Solarwirtschaft setzt auf Griechenland
Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) reiste nach Griechenland, mit der deutschen Solarindustrie im Schlepptau. Das Ziel: Mit Photovoltaik gegen die Pleite der Hellenen - und der deutschen Solarfirmen. Bis 2020 könnten die Griechen ein Drittel ihres Stroms aus Sonnenkraft decken, glaubt Solarworld-Chef Frank Asbeck. Wesentliche Details sind aber immer noch unklar.
Von Martin Reeh
Die "Troika" ist verstimmt. Vertreter des Internationalen Währungsfonds IWF, der Europäischen Zentralbank EZB und EU-Kommission prüfen derzeit die Anstrengungen für eine harte Austeritätspolitik in Griechenland. Vom Ergebnis der Prüfung machen die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone die Auszahlung der nächsten milliardenschweren Hilfsrate für Griechenland abhängig. Und wie gesagt: Der Troika gehen die Anstrengungen nicht weit genug. "Es ist offensichtlich, dass das Programm nicht aufgeht, wenn die Behörden nicht den Weg nehmen, der viel strengere Strukturreformen bedeutet als die, die wir bisher gesehen haben", sagte Poul Mathias Thomsen, der Leiter der Delegation des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Athen, der "Welt am Sonntag".

Immer Drama in Griechenland: Conergy-Solarpark in Drama. (Foto: Conergy)
Griechenland ist in der Krise, die deutsche Solarindustrie auch. Aus dieser gemeinsamen Ausgangs- und Interessenlage versuchen nun Griechen und Solarfirmen das sogenannte "Helios"-Projekt zu entwickeln: Griechenland soll bis 2020 nicht nur einen entscheidenden Tiel seines Strombedarfs durch Photovoltaik decken, sondern zusätzlich auch noch nach Deutschland exportieren. Am Freitag reiste Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) nach Athen, um die Pläne zu besprechen. Ebenfalls in der griechischen Hauptstadt: Solarworld-Chef Frank Asbeck.
Die deutsche Solarwirtschaft will fünf Prozent zu den 20 Milliarden Euro Kosten des griechischen "Helios"-Plans beisteuern. Bedingung für Investitionen der Solarbranche in Griechenland sei aber das Fließen von Fördermitteln der EU, sagte Asbeck in Athen. Die Grundstücke soll die griechische Regierung zur Verfügung stellen.
Asbeck hält es für möglich, binnen neun Jahren 10.000 Megawatt Solarstromleistung in Griechenland zu installieren. 2.500 Megawatt Sonnen-Kraftwerks-Leistung davon könnten ohne zusätzlichen Leitungsbau für die Stromversorgung anderer Länder über Italien und Mazedonien exportiert werden. In Griechenland selbst soll die Photovoltaik rund ein Drittel des Strombedarfs decken.
Derzeit sind lediglich 270 Megawatt Solarstromleistung im Land installiert. Zum Vergleich: Zum Stichtag 30. April 2010 waren in Deutschland 10.960 Megawatt Solarstromleistung installiert.
Dabei ist die Sonnenintensität in Griechenland deutlich größer als in unseren Breiten. Interessant also per se für Investoren: Eines der Projekte, dass derzeit entsteht, baut das krisengeschüttelte Hamburger Unternehmen Conergy. Westlich von Thessaloniki entsteht auf einer Fläche von 60.000 Quadratmetern eine Zwei-Megawatt-Anlage.
Die griechische Regierung gab zudem gerade 1,1 Milliarden Euro für eine Anlage in der Region Kozani frei. Ein dortiger Solarpark soll mit einer Leistung von 200 Megawatt installiert werden. Asbeck sagte, Solarworld könne sich auch vorstellen, vor Ort eine Modulfabrik aufzubauen. Im sächsischen Freiberg hatte der Konzern gerade eine ältere Fertigung stillgelegt.
Für die deutsche Photovoltaik-Industrie bedeutet das Griechenland-Projekt eine der derzeit letzten und zugleich neuen Gelegenheiten, im Mittelmeerraum Geld zu verdienen. Die Märkte in Spanien und auch Frankreich sind nach dortigen Solarkürzungen eingebrochen; das Desertec-Projekt in Nordafrika, das ebenfalls Strom nach Deutschland liefern soll, besteht aus solarthermischen Anlagen.

Papst und Solarpapst: Frank Asbeck (r.) n Rom. (Foto: Solarworld)
Eine Reihe von Punkten sind allerdings nach wie vor unklar - etwa, wie die eher spontan enstandene Griechenland-Solaridee ins Gesamtkonzept der deutschen Versorgung mit regenerativen Energien passt. Möglicherweise geht das Griechenland-Konzept mit einer Kürzung der Solarförderung in Deutschland einher - in diese Richtung argumentierte in dieser Woche jedenfalls Bundeskanzlerin Angela Merkel auf einer CDU-Regionaltagung.
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