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EU-Abgeordnete für mehr Recycling

Das Europäische Parlament will die EU-Staaten verpflichten, den Anteil des wiederverwerteten Hausmülls bis 2030 auf mindestens 70 Prozent zu steigern. Für Verpackungsmaterial wie Papier und Pappe, Plastik, Glas, Metall und Holz schlugen die Abgeordneten heute ein Recyclingziel von 80 Prozent für 2030 vor. Die Müll-Lagerung auf Deponien soll hingegen auf höchstens fünf Prozent beschränkt werden. So sollen Ressourcen gespart, aber auch das Klima geschützt werden, denn auf Mülldeponien entstehen Treibhausgase.

BildDie EU will mehr Abfall recyceln. Besser als deponieren – doch Müllvermeidungsziele fristen weiter ein Schattendasein. (Foto: Susanne Götze)

Das Parlament hat damit seine Position zum Kreislaufwirtschaftspaket der EU-Kommission festgelegt, die in ihren Gesetzentwurf schwächere Recyclingziele hineingeschrieben hatte. Damit daraus EU-Recht wird, muss sich jetzt noch der Ministerrat auf eine Linie einigen. Dann gehen Parlament und Ministerrat in Verhandlungen, die auch die Kommission begleitet.

Im Jahr 2014 wurden dem Parlament zufolge 44 Prozent des Hausmülls der EU-Bürger recycelt oder kompostiert – das sind 13 Prozentpunkte mehr als noch zehn Jahre zuvor. Spätestens 2020 sollen die EU-Mitgliedsstaaten mehr als die Hälfte des Mülls recyceln oder kompostieren.

Die Abgeordneten wollen ihre Ziele für 2030 zum Beispiel dadurch erreichen, dass Biomüll, Textilien und Altöl getrennt gesammelt werden müssen. Außerdem fordern sie, dass die Verschwendung von Lebensmitteln reduziert wird.

"Das ist ein willkommener Auftrieb für Recycling und Müllvermeidung in Europa", sagte Meadhbh Bolger vom Umweltdachverband Friends of the Earth Europe. Die Umweltingenieurin kritisiert jedoch, dass auch umstrittene Materialien wie Bioplastik gefördert werden sollen. "Das ist eine Scheinlösung", sagte Bolger. "Diese Stoffe können zwar eine gewisse Rolle spielen, Vorrang muss aber haben, Konsum und Abfall zu vermeiden."

Dem Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA) zufolge muss sich zudem etwas an der Herstellung von Gütern ändern, nicht nur an der Entsorgung. "Beim Übergang in die Kreislaufwirtschaft geht es auch um Ökodesign, um innovative Wiederverwendung und darum, dass man Produkte reparieren können muss", sagte Cilian Lohan, der den Gesetzgebungsprozess für den EWSA beobachtet. Das EU-Nebenorgan hatte kürzlich ein neues Gremium initiiert, in dem sich Unternehmen, Politiker und Thinktanks aus allen EU-Staaten zur Kreislaufwirtschaft austauschen sollen - und mitbestimmen, wie die EU das Thema künftig regelt.

klimaretter.info/scz

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