Bulgarien: Atomreferendum gescheitert
In Bulgarien ist heute das Atom-Referendum am Desinteresse der Wählerschaft gescheitert. Nur etwa 20 Prozent der rund sieben Millionen Wahlberechtigten in dem EU-Land gaben an diesem Sonntag ihre Stimme ab. Zur Frage stand, ob "Bulgarien die Atomenergie durch den Bau eines neuen Kernkraftwerks weiterentwickeln" soll. Für ein erfolgreiches Referendum hätten 60 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgeben müssen.

März 2009: Der RWE-Aufsichtsrat bekommt Besuch von Gegnern des geplanten Atomkraftwerks Belene. Offenbar ist der Widerstand in Bulgarien selbst deutlich geringer. (Foto: Urgewald)
Konkret ging es in dem südosteuropäischen Land um das Atomkraftwerk Belene an der Donau. Die konservative Regierung in Sofia hatte im März vergangenen Jahres ihre Pläne für den Neubau nahe der rumänischen Grenze für nicht finanzierbar erklärt und auf Eis gelegt. Das Kraftwerk stand in der Kritik, weil es in einem potenziellen Erdbebengebiet entstehen sollte. Der deutsche Energiekonzern RWE war 2009 aus dem Projekt ausgestiegen. Nun wollten die oppositionellen Sozialisten in Bulgarien den Weiterbau per Referendum erzwingen. Es war das ersten Referendum in Bulgarien seit der politischen Wende 1989.
Interessant ist das Ergenbis dennoch: Nach Umfragen waren 60 Prozent der abgegeben Stimmen für das Atomkraftwerk. Es ist auch nicht so, dass die Energieversorgung in der bulgarischen Öffentlichkeit keine Rolle spielen würde: Heftige Schneestürme hatten erst am Sonntag wieder dafür gesorgt, dass in einigen Orten der Strom ausgefallen war.
Der Bau des Atomkraftwerks Belene hatte bereits 1987 begonnen, wurde jedoch drei Jahre später wegen Geldmangel und nach Bürgerprotesten eingestellt. 2003 unternahm die bulgarische Regierung den Versuch, das Projekt wiederzubeleben. Das russische Staatsunternehmen Atomstroiexport sollte gemeinsam mit anderen Firmen den Reaktor bauen. Nach dem Ausstieg von RWE gelang es jedoch nicht, neue Investoren für das Projekt zu interessieren. Bislang gibt es in Bulgarien das Atomkraftwerk Kosloduj. Es bestand ursprünglich aus sieben Kraftwerksblöcken, davon sind noch zwei in Betrieb.
klimaretter.info/reni
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