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Yasuní: Ecuadors Botschafter setzt auf die Zivilgesellschaft

Um Deutschland doch noch zur Unterstützung der "Dschungel-statt-Öl"-Initiative zu bewegen, wendet sich Ecuadors Botschafter nun an die deutsche Öffentlichkeit. Motto: "Erschaffe eine neue Welt!"

Von Verena Kern

"Nimm Einfluss! Zeige deinem Abgeordneten den Weg!" Mit Botschaften wie dieser will Jorge Jurado nun die deutsche Zivilgesellschaft mobilisieren. "Man muss noch viel globaler rangehen", sagte der ecuadorianische Botschafter bei einem Pressetermin am Freitag in Berlin, "man muss in die Bevölkerung reingehen." Dann könne es doch noch gelingen, dass bis zum Jahresende die 100 Millionen Dollar zusammenkommen, die nötig sind, um die Yasuní-ITT-Initiative Ecuadors zu retten. Bislang sollen rund 50 Millionen Dollar in dem von der UN eingerichteten Treuhandfonds eingegangen sein.


"Eine Initiative, um die Welt zu verändern": Motiv aus der Kampagne Ecuadors für das Dschungel-statt-Öl-Projekt. (Foto: yasuni-itt.de)

"Viele Länder warten auf Deutschland",  ist Jurado überzeugt. Durch die Weigerung von Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP), dem einstimmigen Bundestagsbeschluss von 2008 zu folgen und in den Fonds einzuzahlen, sei die Initiative in einen "Engpass" gekommen. Dem will man nun mit neuen Methoden begegnen - mit Gesprächsrunden, Flyern ("Die größte Herausforderung für die Zukunft wird sein: Etwas nicht zu tun, obwohl man es könnte"), Facebook, Twitter und einer eigens eingerichteten deutschsprachigen Webseite, die die bisherige spanischsprachige Seite ergänzt. 

Offenbar schätzt Ecuador die Chancen für einen Erfolg der Initiative optimistisch ein. Jurado kündigte an, dass sich Präsident Rafael Correa auf der UN-Konferenz für nachhaltige Entwicklung Rio plus 20 im Juni 2012 erneut für die Initiative stark machen werde. "Das gibt uns mehr Zeit", sagte der Botschafter. Und: "Ich glaube, der Präsident ist bereit, noch zu warten."


Der Yasuni Nationalpark liegt am Oberlauf des Napo, eines Amazonaszuflusses. (Foto: yasuni-itt.gob.ec)

Weitere Argumente für die herausragende Bedeutung der Yasuní-ITT-Initiative lieferte die als Expertin geladene Wissenschaftlerin Doreen Montag, die sich mit der Ausbreitung von Infektionskrankheiten im Amazonasgebiet infolge von Umweltzerstörung beschäftigt. Durch die Ölförderung der vergangenen 40 Jahre seien dort 14 neue Krebsarten entstanden. Die Zerstörung von Biodiversität sorge dafür, so Montag, dass bekannte Infektionskrankheiten zunehmen und neue entstehen würden. Yasuní sei deshalb ein "exemplarisches" Projekt und stehe "repräsentativ für ganz Amazonien". Biodiversität zu erhalten sie erforderlich für die Gesundheit aller. 

Auch Privatpersonen können für die Initiative spenden. Informationen über den UNDP Multi Donor Trust Fund gibt es hier.

[Erklärung]  
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