Solaroffensive auf den Malediven
In neun Jahren sollen 60 Prozent des Stromverbrauchs aus Solarkraftwerken gedeckt werden: Wirtschaftsminister beziffert den Investitionsbedarf zwischen drei und fünf Milliarden US-Dollar. Nach Angaben des Umweltministers sind zudem drei Milliarden US-Dollar für Deiche und andere Uferbefestigungen notwendig.
Die Regierung der Malediven will die Solarkraft bis zum Jahr 2020 massiv ausbauen. In neun Jahren sollen 60 Prozent des Strombedarfs aus Photovoltaik gedeckt werden, heißt es in einem Beschluss des Wirtschaftsministeriums. Mithilfe dieses verbindlichen Vorsatzes will die Regierung bis zum Jahr 2020 die weltweit erste klimaneutrale Nation werden. Ergänzend sind der Auf- und Ausbau von Windenergie, Bioenergie und Speichermedien (Batterien) vorgesehen. Bestehende Dieselgeneratoren sollen als Back-up beibehalten werden.

Drastische Bildsprache: Um vor dem Absaufen der Malediven zu warnen, tagte das Kabinett 2009 unter Wasser. (Foto: Präsidentenamt der Malediven)
"Wir investieren in regenerative Energien, weil sie preisgünstiger und sauberer als fossile Brennstoffe sind", erklärte Wirtschaftsminister Mehmood Razee. Die Gesamtinvestitionen zur Umstellung des maledivischen Stromsektors sollen den Angaben zufolge zwischen drei und fünf Milliarden US-Dollar betragen.
Nach Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen dürfte die Stromerzeugung aus Photovoltaik auf vielen Inseln der Malediven bereits heute preisgünstiger sein als die Stromerzeugung durch Dieselgeneratoren. Die direkten Stromerzeugungskosten durch Photovoltaik betragen demnach 0,21 US-Dollar pro Kilowattstunde, während bestehende Dieselgeneratoren eine Kilowattstunde in einer Preisspanne zwischen 0,28 und 0,44 US-Dollar erzeugen.

Malediven: 1.196 Inseln, viele nur wenige Meter höher als der Meeresspiegel. (Foto: KingKurt22/Wikipedia)
"Wir sind entschlossen, unser Land nicht dem Meer zu überlassen. Wir wollen bleiben", hatte Mohamed Aslam, der Umweltminister der Inselrepublik Malediven, auf einer Fachkonferenz in der philippinischen Hauptstadt Manila im September erklärt. Thema: durch den Klimawandel erzwungene Migration. Ohne umfassende Präventivmaßnahmen müssten in seinem Land immer mehr Menschen von bewohnten Inseln evakuiert werden, weil das vordringende Meer deren Lebensgrundlage vernichte, warnte Aslam.
Auf etlichen Inseln wird bereits das Trinkwasser knapp, weil eindringendes Meerwasser das Grundwasser ungenießbar macht. Und mache Ackerpflanzen könnten auf den versalzenen Böden nicht mehr gedeihen, berichtete Aslam. Kaum eine der 1.196 Inseln Malediviens, von denen 220 bewohnt sind, liegt mehr als 120 Meter über dem Meer. "Wir haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten schon ganze Inselgemeinden umsiedeln müssen", berichtete Aslam. Das durch die zunehmende Erderwärmung schmelzende Polareis lässt den Meeresspiegel vor allem im Süden seit Jahren steigen.
Internationale Solidarität gefragt
Der Umweltminister des etwa 313.000 Menschen zählenden Inselparadieses im Indischen Ozean appellierte an die Solidarität der internationalen Gemeinschaft. Aus eigener Kraft könne sein Land die Mittel für den dringend benötigten Schutz seiner 600 Kilometer langen Küsten nicht aufbringen. Er veranschlagte die Kosten für Deiche und andere Uferbefestigungen auf drei Milliarden US-Dollar.

Liebt es, mit spektakulären Aktionen im Mittelpunkt zu stehen: Maledivens Präsident Mohamed Nasheed, hier bei der Montage von Solarpaneelen. (Foto: 350.org)
Die Malediven hatten eine Gruppe namens "Cartagena" gegründet, die ihren Kohlendioxid-Ausstoß deutlich senken, beziehungsweise bis 2025 klimaneutral werden wollen. In Reihen der Klimaschützer gilt Nasheed als Star - auch wegen manch spektakulärer Aktion, mit der er auf das Klimaproblem aufmerksam macht. 2009 zwängte sich Mohamed Nasheed, sein Vize Mohamed Waheed sowie die elf Minister beispielsweise in Taucheranzüge und hielten vor den Kameras der Weltpresse eine unterseeische Kabinettssitzung ab. Kritiker werfen dem Präsidenten allerdings vor, mit dem ungehemmten Ausbau der Tourismus-Industrie auf den Malediven den schönen Worten und Aktionen schlechte Taten folgen zu lassen.
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