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"Klimaschutz ist für Linke nur ein Randthema"


Katrin Lompscher (Die Linke), Jahrgang 62, ist seit 2006 Gesundheits- und Umwelt-Senatorin in Berlin.

1980 trat Lompscher in die SED ein, von 1996 bis 2000 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin der PDS-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus,  danach Bezirksstadträtin für Stadtentwicklung im Bezirksamt Berlin-Lichtenberg.


klimaretter.info: Frau Senatorin, Klimaschutz kostet zuerst Geld, bevor er sich rechnet. Wer muss bezahlen?

Katrin Lompscher: Die Erderwärmung ist ein kollektives Problem, also müssen sich alle beteiligen. Entscheidend aber ist, dass die Lasten fair auf alle gesellschaftlichen Gruppen verteilt werden.

Wir fragen das, weil Ihr ambitioniertes Klimaschutz-Gesetz für Berlin genau an dieser Kostenfrage gescheitert ist. Was ist schief gelaufen?

Das Klimaschutz-Gesetz ist an vielen Hürden gescheitert. Beispielsweise wurde unserem Entwurf ein sogenanntes Stufenmodell entgegengesetzt: Gebt uns - der Wirtschaft - Reduktions-Ziele vor und überlasst uns, wie wir das schaffen. Das Argument: Die Wirtschaft weiß am Besten, wie die Ziele zu erreichen sind.

Was spricht denn dagegen?

Wer verpflichtet ist, ein Ziel zu erreichen, der braucht einen Hinweis, wie er dieses erreichen kann. Vorgaben und Wegweiser sind für den Klimaschutz wichtig. In Berlin wurde behauptet, dass solche Vorgaben bürokratisch sind und dem Klimaschutz eher schaden als nützen. Das hat unseren Plänen für ein Klimaschutzgesetz deutlich das Wasser abgegraben.

Um den Sitz in diesem Rathaus geht es: Berlin wählt am 18. September. (Foto: BennyJ/wikipedia)

Gescheitert ist Ihr Gesetzesvorhaben auch am Druck der Mieterlobby, die gegen die Mehrkosten durch die energetische Gebäudesanierung Front machte. Genau hier aber ist das Klimaschutz-Potential am größten. Sie sagen: Alle müssen sich an den Kosten beteiligen. Wie kann man die Mieter in den Klimaschutz einbinden?

Indem man dafür sorgt, dass sie in Zukunft nicht durch zusätzliche Kosten überfordert werden. Das ist eine anspruchsvolle Aufgabe: Die energetische Sanierung muss warmmietenneutral gestaltet werden. Das bedeutet: Die Mieterhöhung nach der Sanierung darf nicht höher ausfallen als der Mieter bei den Heizkosten einspart. Es gibt bei uns in Berlin einige gute Beispiele, die zeigen, wie das gelingen kann.

Beispiele, die oft vom Senat oder von Banken bezuschusst wurden. Was tun, wenn eine warmmietenneutrale Sanierung nicht möglich ist?

Wenn wir das enorme Klimaschutz-Potential im Gebäudesektor heben wollen, muss die Politik garantieren, dass wirklich nur Kosten auf den Mieter zukommen, die er später durch weniger Heizkosten wieder einspart. Alle anderen Sanierungsmaßnahmen soll der Vermieter gefälligst über die normalen Spielräume für gesetzlich erlaubte Mieterhöhungen umlegen. Die Lücke, die dann noch bleibt, müssen staatliche Förderprogramme schließen.

Das stellen sich die Parteistrategen so vor: Für 2,50 € (zuzüglich 5,50 EUR Versandkosten je Bestellung) kann man dieses Sitzkissen aus PE-Schaum käuflich erwerben. (Bezugs- und Fotoquelle: Die Linke)

Diese Förderprogramme hat die schwarz-gelbe Bundesregierung zuletzt aber immer weiter zusammengestrichen.

Genau deshalb kommen wir bei der energetischen Gebäudesanierung ja auch nicht vom Fleck. Die Sanierungsrate ist zuletzt sogar gesunken. Schwarz-gelb hat zudem angekündigt, noch mehr Sanierungskosten auf den Mieter umlegen zu wollen. So gewinnen wir die Mieter sicher nicht für den Klimaschutz. Das ist Gift für die öffentliche Debatte um sozialverträglichen Klimaschutz.

Die Bundesregierung hat ein Gesetz zur steuerlichen Absetzbarkeit energetischer Sanierungsmaßnahmen auf den Weg gebracht. Das ist aber am Widerstand der Länder - auch Berlins - gescheitert. Was haben Sie gegen die steuerliche Absetzbarkeit?

Im Grunde ist die Idee gar nicht so schlecht. Was aber nicht geht, ist, dass der Bund sich seine Politik von den Ländern finanzieren lässt. Merkels Kabinett ist nicht bereit, Kompensation für die Steuerausfälle der Länder zu leisten. Das zeigt ein Grundproblem der schwarz-gelben Klimaschutzpolitik: energieintensive Konzerne werden mit Milliarden zur Energiewende begleitet, der einfache Mensch auf der Straße soll dagegen zahlen. Ein solche Politik ist einfach lachhaft.

Ihre Partei ist bei der Energie- und Klimapolitik auch nicht viel ernsthafter. In Brandenburg zum Beispiel hat sich Die Linke vor der Wahl dafür eingesetzt, die CCS-Technologie zu verbieten, um dann nach der Wahl genau das Gegenteil zu machen. Wieso ist Umweltpolitik in der Linken ein so verlorenes Thema?

Die soziale Frage kann ohne die ökologische Frage nicht gelöst werden - das ist leider bisher nur von einigen erkannt worden. Klimaschutz ist für die traditionelle Linke derzeit nur ein Randthema, das irgendwo neben den großen Themen Verteilungsgerechtigkeit und Eurokrise steht. Linken Umweltpolitikern wie mir fällt es deshalb zu, den Zusammenhang zwischen Verteilungsgerechtigkeit und Umweltpolitik in der Partei herzustellen.

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Wahlplakat im Wahlkreis Beeskow - vor der Landtagswahl im September 2009: Nach der Wahl ignorierte die Linkspartei konsequent ihr Wahlversprechen. (Foto: Reimer)

In Berlin sind Sie stellvertretende Landesvorsitzende und die Umfragen sehen Die Linke als klaren Wahlverlierer. Wenn es aber doch reicht, stehen Sie dann auch einem kommenden Senat als Umweltsenatorin zur Verfügung?

Wenn Die Linke ein gutes Ergebnis erreicht und ich wieder gefragt werde, auf jeden Fall.

Werden Sie dann das gescheiterte Klimaschutzgesetz wieder auf Ihre Agenda setzen?

Klimaschutz wird auf jeden Fall auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Ob allerdings das Klimaschutzgesetz in einen möglichen Koalitionsvertrag mit der SPD wieder aufgenommen würde, ist noch offen.

Falls das Berliner Klimaschutzgesetz mit Ihnen wiederbelebt werden soll: Was würden Sie anders machen?

Beim privaten Gebäude-Sektor würde ich keinen Alleingang mehr versuchen. Berlin ist keine Insel, wir brauchen eine Sanierungslösung, die für ganz Deutschland gilt. 

Frau Lompscher, wir danken für das Interview.

Interview: Eva Mahnke und Nick Reimer

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