Hendricks: Atomausstieg ginge schneller

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hält es für möglich, dass der Atomausstieg schneller voranschreitet als bisher geplant. Denkbar sei, dass Kernkraftwerke von den Stromkonzernen vor den im Atomgesetz festgelegten Abschaltterminen vom Netz genommen werden, sagte sie in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau. Es könne passieren, "dass Anlagen aus wirtschaftlichen Gründen freiwillig schneller abgeschaltet werden". Die derzeit noch am Netz befindlichen acht AKW sollen nach und nach bis 2022 stillgelegt werden.

BildWenn es nach Umweltministerin Hendricks geht, wird der Atomausstieg beschleunigt, ebenso der Ausbau der Erneuerbaren und der Elektromobilität. (Foto: Inga Wagner/BMUB)

Hendricks forderte zugleich, das Wachstum der Ökoenergien nicht zu vernachlässigen. "Der Ausbau der Windkraft ist zuletzt noch gut vorangekommen, der Solar-Zubau aber war nicht zufriedenstellend". Hier müsse es "wieder nach oben gehen".

Hendricks äußerte sich auch zur Elektromobilität. Trotz des Widerstands vom Koalitionspartner hält sie an der Forderung nach einer Prämie für den Kauf von Elektroautos fest. "Ohne solche Kaufanreize werden wir unser Ziel, bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf die Straße zu bringen, nicht erreichen", sagte sie. Hendricks hält eine Größenordnung von 5.000 Euro pro Fahrzeug für Privatkunden und 3.000 Euro für gewerbliche Kunden für möglich. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) haben sich jüngst gegen die Kaufprämie ausgesprochen.

Hendricks äußerte allerdings Verständnis für Schäubles Bedenken gegen eine Finanzierung der Prämie aus Steuermitteln. Sie schlug eine Bonus-Malus-Regelung vor, bei der herkömmliche Autos mit einer zusätzlichen Abgabe belegt werden, die dann in die Prämie fließt. Fahrzeuge mit einem Ausstoß bis zu 130 Gramm CO2 pro Kilometer würden laut der Ministerin einmalig mit 50 Euro belastet, solche mit höherem Ausstoß entsprechend stärker. "Das hielte ich angesichts der Automobilpreise gerade im höheren Preissegment für durchaus vertretbar", sagte sie. Die Autohersteller müssten dann aber auch mehr attraktive und preiswertere E-Modelle anbieten als heute.

klimaretter.info/jw

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