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Japan am Atombehörden-Pranger

Die Welt nach Fukushima: In einer Serie beleuchtet klimaretter.info, welche Auswirkungen das Reaktorunglück auf die Atompolitik weltweit hat. Heute (Teil 14): Die Internationale Atomenergiebehörde. An ihrem Sitz in Wien kommen heute hochrangige Vertreter aus aller Welt zusammen, um ihre Lehren aus der Katastrophe zu ziehen. Ziel wird dabei sein, einen weltweit gültigen Sicherheitsstandard für die Atomkraftwerke zu formulieren.

Von Nick Reimer

Bisher ist atomare Sicherheit Sache der einzelnen Länder. Das könnte sich nun ändern: Am Sitz der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) wird heute in Wien ein Bericht unter Fachleuten diskutiert, der Japan schwere Vorwürfe macht. Nach diesem sei das Land fahrlässig mit den Sicherheitsstandards umgegangen. Zudem habe Japan nach der Kernschmelze im Atomkraftwerk Fukushima viel zu spät internationale Hilfe angefordert, so der Vorwurf der IAEA.


Offiziell geht es am Sitz der Internationalen Atomenergiebehörde auf der fünftägigen Sicherheitskonferenz natürlich hochdiplomatisch zu, aber es dürfte hinter verschlossenen Türen auch laute Kritik geben. (Foto: Schulze von Glaßer)

Erstellt hatte den Bericht ein 18-köpfiges Expertenteam, dass im Mai eine Woche lang die Sicherheitsmaßnahmen und das Krisenmanagement vor Ort untersucht hatte. Ausdrücklich lobte die Kommission die "Hingabe der japanischen Arbeiter, die daran arbeiten, diesen beispiellosen Atomunfall zu überwinden". Aber solche Elogen konnten nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Atomkraftfans sauer über den Schaden sind, den Fukushima über ihre Branche gebracht hat. 

Ganz offensichtlich hätten die Verantwortlichen bei der Nutzung der Atomkraft die Tsunami-Gefahr unterschätzt, heißt es in einem Bericht, der am 1. Juni der japanischen Regierung in Tokio überreicht worden war. Das atomare Regulierungssystem müsse strukturell unangreifbar sein, schreibt die IAEA. "Zum Schutz gegen die Risiken aller Naturgefahren ist es notwendig, in regelmäßigen Abständen Bewertungsverfahren und -methoden zu aktualisieren".

Die Regierung habe es versäumt, die Umsetzung von 2002 beschlossenen Sicherheits-Maßnahmen, die international gelten sollen, zu kontrollieren und sicherzustellen, so ein weiterer Vorwurf. Schließlich: Unabhängige Informationen seien lange nicht zu erhalten gewesen, weder die Internationale Atomenergiebehörde noch andere Länder hätten direkten Einblick bekommen. Sie waren - so der Vorwurf - auf die Informationspolitik in Japan angewiesen, und die ließ oft zu wünschen übrig.

Zum Beispiel musste die japanische Atomaufsichtsbehörde NISA Anfang Juni ihre eigenen Angaben drastisch korrigieren: Nach den neuesten Erkenntnissen seien 770.000 Terabecquerel Radioaktivität beim GAU freigesetzt worden, doppelt so viel wie bis dato angegeben. Greenpeace hatte über solche Mengen bereits gemutmaßt. Wäre die Zahl aber vor ein paar Monaten veröffentlich worden, dann hätte es einen weltweiten Aufschrei gegeben.


Eine der wenigen Informationen, die nicht von Betreiber Tepco oder Japans Regierung selbst kam: Diese Aufnahme von Fukushima schoss die U.S. Navy am 12. März, also wenige Stunden nach dem Tsunami. (Foto: U.S. Navy photo)

All das soll nun in Wien auf den Tisch und "schonungslos" geklärt werden. Allerdings glaubte schon im Vorfeld kein politischer Beobachter ernsthaft, dass sich am Ende der Tagung am Freitag etwas an den bisherigen Standards geändert hat, die in Krisensituationen angewandt werden sollen. Die Welt hat sich weiter gedreht und nun steht eben die Rettung Griechenlands und des Euros auf der Tagesordnung.

Die Welt nach Fukushima - bislang erschien in unserer Serie:

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Finnland, das Japan des Nordens
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Schwedens AKW sind keine Japaner
- aus Stockholm Reinhard Wolff

Stars und Stripes und die Atomkraft
- aus Washington Arne Jungjohann
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Frankreichs Atomgegner wittern ihre Chance
- aus Paris Susanne Götze

100.000 halten Mahnwache
- aus Berlin Nick Reimer


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