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Deutschland hält sich auf Kyoto-Linie

2010 wurden in Deutschland wieder 4,3 Prozent mehr Treibhausgase als noch im Vorjahr emittiert: Mit der Erholung der Wirtschaft stiegen auch die CO2-Emissionen.

Von Sarah Messina

Deutschland hat 2010 rund 960 Millionen Tonnen Treibhausgase emittiert. Damit ist der Ausstoß von Klimagasen gegenüber dem Vorjahr wieder um 4,3 Prozent gestiegen. Verantwortlich für diesen Anstieg sind nach Ansicht des Umweltbundesamts zum einen der kalte Winter, vor allem aber die konjunkturelle Erholung der Wirtschaft. Das Klimaschutzziel unter dem Kyoto-Protokoll wurde 2010 dennoch erfüllt, geht aus dem jährlichen Forschrittsbericht des Amts hervor.

Einmal im Jahr zieht Deutschland für die Vereinten Nationen Bilanz über seine Treibhausgas-Emissionen. Im Rahmen des Kyoto-Protokolls hat sich Deutschland verpflichtet, seinen Ausstoß von Kohlendioxid, Methan, Lachgas und fluorierten Klimagasen bis 2012 um 21 Prozent unter den Stand von 1990 zu drücken. Ein Großteil dieser "Leistung" kam schon mit dem Zusammenbruch der Industrie nach der Wiedervereinigung zustande. Erstmals geknackt wurde die Kyoto-Marke bereits 2007.

Kohlendioxid mit dem Wirtschaftsaufschwung wieder auf Wachstumskurs

Auch 2010 ist Deutschland unter der Zielmarke des Kyoto-Protokolls geblieben: Gegenüber 1990 sanken die Emissionen dem UBA zufolge um insgesamt 23,1 Prozent. Durch den Ausbau der erneuerbaren Energien konnten demnach im vergangenen Jahr neun Millionen Tonnen Kohlendioxid gegenüber 2009 eingespart werden. Dennoch lagen die Treibhausgas-Emissionen 2010 wieder rund 40 Millionen Tonnen über dem Vorjahresniveau.

Hauptverursacher für den Anstieg der Emissionen ist der höhere Verbrauch fossiler Brennstoffe: Rund 831,5 Millionen Tonnen der 2010 insgesamt emittierten Treibhausgas-Emissionen gingen auf das Konto des dabei entstehenden Kohlendioxids. Die Wirtschaft ist wieder auf Wachstumskurs, entsprechend wurde auch für die Stromerzeugung wieder mehr Braun- und Steinkohle oder Erdgas eingesetzt, die Stahlproduktion - eine der energieintensivsten Industrien überhaupt - verzeichnete 2010 etwa ein Wachstum von 34 Prozent.

Auch durch den erhöhten Verbrauch von Heizwärme durch die kühlere Witterung stieg im vergangenen Jahr der Einsatz fossiler Brennstoffe wieder an. Der Mineralölabsatz nahm zu; in Industrie, Gewerbe, Handel- und Dienstleistungsbereich, aber auch Privathaushalten. Im Verkehrssektor hielt das UBA etwa durch den wachsenden Güterverkehr leicht steigende Emissionen fest. 

Methan- und Lachgas-Emissionen rückläufig

Rückgängig sind im Gegensatz zum Kohlendioxid-Ausstoß jedoch Methan- und Lachgas-Emissionen. Die Klimagase entstehen vor allem im Agrar- und Abfallbereich und sind um ein Vielfaches klimawirksamer als Kohlendioxid, dafür aber kurzlebiger. Die Abnahme von 1,1 Prozent bei den Methan-Emissionen führt das Umweltbundesamt für Minderungsmaßnahmen in der Abfallbehandlung und durch abnehmende Rinderbestände in der Landwirtschaft zurück. Ein Rückgang von 3,9 Prozent beim Lachgas-Ausstoß wird mit Verbesserungen in der Abgasreinigung der chemischen Industrie begründet – hier kam es 2010 trotz gestiegener Produktion zu deutlich niedrigeren Emissionen. Insgesamt kamen Methan und Lachgas 2010 auf 112,6 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente.

Mit 15,9 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalenten schlugen die so genannten fluorierten Klimagase zu Buche. Bei FKW verzeichnete das UBA einen leichten Rückgang um 0,5 Prozent. Durch den verstärkten Einatz bei Kühl- und Klimaanlagen stiegen dagegen HFKW-Emissionen um 1,3 Prozent an. Der Ausstoß von vor allem in altem Isolier- und Schutzglas verwendeten Schwefelhexafluorid stieg um 6,7 Prozent.

Mehr Zahlen und Daten zum deutschen Treibhausgas-Ausstoß finden Sie in der 700-seitigen "Berichterstattung unter der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen und dem Kyoto-Protokoll 2011 - Nationaler Inventarbericht zum Deutschen Treibhausgasinventar 1990-2009".
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