Auch in Durban noch kein Abkommen
Der Chef-Klimabeauftragte der USA Todd Stern erteilt großen Erfolgen auf dem nächsten Weltklimagipfel eine Absage. Major Economies Forum in Brüssel dämpft Erwartungen an die COP17 in Südafrika.
Von Sarah Messina
Auf dem nächsten Weltklimagipfel in Durban wird nach Ansicht der größten Treibhausgas-Emittenten der Welt kein bindendes neues Klimaabkommen verabschiedet. EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard äußerte sich am Mittwochabend nach dem Major Economies Forum in Brüssel skeptisch über einen großen Erfolg auf der COP17 in Südafrika. Auch der Chef-Klimabeauftragte der USA Todd Stern sagte, die Ländern seien noch nicht bereit für ein Abkommen. "Ich glaube nicht, dass noch irgendjemand damit rechnet, dass wir in Durban zu einer umfassenden und rechtlich bindenden Vereinbarung kommen", gibt die New York Times Stern wieder.

Nach Kopenhagen waren Erfolge bitter nötig: Auf der Klimakonferenz in Cancún einigte sich die Staatengemeinschaft auf Einzelheiten und ließ das Große Ganze zunächst links liegen. (Foto: UNFCCC)
Ende 2012 läuft die erste Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls aus. Darin hatten sich die hauptsächlich für den anthropogenen Klimawandel verantwortlichen Industrieländer zu konkreten Treibhausgas-Reduktionszielen verpflichtet. Entwicklungs- und Schwellenländer sind davon befreit, um das nötige Wachstum nicht zu behindern. Auf ein neues internationales Klimaabkommen wollte sich die Weltgemeinschaft eigentlich schon Ende 2007 in Kopenhagen einigen - die Konferenz endete jedoch in erster Linie mit unverbindlichen Willensbekundungen, die Erderwärmung bis Ende des Jahrhunderterts auf maximal zwei Grad zu begrenzen, und arme Länder sowohl kurz- als auch mittelfristig finanziell zu unterstützen.
Aufbau des Green Climate Fund beginnt
Auf dem letzten Klimagipfel im mexikanischen Cancún waren sich die UN-Staaten zumindest in einzelnen Beschlüssen einig, etwa bei der Einrichtung eines "Green Climate Fund" zur Unterstützung der armen Länder bei Klimaschutz und Anpassung: Ab 2020 sollen sowohl aus öffentlichen als auch aus privaten Quellen jährlich 100 Milliarden US-Dollar zusammenkommen. Auf ein "Transitional Committee" zum Aufbau des Fonds hatte man sich erst kürzlich geeinigt, ein erstes Treffen ist für diese Woche angesetzt. Die großen Streitthemen, wie die bislang unzureichenden Reduktionsangebote der Industrieländer, waren damit jedoch auf den folgenden Klimagipfel im Dezember 2011 in Durban verschoben worden.

Klimapolitik ohne Rückhalt: Erst kürzlich wollten die oppositionellen US-Republikaner im Streit um Barack Obamas Haushalt auch das Gehalt von Todd Stern einstampfen.
Die USA haben das Kyoto-Protokoll nie zur Ratifizierung bringen können und dürften mit der Umsetzung eines verbindlichen Klimaabkommens nach dem Scheitern des heftig umkämpften US-Klimagesetzes ohnehin ihre Schwierigkeiten haben. Für die USA sei Verbindlichkeit "derzeit nicht das Wichtigste", sagte Stern dementsprechend auch in Brüssel. In einem Folgeabkommen des Kyoto-Protokolls wollen die USA zudem große Schwellenländer und Emittenten wie China, Indien, Brasilien, Russland oder Südafrika zu Emissionsreduktionen verpflichtet sehen, die sich bislang nur auf freiwilliger Basis auf Reduktionsziele festlegen wollen. EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard sagte, unter den Ländern gebe es zwar Konsens über die Notwendigkeit eines bindenden neuen Klimaabkommens. Dieses bereits in Durban zu erreichen sei jedoch "sehr unwahrscheinlich".
Die MEF verursachen 80 Prozent der weltweiten Treibhausemissionen
Am Major Economies Forum (MEF) vom 26. bis 27. April hatte auch Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) teilgenommen, und sich für ein "Abkommen, das für alle großen Emittenten verbindliche Ziele und Maßnahmen enthält" ausgesprochen. Das MEF der 17 größten Volkswirtschaften der Welt wurde 2007 von der damaligen US-Administration als Major Economies Meetin (MEM) im Vorfeld der Weltklimakonferenz von Bali initiiert. Die Teilnehmerländer Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada, Russland, USA (G8), Brasilien, China, Indien, Mexiko, Südafrika (Basic-Staaten) sowie Australien, Indonesien und Korea sind für rund 80 Prozent des globalen Treibhausgas-Ausstoßes verantwortlich.
Guter Journalismus kostet
Sie können die Texte auf klimaretter.info kostenlos lesen. Erstellt werden sie jedoch von bezahlten Redakteuren. Unterstützen Sie den Klimaretter-Förderverein
Klimawissen e. V. einmalig durch eine Spende oder dauerhaft mit einer Fördermitgliedschaft.
Spendenkonto
Die Schlagzeilen um 08 Uhr
In dieser Woche am meisten gelesen
Meinungen: Rezension
Die Übermacht der fossilen Industrie In Bonn wird auf der UN-Frühjahrstagung gerade wieder über das Klima verhandelt. Ein umweltverträglicher Kapitalismus ist jedoch nicht abzusehen. Aber auch die Kritiker tun sich schwer - ihnen fehlen die Alternativen. Eine Rezension von Felix Werdermann [mehr...]
Meinungen: Standpunkte
"Altmaier muss die Energiewende retten" Nun ist es amtlich: Der Bundespräsident hat Norbert Röttgen (CDU) entlassen und Peter Altmaier (CDU) seine Ernennungsurkunde zum Umweltminister überreicht. Dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nun einen ihrer engsten Vertrauten für das Projekt Energiewende ins Rennen schickt, ist wichtig für die Kontiunität der Energiewende und für das Kräftespiel zwischen Wirtschafts- und Umweltministerium, findet klimaretter.info-Herausgeber Gero Lücking. [mehr...]
Jahrestag
Das Fukushima-Dossier
11. März 2011: Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, fast 20.000 Menschen sterben. Die Atomanlagen havarieren, ein politischer Tsunami folgt. Kanzlerin Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Welt diskutiert die Atomkraft. Zum Jahrestag präsentiert klimaretter.info jenes Dossier, das damals im Nachrichtendschungel Orientierung gab. [mehr]
Aktion des Monats Das Netzwerk Friends of the Earth hat eine Europäische Bürgerinitiative für den EU-weiten Atomausstieg gestartet. BUND-Hubert Weiger, einer der Initiatoren sagt, mit der Volksinitiative habe man "jetzt endlich eine greifbare Möglichkeit, den Weg in eine sichere und saubere Energiezukunft zu ebnen". Nutzen wir sie! [mehr] | Zu Ihrem Vorteil Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann müssen Sie uns helfen! Unabhängiger Journalismus kostet Geld, und wenn RWE, Vattenfall, die CDU oder die Netzbetreiber nicht dafür zahlen, dann doch wohl Sie! Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...] |
Klimaretter-Jobbörse
Die Pioniere der Energiewende
Ein Elektroingenieur für den Bereich Netzanschluss gesucht? Einen Sicherheitsexperten für die Windkraft? Eine Klimaberaterin für die Verbraucherzentrale in Mainz? Auf der klimaretter.info Jobbörse werden viele spannende Jobs zur Energiewende angeboten. [mehr]
Lexikon Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr] | Klimaretter-Beichtstuhl Na, doch wieder einmal schwach geworden? Doch wieder eine unnötige Strecke mit dem Auto gefahren? Doch wieder ins Flugzeug gestiegen? Fehler zu (be)kennen, ist der erste Schritt zur Besserung: Erzählen Sie einfach sich, was Sie bereuen. Und warum. Sie werden sehen: Das erleichtert! Nutzen Sie einfach unseren "klimaretter.info-Beichtstuhl". [mehr...] |
Deutsche Stahlwirtschaft: Pure Panikmache
DB mobil, die Kundenzeitschrift der Bahn, ist eine honorige Publikation. Erstens beträgt ihre Auflage mehr als 500.000 Stück, nur wenige Magazine bewegen sich in diesen Größenordnungen. Zweitens ist die Zeitschrift gut gemacht. Im Maiheft geht es beispielsweise um Elektromobilität, die[…] [mehr...]Mehr vom Lügendetektor
Klimaretter-Dossiers
Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs
Klimakonferenz-Specials
Durban Dezember 2011 - COP17 in Südafrika
Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13
Facebook Empfehlungen
klimaretter.info auf Twitter
klimaretter.info Newsfeed





Halbzeit auf der Klimakonferenz: In Panama-Stadt findet derzeit das letzte Vorbereitungstreffen für die Klimakonferenz im südafrikanischen Durban statt. Neben vielen technischen Fragen zu Klimafinanzierung, Klimaanpassung und Kontrolle des weltweiten Kohlendioxidausstoßes geht es vor allem darum, ob das Kyoto-Protokoll noch zu retten ist.
In Luxemburg entscheiden die Umweltminister der 27 EU-Länder: Vor dem Klimagipfel in Mexiko ist in Sachen EU-Klimaziel nichts Neues zu entscheiden. Erst nach Cancún steht "die Option" einer ambitionierteren Zielmarke wieder auf der Europa-Agenda.
Bundeskabinett beschließt Bewerbung für Green Climate Fund. Außerdem: Haushaltsausschuss gibt Mittel für die CO2-Gebäudesanierungsprogramme frei
Umsetzung eines Cancún-Beschlusses: Komitee für Gründung des Fonds eingeleitet
Der Bundesumweltminister plädiert für "viel Geduld" und "klare, aber auch erreichbare Ziele" beim internationalen Klimaschutz
Zu Beginn des Ministersegments ist die Stimmung in Cancún gut - daran kann auch Wikileaks nichts ändern. Röttgen und seine Ministerkollegen treten zum Reden-Marathon an. Aus Cancún Nick Reimer und Christian Mihatsch
Jetzt geht er wieder los, der Hype um die jährliche Klimakonferenz. Diesmal in Durban, Südafrika. Herausgekommen ist in den vorangegangenen 16 Konferenzen enttäuschend wenig. Damit sich das ändert, muss die EU aufhören, der Junkie Amerikas zu sein.
Der Erfolg von Durban steht und fällt mit der Frage, ob es Geld für Anpassungsmaßnahmen in Entwicklungsländern gibt. Die Erkenntnis ist so alt wie das Kyoto-Protokoll, mit dem zeitgleich die Schaffung des Anpassungsfonds beschlossen wurde. Allerdings dauerte es 13 lange Jahre, bis dieser das erste Küstenschutzprojekt finanzieren konnte. Ein Lehrstück über die Zähigkeit von Klimaverhandlungen. Teil 5 unseres Durban-Countdowns.
Noch 8 Tage bis Cancún: "Das programmierte Scheitern ist ein Strukturelement derzeitiger Klimadiplomatie", sagt Nick Reimer, Chefredakteur von klimaretter.info in der Debatte 'Wozu brauchen wir noch Klimakonferenzen?'
Mit dem Eintreffen der Umweltminister beginnt in Mexiko die zweite und entscheidende Verhandlungswoche: Der große Wurf wird in Mexiko kaum gelingen, sagt Christoph Bals von Germanwatch: Die EU habe jedoch aus ihrem "Tunnelblick" in Kopenhagen gelernt. Interview: Christian Mihatsch
Der deutschen Solarbranche geht es nicht gut, viele Firmen stehen vor der Pleite oder - im noch besten Fall - vor einer chinesischen Übernahme. "Ab jetzt wird geliefert", hatte Parteichef Philipp Rösler nach seiner Wahl im Mai versprochen. Vor dem traditionellen Dreikönigstreffen der FDP am 6. Januar fordert ihr umweltpolitischer Sprecher Michael Kauch nun eine weitere Kürzung der Fördersätze. Warum? Ein Interview über Anreize, Akzeptanzprobleme und die EEG-Tarife.
Am Vortag des 16. Weltklimagipfels warnen Wissenschaftler vor weiteren Blockaden. Der deutsche Umweltminister hingegen glaubt an Fortschritte
Am Rhein beginnt heute die Frühjahrstagung der UN-Klimadiplomatie. Eigentlich ein Routinetermin, aber dieses Jahr ist alles anders. Nach dem Scheitern von Kopenhagen hat die Tagung erstmals nicht mehr das offizielle Ziel, zu einem Abkommen zu finden.
"Schlüsselthemen", so die inhaltsarme Sprachregelung, stehen auf dem Programm des am Sonntag beginnenden "Petersberger Klimadialog". Deutschland und Mexiko haben dazu 45 Umweltminister aus aller Welt nach Bonn eingeladen. Kann der neue Anlauf für ein Weltklimaabkommen gelingen? Die größten Kritiker des bisherigen Prozesses jedenfalls sind nicht eingeladen.
USA-China-Dialog: US-Außenministerin Hillary Clinton hat das Reich der Mitte aufgefordert, den entscheidenden Weltklimagipfel in Südafrika Ende dieses Jahres nicht scheitern zu lassen. Auch die Vorleistungen der USA sind jedoch ausgesprochen dünn. 


