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Neuen Kohlekraftwerken droht das Aus

Die niederländische Regierung prüft ernsthaft die Schließung von drei neuen Kohlekraftwerken, darunter das von RWE in Eemshaven gegenüber von Borkum. Das berichtete die Zeitung NRC Handelsblad in ihrer Wochenendausgabe. Die beiden anderen Kraftwerke stehen bei Rotterdam und gehören Eon und Engie, der früheren GDF Suez. Die milliardenteuren und von Anfang an schwer umstrittenen Anlagen sind noch nicht lange am Netz. Sie wieder dichtzumachen ist aber eine der wenigen Möglichkeiten für die Niederlande, doch noch ihr Klimaziel zu erreichen.

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Das RWE-Kohlekraftwerk Eemshaven, hier 2012 im Bau, vielleicht bald eine Investruine. (Foto: Wutsje/Wikimedia Commons)

Das Land hat sich verpflichtet, seinen CO2-Ausstoß bis 2025 um 25 Prozent zu verringern, gemessen am Stand von 1990. Mit den bisher beschlossenen Maßnahmen können die Niederlande nach Ansicht von Experten aber höchstens 17 Prozent Minderung schaffen. Die Emissionen wachsen dort dreimal so schnell wie die Wirtschaft, wie das niederländische Statistikamt am Freitag mitteilte. Eine wesentliche Ursache sind die drei neuen Kohlekraftwerke. Dem Zeitungsbericht zufolge hat der Vorschlag, sie wieder zu schließen, in der niederländischen Politik "festen Fuß gefasst". Gegen den Plan sei nur noch die rechtsliberale VVD, der etwas größere Partner in der Minderheitsregierung mit der sozialdemokratischen PvdA.

Hintergrund für den niederländischen Aktionismus ist ein beispielloses Gerichtsurteil: Im Juni hatte ein Gericht in Den Haag den bisherigen Klimaschutz der Niederlande für unrechtmäßig schwach erklärt. Es war das erste Mal, dass ein Gericht einen Staat beim Klimaschutz in die Schranken gewiesen hat. Die niederländische Regierung legte zwar Berufung gegen das Urteil ein, das entbindet sie aber nicht von der Erfüllung der Auflagen.

Die aktuelle Kraftwerksdebatte ist zugleich das Eingeständnis der Regierung, dass die bisher von ihr als Klimaschutz-Strategie favorisierte Mitverbrennung von Biomasse in Kohlekraftwerken gescheitert ist. Biomasse habe sich als viel zu teuer im Vergleich zur Windenergie erwiesen, zitierte NRC Handelsblad den Chef des kommunalen niederländischen Energieunternehmens Eneco, Jeroen de Haas.

klimaretter.info/mb

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