Einigung bei CCS-Gesetz in Sicht
Kommt es oder kommt es nicht? Bundesumwelt- und Bundeswirtschaftsministerium sind sich so gut wie einig über einen Gesetzentwurf für die CO2-Verpressung. Bereits kommende Woche könnte er im Kabinett verhandelt werden.
Von Johanna Treblin
Wochenlang wurde das CCS-Gesetz immer wieder aufs Tableau gehoben, fast jede Woche hieß es, das Kabinett wolle in seiner Sitzung darüber beraten. Nun scheint tatsächlich eine Einigung in Sicht: "Die Sondierungsgespräche zwischen Ressorts und Ländern stehen kurz vor dem Abschluss", sagte Jürgen Maaß, Sprecher des Bundesumweltministeriums, gegenüber Klimaretter.info. Nach einem Bericht des NDR soll die Bundesregierung den Bundesländern Niedersachsen und Schleswig-Holstein, die sich in den vergangenen Monaten vehement gegen das Gesetz zur Abspaltung und unterirdischen Speicherung von Kohlendioxid gestellt haben, entgegengekommen sein.

Am Standort Jänschwalde will Vattenfall ein CCS-Demonstrationskraftwerk bauen. (Foto: RaBoe/Wikipedia/CC)
Demnach will die Bundesregierung eine sogenannte Opt-out-Klausel in das Gesetz schreiben. Nach der können einzelne Bundesländer Kohlendioxid-Lager auf ihrem Territorium über die Landesgesetzgebung verhindern, berichtet der NDR unter Berufung auf Regierungskreise. Damit würden die federführenden Bundesministerien für Wirtschaft und Umwelt einer Forderung aus Niedersachsen und Schleswig-Holstein nachkommen. Offiziell wurde die Einigung noch nicht bestätigt.
Laut einer Richtlinie der Europäischen Union (EU) vom 23. April 2009 muss Deutschland ein Gesetz zur unterirdischen Speicherung von Kohlendioxid vorlegen und bis Mitte 2011 umsetzen. Bereits zu Zeiten der Großen Koalition hatte die damalige Bundesregierung einen ersten Gesetzentwurf vorgelegt. Der Anlauf scheiterte an Haftungs- und Länderstreitigkeiten. Schwarz-Gelb legte in der ersten Jahreshälfte 2010 einen neuen Referentenentwurf aus dem Umwelt- und dem Wirtschaftsministerium vor. Das überarbeitete Gesetz sollte Ende September gemeinsam mit dem Energiekonzept vorgestellt werden – wieder gab es allerdings Widerstände und der Termin wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Die CDU-regierten Länder Niedersachsen und Schleswig-Holstein stellten sich quer, weil sie keine Einspruchsmöglichkeiten gegen CCS-Anlagen auf ihrem Gebiet sahen. In den beiden Ländern gibt es konkrete Planungen für die unterirdische Speicherung von Kohlendioxid.
Mögliche Standorte für die Kohlendioxid-Lagerung in Deutschland zeigt eine Karte, die Greenpeace am Wochenende vorlegte. Die meisten der 408 Speicherstätten liegen den Angaben entsprechend, die sich auf Daten der Bundesanstalt für Geowissenschaften stützen, in Niedersachsen. Bayern, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern sind wenig betroffen, und auch in Schleswig-Holstein sieht die Behörde kaum Speicherkapazitäten.
Einen nächsten Anlauf für einen Kabinettsbeschluss für das Gesetz könnte es bereits kommende Woche geben. Umweltorganisationen befürworten statt einer Opt-out- eher eine Opt-in-Regelung: Einzelne Bundesländer müssten dann nicht aussteigen, wenn sie CCS nicht wollen, sondern müssten explizit erklären, dass sie Kohlendioxid-Speicher auf ihrem Boden wollen. Das würde insbesondere Brandenburg in Bedrängnis bringen – die rot-rote Regierung will CCS zwar zulassen, die Verantwortung aber auf den Bund abschieben.
Der Grüne Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer kritisiert, dass das Gesetz nun doch durchgepeitscht werden soll. "Nachdem die Kritiker der CCS-Technologie durch Studien und Ereignisse in den vergangenen Tagen immer weiter bestärkt werden, versucht die Bundesregierung anscheinend schnell ein CCS-Gesetz über die Bühne zu bekommen." Längst seien nicht alle Fragen und Risiken der CCS-Technologie geklärt.
Auch Bürgerinitiativen wehren sich gegen die Kohlendioxid-Verpressung. Sie fürchten eine Gefährdung für Mensch und Umwelt und gehen davon aus, dass Dörfer weichen müssen und Landschaft und Kultur zerstört werden. Weil die genannte EU-Richtlinie offen lässt, ob die Mitgliedsländer sich für oder gegen die Kohlendioxid-Verpressung entscheiden, haben Bürgerinitiativen aus Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein Ende Dezember einen eigenen Gesetzentwurf vorgelegt. Der einzige Inhalt: "In Umsetzung der EU-Richtlinie 2009/31/EG 26 wird die Verbringung und Speicherung von Kohlendioxid in Grund und Boden sowie Untergrund untersagt."
Guter Journalismus kostet
Sie können die Texte auf klimaretter.info kostenlos lesen. Erstellt werden sie jedoch von bezahlten Redakteuren. Unterstützen Sie den Klimaretter-Förderverein
Klimawissen e. V. einmalig durch eine Spende oder dauerhaft mit einer Fördermitgliedschaft.
Spendenkonto
Die Schlagzeilen um 08 Uhr
In dieser Woche am meisten gelesen
Meinungen: Rezension
Die Übermacht der fossilen Industrie In Bonn wird auf der UN-Frühjahrstagung gerade wieder über das Klima verhandelt. Ein umweltverträglicher Kapitalismus ist jedoch nicht abzusehen. Aber auch die Kritiker tun sich schwer - ihnen fehlen die Alternativen. Eine Rezension von Felix Werdermann [mehr...]
Meinungen: Standpunkte
"Altmaier muss die Energiewende retten" Nun ist es amtlich: Der Bundespräsident hat Norbert Röttgen (CDU) entlassen und Peter Altmaier (CDU) seine Ernennungsurkunde zum Umweltminister überreicht. Dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nun einen ihrer engsten Vertrauten für das Projekt Energiewende ins Rennen schickt, ist wichtig für die Kontiunität der Energiewende und für das Kräftespiel zwischen Wirtschafts- und Umweltministerium, findet klimaretter.info-Herausgeber Gero Lücking. [mehr...]
Jahrestag
Das Fukushima-Dossier
11. März 2011: Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, fast 20.000 Menschen sterben. Die Atomanlagen havarieren, ein politischer Tsunami folgt. Kanzlerin Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Welt diskutiert die Atomkraft. Zum Jahrestag präsentiert klimaretter.info jenes Dossier, das damals im Nachrichtendschungel Orientierung gab. [mehr]
Aktion des Monats Das Netzwerk Friends of the Earth hat eine Europäische Bürgerinitiative für den EU-weiten Atomausstieg gestartet. BUND-Hubert Weiger, einer der Initiatoren sagt, mit der Volksinitiative habe man "jetzt endlich eine greifbare Möglichkeit, den Weg in eine sichere und saubere Energiezukunft zu ebnen". Nutzen wir sie! [mehr] | Zu Ihrem Vorteil Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann müssen Sie uns helfen! Unabhängiger Journalismus kostet Geld, und wenn RWE, Vattenfall, die CDU oder die Netzbetreiber nicht dafür zahlen, dann doch wohl Sie! Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...] |
Klimaretter-Jobbörse
Die Pioniere der Energiewende
Ein Elektroingenieur für den Bereich Netzanschluss gesucht? Einen Sicherheitsexperten für die Windkraft? Eine Klimaberaterin für die Verbraucherzentrale in Mainz? Auf der klimaretter.info Jobbörse werden viele spannende Jobs zur Energiewende angeboten. [mehr]
Lexikon Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr] | Klimaretter-Beichtstuhl Na, doch wieder einmal schwach geworden? Doch wieder eine unnötige Strecke mit dem Auto gefahren? Doch wieder ins Flugzeug gestiegen? Fehler zu (be)kennen, ist der erste Schritt zur Besserung: Erzählen Sie einfach sich, was Sie bereuen. Und warum. Sie werden sehen: Das erleichtert! Nutzen Sie einfach unseren "klimaretter.info-Beichtstuhl". [mehr...] |
Deutsche Stahlwirtschaft: Pure Panikmache
DB mobil, die Kundenzeitschrift der Bahn, ist eine honorige Publikation. Erstens beträgt ihre Auflage mehr als 500.000 Stück, nur wenige Magazine bewegen sich in diesen Größenordnungen. Zweitens ist die Zeitschrift gut gemacht. Im Maiheft geht es beispielsweise um Elektromobilität, die[…] [mehr...]Mehr vom Lügendetektor
Klimaretter-Dossiers
Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs
Klimakonferenz-Specials
Durban Dezember 2011 - COP17 in Südafrika
Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13
Facebook Empfehlungen
klimaretter.info auf Twitter
klimaretter.info Newsfeed





Das Bundeskabinett hat am Mittwoch den CCS-Gesetzentwurf verabschiedet. Die Bundesländer Niedersachsen und Schleswig-Holstein zeigen sich besänftigt, per Landesgesetz CCS in einigen Gebieten explizit verbieten zu können. Bürgerinitiativen aus Brandenburg kritisieren "Lex Brandenburg".
Noch immer gibt es keine Einigung zum umstrittenen CCS-Gesetz: Bundeskanzlerin Angela Merkel macht Druck und will einen neuen Vorschlag. Umweltschützer warnen unterdessen mit einem geologischen Gutachten vor "enormen Risiken" der CO2-Einlagerung.
Brandenburg ist eigentlich im Boot, Niedersachsen offenbar auch, Schleswig-Holstein will erst noch beim Bundesumweltminister nachhaken. Umweltschützer halten vom neuen CCS-Kompromiss wenig.
Bürgerinitiative "CO2-Endlager stoppen" aus Beeskow: Mit vorgesehener Länderklausel wird Brandenburg zum CO2-Müll-Lager der Nation
Gemeinde Barnim-Oderbruch gibt Gutachten für Kohlendioxid-Speicherung in Auftrag. Erhöhter Druck könnte Trinkwasser in 100 Kilometer Entfernung versalzen.
Das Gesetz zur unterirdischen Verpressung von Kohlendioxid sorgt weiter für Unstimmigkeiten zwischen den Ländern. Am Mittwoch beschäftigte das CCS-Gesetz sowohl den Kieler Landtag als auch den Umweltausschuss des Bundestags.
Das Gesetz zur umstrittenen Kohlendioxid-Abscheidung und unterirdischen Verpressung wurde von der Tagesordnung des Bundeskabinetts genommen. Wirtschafts- und Umweltressort kündigen an, "kurzfristig" einen Gesetzesentwurf vorzulegen. Von Sarah Messina
Schleswig-Holsteins Ministerpräsident will klare Formulierung zur Entscheidung der Länder
Heute wird das schwarz-gelbe Energiekonzept Deutschlands beschlossen. Der 38-seitige Entwurfs des Energiekonzepts ist mittlerweile auf mehr als 50 Seiten angewachsen. "Mehr" steckt deswegen allerdings kaum drin in der Weichenstellung bis ins Jahr 2050: Ausnahmeregelungen, Prüfanträge und andere Änderungen machen aus der "Energierevolution" eine Mogelpackung. Aus Berlin Johanna Treblin
Der Gesetzentwurf zur Speicherung von Kohlendioxid wird schon wieder geändert: Einzelne Bundesländer sollen die Technologie doch nicht ausschließen können. Auch im Meer hält sich die Bundesregierung die Kohlendioxidspeicherung offen.
Große Vorbehalte von Bürgern und Politik haben den Energiekonzern einer Sprecherin zufolge dazu bewogen, genehmigte Konzessionen wieder zurückzugeben. CCS bleibe aber "wichtig für den Klimaschutz".
Der Bundesumweltminister glaubt an die Zukunft der Kohle für die heimische Energieversorgung
Im brandenburgischen Ketzin wird zu Forschungszwecken erstmals Kohlendioxid aus der Pilotanlage Schwarze Pumpe unterirdisch verpresst. Schleswig-Holstein bastelt derweil an einem Landesgesetz, um Kohlendioxid-Lager zu verbieten.
Wirtschaftsminister Jost de Jager will ein CCS-Gesetz nicht gegen den Willen der Bevölkerung: Die CO2-Verpressung mache einzelne Länder zum "Verlierer" der Technologie. 


