Eon will Emissionshandel reparieren
Johannes Teyssen, Chef des Energiekonzerns Eon, hat die europäische und deutsche Energiepolitik scharf kritisiert. "Lassen Sie uns ehrlich sprechen. Das Emissionshandelssystem ist kaputt, es ist tot", sagte Teyssen am Dienstag auf einer von der EU-Kommission organisierten Konferenz zur EU-Energieroadmap 2050. Nach einem Bericht des Branchendienstes dowjones.de beklagte der Eon-Chef den Preisverfall. Die EU hatte bei Einführung des Europäischen Emissionshandels 2005 mit einem Preis von 30 Euro je Tonnen Kohlendioxid kalkuliert. Zuletzt hatte die Tonne zeitweilig weniger als sieben Euro gekostet.

Es gibt zu viele Zertifikate für das Klimagift Kohlendioxid (nicht im Bild), weshalb die Preise im Keller sind. (Foto: Reimer)
"Wir brauchen keine neue Regulierung", sagte Teyssen mit Blick auf die EU-Energieeffizienzrichtlinie weiter. Zuerst müssten die bestehenden Systeme - Förderung der erneuerbaren Energien, Emissionshandel und Investitionsanreize - "repariert" werden. Mit der EU-Effizienzrichtlinie sollten ursprünglich den Mitgliedstaaten von der Kommission verbindliche Energiesparziele und bindende Maßnahmen vorgegeben werden. Eon hatte wie viele andere Energiekonzerne jahrelang den Emissionshandel bekämpft, muss aber ab 2013 seine Zertifikate zu 100 Prozent ersteigern. Viele andere Industriebereiche genießen dagegen Ausnahmeregeln.
Der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments hatte im Dezember den Weg für eine künstliche Verknappung der Zertifikate frei gemacht. Die Zahl soll demnach 2012 um 1,4 Milliarden reduziert werden. Notwendig ist dafür eine Überarbeitung der Emissionshandelsrichtlinie 2003/87/EG. Der Ausschuss beschloss zudem eine schärfere Degression des sogenannten Deckels - im Emissions-Handels-Deutsch "Cap". Die Politik kürzt diesen erlaubten Deckel jährlich, das heißt sie verknappt die Zertifikate. Beschlossen ist allerdings noch nichts.
Die Einnahmen aus dem Emissionshandel sollen in den Energie- und Klimafonds fließen und unter anderem Maßnahmen zur energetischen Gebäudesanierung und Verbesserung der Energieeffizienz sowie Energiespeicher- und Netz-Technologien fördern. Weil aber wegen der derzeitigen Preislage weniger Geld in die Kassen kommt, wurden gerade in Deutschland die Mittel zur Gebäudesanierung zusammen gestrichen.
klimaretter.info/reni
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