Dänisches "Nein" zu CCS
Regierung lehnt Vattenfalls Antrag auf die umstrittene CCS-Technologie und die unterirdische Kohlendioxid-Verpressung ab. Begründung: Die Methode ist zu riskabel. Schwedens Staatskonzern wollte ab 2013 seine Anlage am Kraftwerk Nordjyllandsværket ursprünglich in Betrieb nehmen und jährlich rund 2 Millionen Tonnen Kohlendioxid verpressen.
Aus Stockholm Reinhard Wolff
Eine Blockade der so genannten CCS-Technik gibt es nicht nur in Deutschland. Die dänische Regierung hat nach Angaben von Klimaminister Martin Lidegaard einen Antrag des Energiekonzerns Vattenfall abgelehnt, Kohlendioxid in eine unterirdische Lagerstätte in Nordjylland zu pumpen. Man halte die Methode für zu riskabel und wolle erst einmal ausländische Erfahrungen über die Sicherheit dieser Lagermethode abwarten, erklärte Lidegaard gegenüber dem Klimaausschuss des dänischen Parlaments.

Mit dieser Behauptung hatten die Demonstranten in Cottbus diesen Sommer nur teilweise Recht: Auch in Dänemark plante Vattenfall Kohlendioxid zu vergraben. (Foto: Reimer)
Nachdem die vorherige Mitte-rechts-Regierung bereits im Frühjahr die Behandlung entsprechender CCS-Genehmigungsverfahren vorläufig stoppte, macht die neue dänische Mitte-links-Regierung mit der jetzigen Antragsablehnung damit Nägel mit Köpfen.
Als eines der ersten großformatigen CCS-Pilotprojekte innerhalb der EU geplant, sollte in der Anlage das "Post-Combustion-Verfahren" zur Anwendung kommen, das Vattenfall auch für sein deutsches Braunkohlekraftwerk Jänschwalde vorgesehen hat. Rauchgas des aalborger "Nordjyllandsværket" sollte abgeschieden und über eine 30 Kilometer lange Pipeline zu einem unterirdischen Speicher geleitet werden. Unter einer Fläche von 5.000 Hektar in von einer Lehmschicht überlagerten porösen Sandsteinschicht sollten dann in zwei Kilometer Tiefe jährlich rund 2 Millionen Tonnen Kohlendioxid verpresst werden. Im Endausbau sollten hier rund Hundert Millionen Tonnen Kohlendioxid lagern. Und eigentlich sollte diese Anlage schon 2013 ihren Betrieb aufnehmen.
Doch schon 2009 sah sich Vattenfall selbst gezwungen, die Realisierung dieses Projekts erst einmal auf die lange Bank zu schieben: Landwirte und andere Grundstückseigentümer hatten sich ganz einfach geweigert, ihr Land für geologische Untersuchungen betreten zu lassen. Dieser lokale Widerstand, der sich in einer "Nej til CO2-lagring" ("Nein zur CO2-Lagerung")-Bewegung organisierte, hatten dann auch im Parlament die Kritik an diesen Plänen quer durch alle Parteien wachsen lassen.

CCS-Protest auf dänisch - mit deutscher Unterstützung. (Foto: ve.dk)
In ihrem ambitiösen Klimaplan, den die Anfang Oktober angetretene neue Regierung gleich zusammen mit ihrer Regierungserklärung vorgelegt hatte, spielt nun die CCS-Technik für die Erreichung der dänischen Klimaziele überhaupt keine Rolle mehr. Statt das Fossilzeitalter damit künstlich zu verlängern, will Dänemark bis 2030 ganz auf Kohle und Gas für die Strom- und Fernwärmeproduktion verzichten. Damit dürfte auch die Hintertür verschlossen sein, die sich in Kopenhagen die Vorgängerregierung noch offengelassen hatte: Mögliche CO2-Lagerstätten unter dem Nordseeboden in geleerten Öl- und Gaskavernen.
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