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Trommeln für erneuerbaren Mieterstrom

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) will mehr Mieterstromprojekte in der Hauptstadt. Deshalb soll die Bundesregierung eine entsprechende Verordnung auf Grundlage des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) erlassen. "Die Direktvermarktung von umweltfreundlich und lokal erzeugtem Strom braucht eine faire wirtschaftliche Chance", sagte Müller vergangene Woche. "Indem wir mehr Mieterinnen und Mieter bei ihren Energiekosten entlasten, kann die Energiewende sozial verträglich gestaltet werden und wir können gemeinsam die Klimaneutralität Berlins bis 2050 erreichen."

BildMieter in Berlin-Hellersdorf beziehen Ökostrom von den Photovoltaikanlagen auf dem Dach und berappen dafür seit 2014 die volle EEG-Umlage. (Foto: Stadt und Land/Lichtblick)

Der Berliner Bundestagsabgeordnete Klaus Mindrup (SPD) hatte sich bei der jüngsten Novellierung des EEG erfolgreich für eine Mieterstrom-Regelung eingesetzt. Die Verordnung müsse schnell kommen, damit Wohnungsbaugenossenschaften wieder mehr Solaranlagen bauen. "Wir können uns nicht darauf verlassen, dass ausschließlich die Flächenländer erneuerbare Energien für alle bereitstellen", sagte Mindrup. Gerade die Metropolen hätten besondere Verantwortung zu tragen. Die Verordnung muss nach Ansicht der halböffentlichen Berliner Energieagentur sicherstellen, dass Mieter nicht länger gegenüber Hauseigentümern benachteiligt sind, wenn sie Strom über eine Solaranlage vom eigenen Dach beziehen.

Bis August 2014 mussten Vermieter eine um zwei Cent geminderte EEG-Umlage pro Kilowattstunde für Strom abführen, der vom eigenen Hausdach kommt und dann an ihre Mieter verkauft wird. Damit waren Mieter schlechter gestellt als Eigenheimbesitzer mit Photovoltaikanlage, die von der Umlage befreit sind. Seit Inkrafttreten der EEG-Novelle 2014 ist für direkt verbrauchten Mieterstrom die EEG-Umlage in voller Höhe fällig. In der diesjährigen Reform eröffnet nun ein Passus die Möglichkeit, dass Vermieter nur noch eine verringerte EEG-Umlage für Strom zahlen müssen. Eine Verordnung soll das regeln. Als wahrscheinlich gilt eine Verminderung um 60 Prozent.

Derzeit sind in Berlin 6.000 Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtkapazität von rund 80 Megawatt in Betrieb. In Spitzenzeiten kamen pro Jahr bis zu 20 Megawatt hinzu. Doch auch bei den Mieterstromprojekten ist der Zubau rückläufig: Seit 2015 sind es weniger als zehn Megawatt.

klimaretter.info/kir

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