Beratungsunternehmens Arepo Consult im Auftrag der Umweltstiftung WWF. Untersucht wurde die Wirkung des kürzlich abgeschlossenen Koalitionsvertrags für NRW auf die Klimaziele der Bundesrepublik.

BildDeutschlands Treibhausgasemissionen in den Szenarien der Bundesregierung (Grafik vergrößern): Die Lücke zwischen Ziel und Realität wird immer größer. (Grafik: Christine Wörlen/​Arepo Consult)

Obwohl NRW für fast ein Drittel der deutschen CO2-Emissionen verantwortlich ist, strebe die schwarz-gelbe Koalition in Düsseldorf keinen Beitrag zum Erreichen der Bundesziele an, heißt es in der Studie. Mit dem Festhalten an der Braunkohle werde NRW ganz allein das CO2-Budget sprengen, das der Bundesrepublik noch zur Verfügung steht, wenn Deutschland innerhalb des Zwei-Grad-Limits bleiben will. "Um die Erderhitzung wirksam zu begrenzen, müssen mehr als 60 Prozent der rheinischen Braunkohle im Boden bleiben", erklärte Michael Schäfer vom WWF Deutschland.

Im Laufe der Zeit entwickelt sich die Braunkohleverstromung in NRW laut der Studie zu einer immer größeren Belastung des CO2-Budgets der Bundesrepublik. Nach den Berechnungen könnte bei den energiebedingten Emissionen die Lücke zu den Klimaschutzzielen von 55 Millionen Tonnen im Jahr 2020 auf 120 Millionen Tonnen CO2 im Jahr 2030 anwachsen.

Vor den heutigen Beratungen des G20-Gipfels in Hamburg rügte auch die Umweltorganisation Greenpeace Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wegen ihrer Kohlepolitik. "Die deutschen CO2-Emissionen stagnieren seit acht Jahren. Die Bundesregierung verschläft ihr eigenes Klimaziel", sagte Greenpeace-Expertin Anike Peters am Donnerstagnachmittag auf dem Alternativgipfel im Hamburger Kulturzentrum Kampnagel. Das lasse sich durch das Abschalten von Kohlekraftwerken leicht ändern. "Allein mit den warmen Worten von Angela Merkel wird sich die Erderhitzung nicht stoppen lassen. Dazu benötigen wir einen Ausstieg aus der Kohle", so Peters.

Nach Ansicht der Greenpeace-Expertin reicht in Hamburg auch ein bloßes Bekenntnis der G20 zum Pariser Klimavertrag nicht aus. Das sei selbstverständlich. "Die Länder müssen klare Zusagen machen, dass sie mehr als in Paris zugesagt leisten, um den weltweiten Klimaschutz voranzubringen", forderte Peters. Länder wie Frankreich, Indien und Südkorea hätten das bereits getan.

Kurz vor Beginn des G20-Gipfels hat der französische Präsident Emmanuel Macron laut Medienberichten erklärt, dass der Paris-Vertrag im Kampf gegen die Erderwärmung nicht ausreiche. Das Abkommen sei ein Schritt in die richtige Richtung, aber man müsse weiter vorankommen, sagte Macron in Paris. Auch der russische Präsident Wladimir Putin hat, wie berichtet wird, seine Unterstützung für das Klimaabkommen bekräftigt. Der UN-Vertrag sei eine sichere Grundlage für eine langfristige Klimaregulierung und Russland wolle einen umfassenden Beitrag zu seiner Erfüllung leisten.

klimaretter.info/jst

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