UN-Klimachefin drängelt Regierungen
Erstmals nach der COP16 in Cancun trifft sich die Klimadiplomatie im April in Bangkok wieder. Neue Internetseite des UN-Klimasekretariats bilanziert die Entwicklungen bis zum nächsten Klimagipfel in Durban.
Von Sarah Messina
UN-Klimachefin Christiana Figureres hat die Regierungen der Welt dazu aufgerufen, die Vereinbarungen des letzten Weltklimagipfels in Cancun schnell umzusetzen. "Um in Durban den nächsten großen Schritt machen zu können, muss der Stand von Cancun zügig Realität werden", sagte Figueres am Dienstag bei einem Besuch mit Regierungs- und Wirtschaftsvertretern in Japan. Vor allem über die Zukunft des Kyoto-Protokolls müsse sich die Weltgemeinschaft Klarheit verschaffen.

Die erste Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokoll läuft Ende 2012 aus. Soll es eine zweite Verpflichtungsperiode geben, müssen in Durban entsprechende Beschlüsse fallen. (Foto: Ainhoa Goma)
Nach dem Scheitern von Kopenhagen waren auf dem Weltklimagipfel in Cancun kleine Zwischenerfolge erreicht worden: Einig wurde man sich etwa beim Waldschutz-Mechanismus (REDD) und dem Green Climate Fund, der Entwicklungsländern jährlich 100 Milliarden US-Dollar für Anpassung und Klimaschutz zur Verfügung stellen soll. Den großen Streitthemen ging man in Cancun allerdings weitgehend aus dem Weg: Die bislang völlig unzureichenden Emissionsminderungezielen der Industrie- und Schwellenländer stehen damit erst Ende 2011 in Südafrika wieder auf dem Programm.
Klimaziele noch immer unzureichend
Auf der COP17 in Durban müssen sich die Länder darauf einigen, ihre Emissionen fast doppelt so schnell zu reduzieren, wie bislang vorgeschlagen, fordert Figueres: "Mit den bislang vorliegenden Emissionszielen für das Jahr 2020 wird den wissenschaftlichen Ziellinien nur zu 60 Prozent entsprochen". Um das Ziel überhaupt noch erreichen zu können, müssten Kohlendioxid-Emissionen zudem spätestens 2015 ihren Höchststand erreichen und danach kontinuierlich sinken.

Auf dem Weg zur COP17 in Durban: Die Chefin der Weltklimadiplomatie fordert mehr Tempo. (Foto: Luis)
Dass die Welt auch nach dem zumindest vorsichtig gelobten "Rettungsgipfel" im mexikanischen Cancún noch nicht auf Kurs ist, zeigt seit dieser Woche auch eine neue Internetseite des UN-Klimasekretariats. Der "Progress-Tracker" soll die Forschritte der Klimadiplomatie auf Basis der Beschlüsse von Cancun bis zum nächsten Weltklimagipfel in Durban abbilden, wo Ende 2011 das gelingen soll, was eigentlich bereits seit 2009 und Kopenhagen in trockenen Tüchern sein sollte.
Cancun-Vereinbarungen auf einen Blick
Die Einzelvereinbarungen von Cancun sind auf der Seite genauso abrufbar wie die aktuell gemachten Versprechen zur Reduktion von Treibhausgasen seitens der Industrieländer oder die bislang vorliegenden Klimaschutz-Programme der Entwicklungs- und Schwellenländer. Der Zeitstrahl ordnet die Gegenwart "im roten Bereich" ein, plus 3,2 Grad Celsius zeigt auch das "Climate Action Tracker"-Thermometer von Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und Ecofys als Ergebnis der bislang vorliegenden Reduktionsziele an.
Einiges zu tun also für die Weltklimadiplomatie, die zur nächsten Zwischenkonferenz bereits vom 3. bis 8. April in Bangkok zusammenkommen wird.

Waldschutz & Co: Vorsichtige Schritte waren nach dem Scheitern von Kopenhagen im Jahr darauf in Cancun gemacht worden. (Foto: COP16)
Durban sei auch die letzte Chance Klarheit für den Kohlenstoffmarkt herzustellen, bevor die erste und bislang einzige Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls Ende 2012 ausläuft. Figueres rief insbesondere die japanische Regierung auf, sich entschiedener für die Fortführung des Protokolls einzusetzen. Japan habe zwar mit dem Ziel Emissionen bis 2020 um 25 Prozent unter den Stand von 1990 zu drücken Führungsstärke gezeigt, so die Klimachefin, dürfe jedoch auch im Hinblick auf das Kyoto-Protokoll nicht vergessen, dass das Land "auf eine nachhaltige Weltwirtschaft ohne Klima-Desaster angewiesen ist."
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