Bsirske: Kohle-Ausstieg vor 2050 möglich

Der Vorsitzende der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Frank Bsirske, hält ein Ende der Kohle-Nutzung in Deutschland "deutlich früher" als 2050 für möglich. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass preiswerte Speicher für Ökostrom vorhanden sind, die Stromnetze ausgebaut werden und der Kohleausstieg sozial verträglich organisiert wird, sagte Bsirske in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau.

BildFrank Bsirkse, das einzige grüne Parteimitglied, das Vorsitzender einer deutschen Gewerkschaft wurde. (Foto: Kay Herschelmann)

Der Schnelligkeit, mit der der Kohle-Ausstieg geschehen muss, ist in den Gewerkschaften umstritten. Die IG Bergbau, Energie, Chemie (IG BCE) will, dass die Kohleverstromung nicht vor 2050 endet. Der Verdi-Chef hingegen hält nun einen schnelleren Umbau des Energiesystems für machbar: "Bis 2030 dürfte der Anteil der Braunkohle-Verstromung halbiert sein, und spätestens 2050 wird das letzte Kraftwerk vom Netz gehen. Gelingt ein Durchbruch bei den Speichertechnologien, dann kann ein Ausstieg auch deutlich früher geschehen", sagte er der Zeitung.

Bsirske ist sich sicher, dass die Kohle "auf absehbare Zeit" noch benötigt werde, um die Versorgungssicherheit herzustellen. "Ohne diese Reservekapazitäten geht es nicht." Die Steinkohle- und Braunkohlekraftwerke würden absehbar aber nicht mehr in der Grundlast eingesetzt werden. "Sie müssen flexibel gefahren werden, um die fluktuierende Einspeisung von Ökostrom zu ergänzen", sagte der Gewerkschaftschef. Zudem forderte er einen sogenannten Kapazitätsmarkt, über den das Vorhalten notwendiger Reserve-Kraftwerke finanziert wird, auch wenn sie nicht laufen.

Der Verdi-Chef sagte weiter, angesichts der ambitionierten Beschlüsse auf dem Pariser Klimagipfel müsse über die Umsetzung der Energiewende "neu diskutiert werden" – und nicht nur im Stromsektor. "So läuft die Wärmesanierung der Gebäude zu langsam, wie überhaupt die effiziente Energienutzung nicht genügend im Fokus steht. Wir haben es an vielen Stellen auch mit Verteilungskämpfen zu tun. Da wird es noch jede Menge Auseinandersetzungen geben."

Bsirkse, der auch Vize-Aufsichtsratschef des Stromkonzerns RWE ist, räumte ein, dass die Energiekonzerne "die Dynamik des Ausbaus der Erneuerbaren zu lange unterschätzt" hätten. Das sei ein "strategischer Fehler" gewesen. Er glaube aber, dass RWE inzwischen auf gutem Weg sei. "Der Umbau ist angepackt. RWE setzt auf Öko-Energien, seine Kompetenz für Energiedienstleistungen und darauf, konventionelle Kraftwerke als Back-up-Anlagen zu fahren", sagte er. Der geplante Börsengang der neuen RWE-Gesellschaft, die Öko-Energien, Strom-Vertrieb und Netz bündelt, werde zeigen, "dass RWE eine Zukunft hat, die hoch attraktiv ist".

Eine genaue Prognose, ab wann die nordrhein-westfälischen NRW-Kommunen, die große Anteile an RWE haben, wieder mit einer Dividende rechnen können, wagte Bsirske jedoch nicht. Er sagte nur: "So bald wie möglich."

klimaretter.info/jw

[Erklärung]  
Anzeige
blog comments powered by Disqus

Anzeige

Anzeige

Kolumnen

Alle Kolumnen lesen
Alle Herausgeber-Interviews lesen