Japans Ex-Premier will von den Grünen lernen

Naoto Kan, Japans Ministerpräsident während der Reaktorkatastrophe in Fukushima, hat mit der Energiepolitik seines Nachfolgers abgerechnet. Kan kritisierte den Rückzug der jetzigen Regierung von Shinzo Abe vom Atomausstieg. "Es ist schade, dass wir dem deutschen Beispiel nicht gefolgt sind", sagte der Mitbegründer der Demokratischen Partei der Tageszeitung taz

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Japans früherer Ministerpräsident Kan spricht heute offen über seine Leichtgläubigkeit gegenüber den Beteuerungen der Atomindustrie. (Foto: Kenji-Baptiste Oikawa/Wikimedia Commons)

In Japan gebe es nach wie vor einen Filz aus Politik und Atomlobby, sagte Kan. So könne der Fukushima-Betreiber Tepco in dem hoch verschuldeten Land auch drei Jahre nach dem Reaktorunglück wieder Einfluss nehmen, indem er Universtitäten, Medien und den Bau von Fußballstadien finanziere.

Während seines Besuchs in Deutschland will Kan von den Grünen lernen, wie sich das Thema Atomausstieg in Wählerstimmen ummünzen lässt. "Die Grünen wissen, wie man die Stimmung der Menschen aufgreift." Der damalige Premier hatte nach der Reaktorkatastrophe noch den Atomausstieg bis 2030 beschlossen und ein Fördergesetz für Ökoenergien aufgelegt – allerdings zu einer Zeit, als absehbar war, dass er die nächste Wahl nicht mehr gewinnen würde. Er bereue es, sagte Kan der taz, dass er damals den Beteuerungen der Atomindustrie geglaubt habe, ein Unfall sei unmöglich. "Ich schäme mich heute sehr dafür, dass ich den Märchen der Atomindustrie geglaubt habe."

Vor gut einer Woche hatte die japanische Regierung angekündigt, einen Teil der Atomkraftwerke wieder ans Netz zu nehmen und eventuell gar neue Reaktoren zu bauen. Außerdem setzt Premier Abe in einem neuen Energieplan auf die Kohleindustrie als langfristige Energiequelle, während Ausbauziele für Erneuerbare in dem Plan vermieden werden.

klimaretter.info/bra

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