Bundesministerien ohne Ökostrom
Deutschland wird bislang kaum bis gar nicht mit erneuerbaren Energien regiert. Von den Ministerien plant nur das Umweltministerium bis zum Sommer den kompletten Umstieg auf Ökostrom.
Von Johanna Treblin
Vorbildlich ist das nicht gerade: Keines der Bundesministerien bezieht bislang zu 100 Prozent Ökostrom. Das hat das Bundesumweltministerium in Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen Bundestagsfraktion mitgeteilt, die klimaretter.info vorliegt. Auch das Kanzleramt setzt weiterhin vorwiegend auf fossile Energien und Atomstrom.

Spiegelt sich zwar schön im Photovoltaik-Dach, ist aber nur im Hintergrund zu sehen und nutzt selbst keinen Solarstrom: Das Kanzleramt der Angela Merkel (CDU). (Fotos: Paul Langrock)
Einzig die Bonner Standorte des Verteidungs- und des Umweltministeriums und der Berliner Standort des Verkehrsministeriums versorgen sich zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien, geht aus der Antwort des Umweltministeriums hervor. Die übrigen Ministerien und Standorte nutzen – wenn überhaupt – Ökostrom nur anteilig. Das Umweltministerium bezieht bisher in Bonn Strom von Ökostrom-Anbieter Lichtblick und will bis zum Sommer auch in Berlin auf 100 Prozent Erneuerbare umsteigen. Auch der Bundestag bezieht Strom vom Lichtblick. Einige Bundeseinrichtungen, darunter das Bundespresseamt, haben eigene Solaranlagen auf dem Dach.
50 Prozent Reduktion bis 2020 sind geplant
Bis 2020 will die Bundesregierung den Treibhausgasausstoß ihrer Liegenschaften – also aller Gebäude im Besitz des Bundes – um die Hälfte reduzieren. Bis 2007 - aktuellere Daten liegen nicht vor - will die Bundesregierung bereits eine Einsparung von 42 Prozent gegenüber 1990 geschafft haben: Der Antwort zufolge wurden die Emissionen der zivilen Liegenschaften zwar um ganze null Tonnen gesenkt und lagen damit 2007 bei 1,85 Millionen Tonnen. Die Emissionen im zivilen Bereich nahmen unter anderem durch den Zukauf neuer Gebäude sogar um 13 Prozent zu.
Die militärischen Liegenschaften konnten dagegen eine Reduktion von 4,03 Millionen Tonnen erreichen und lagen 2007 bei einem Kohlendioxid-Ausstoß von 1,89 Millionen Tonnen. Mehr als ein Rechentrick ist das nach Ansicht der Grünen jedoch nicht: Im Basisjahr 1990 seien auch die CO2-Emissionen der bald darauf geschlossenen Kasernen der Nationale Volksarmee miteinberechnet worden.

Jakob-Kaiser-Haus mit Photovoltaik auf dem Dach.
Die Bundesregierung will zur Reduktion ihrer Treibhausgas-Emissionen auch auf klimafreundlichere Fahrzeuge umsteigen. Allerdings gilt das gesetzte Ziel von 130 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer bis 2015 nur für Dienstwagen, nicht aber für Busse, leichte Nutzfahrzeuge und sogenannte Sonderfahrzeuge (Einsatzfahrzeuge der Bundeswehr, Streifenwagen und sondergeschützte Fahrzeuge). Zur Zeit liegt der Durchschnittsverbrauch der Dienstwagen im Bundesbesitz bei 165 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer. Der durschnittliche CO2-Ausstoß bei Neuanschaffungen liegt bei 143 Gramm. Der Vergleich der Dienstwagenflotte der einzelnen Ministerien zeigt übrigens auch große Unterschiede in der Zahl der Wagen: Während beispielsweise das Justizministerium 33 und das Umweltministerium 76 Dienstwagen hält, hat das Finanzministerium 7.952 und das Innenministerium 7.806 Fahrzeuge.
Die Grünen sehen die Vorbildfunktion der Bundesregierung klar missachtet. "Selbst die eigenen Ziele werden nicht umgesetzt", sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, Bärbel Höhn in der Saarbrücker Zeitung. Bei Klimaschutz und den Einsatz erneuerbarer Energien müsse die Regierung vorangehen.
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