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Brexit verteuert Bau von Hinkley Point C

Der Brexit könnte den Bau neuer Atomkraftwerke in Großbritannien deutlich verzögern oder gar verhindern. Der Grund: Die britische Regierung will nicht nur aus der EU, sondern auch aus dem Euratom-Vertrag aussteigen, der 1957 die Gründung der Europäischen Atomgemeinschaft besiegelte. Der Ausstieg aus Euratom sei ein "doppelter Verlust", warnte Paul Dorfman vom Energie-Institut am University College London: für die Befürworter, weil die Atomindustrie weniger konkurrenzfähig wäre, für Kritiker, weil die Sicherheitsregeln dadurch aufgeweicht würden.

BildHinkley Point A und B sollen noch Gesellschaft kriegen, doch der Brexit gefährdet den Bau eines weiteren Atomkraftwerks am Bristolkanal. (Foto: Anthony O'Neil/​geograph)

Ohne Europa könnte sich Großbritannien neue Atomkraftwerke kaum leisten. Nach dem Willen des französischen Staatskonzerns EDF, der den Bau des geplanten Kraftwerks Hinkley Point C zu zwei Dritteln finanziert, bliebe Großbritannien "idealerweise" im Euratom-Vertrag. Ein Ausstieg aus der Europäischen Atomgemeinschaft hätte zur Folge, dass Großbritannien kaum noch auf die Nuklearförderung der EU zurückgreifen kann. Die britische Atomindustrie hängt aber maßgeblich von europäischen Gütern und Dienstleistungen ab. Steigende Kosten für die Briten und weitere Verzögerungen wären die Folge.

Zunächst schien es, als wenn der Brexit für den lange geplanten Bau des AKW Hinkley Point C im Südwesten Englands keine Auswirkungen haben würde. Doch in der vergangenen Woche machte die britische Premierministerin Theresa May Ernst und entschied sich, wie bereits angekündigt, für einen "harten Brexit" mit einem Austritt aus der EU, aus dem europäischen Binnenmarkt – und aus dem Euratom-Vertrag. Das geht aus dem EU-Ausstiegsgesetz hervor, dass die britische Regierung am vergangenen Donnerstag vorgelegt hat.

Experten wie Hans-Josef Fell, Präsident der Energy Watch Group, hatten schon im vergangenen Jahr auf die Konsequenzen des Brexit hingewiesen. Nach Ansicht des EEG-Miterfinders Fell ist eine Euratom-Vertragsstaatenkonferenz ohnehin längst überfällig. Deutschland hat zwar den Atomausstieg beschlossen, fördert aber weiterhin auf der Grundlage von Euratom die Atomkraft in Europa. Für Fell bietet der Brexit eine Gelegenheit, um den aus seiner Sicht nicht mehr zeitgemäßen Euratom-Vertrag und damit die Förderung der Atomkraft in der EU zu beenden.

klimaretter.info/kir

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