EU: Rohstoffe intelligenter nutzen
Kommissionspräsident José Manuel Barroso stellt Rohstoff-Initiative vor. Forderung nach neuen Produkten, Energieeinsparung, Abfallvermeidung und verantwortungsvollem Konsum. Kurzfristig aber sagt die Kommission die Pläne ab. Oxfam: Einseitige Ausrichtung auf Wirtschaftsinteressen.
Von Johanna Treblin
Europa soll intelligenter mit Rohstoffen umgehen, forderte die Europäische Kommission. Oder besser gesagt: Wollte die Europäische Kommission fodern. Denn die geplante Vorstellung ihrer neuen Rohstoff-Initiative am Mittwoch in Brüssel musste abgesagt werden. Grund waren Unstimmigkeiten im Entwurf.

Die EU-Kommission fordert, Ressourcen zu schonen. Auch Energie soll eingespart werden. (Foto: EU)
"Wir können uns einen Ressourcenverbrauch im bisherigen Umfang nicht mehr leisten", begründete Kommissions-Präsident José Manuel Barroso die geplante Strategie. "Er belastet die Erde und macht unsere Wirtschaft stärker importabhängig." Größere Ressourceneffizienz sei eine "solide Grundlage für Wachstum und Beschäftigung" und trage zur Erreichung der klima- und energiepolitischen Ziele bei. Die Europäische Union will ihre Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2050 um 80 bis 95 Prozent reduzieren.
Die Kommission fordert daher von der Industrie, neue Produkte zu entwickeln, bei der Herstellung weniger Energie einzusetzen und Müll zu vermeiden. Produktionsprozesse sollen verbessert werden und die Logistik optimiert. Darüber hinaus will die Kommission das Bewusstsein von Verbrauchern auf die Ressourcenproblematik lenken und fordert einen verantwortungsvolleren Umgang mit Konsum.
Anlass für die Initiative ist auch die Sorge der Kommission über Engpässe bei wichtigen Rohstoffen für die Industrie. Die Kommission plant daher den Aufbau von Vorratsspeichern für besonderes wichtige Metalle. Unter anderem hatte China im vergangenen Jahr den Export der sogenannten Seltenen Erden reduziert, um sie im Inland einsetzen zu können. Der deutsche Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) forderte daraufhin die Gründung einer "Deutschen Rohstoff AG", um die Abhängigkeit von China zu verringern. Die Metalle sind für die High-Tech-Industrie und für Ökotechnologien unverzichtbar. Beispielsweise Handys und Windräder können ohne sie nicht gebaut werden. Rund 95 Prozent der Seltenen Erden werden in China abgebaut – zum Teil mit erheblichem Schaden für die Umwelt.
Die neue Initiative ist Teil der Strategie Europa 2020, die laut Kommission "auf ein intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum" abzielt. Weitere Bestandteile der Strategie sind unter anderem das Weißbuch für eine künftige Verkehrspolitik, die EU-Energieeffizienzstrategie 2020, der Energiepolitische Fahrplan 2020 und die Reform der Agrarpolitik.
Nichtregierungsorganisationen kritisierten die neue Rohstoffstrategie der EU als "einseitig auf wirtschaftliche Interessen ausgerichtet". Ökologische, soziale, politische sowie entwicklungspolitische Belange würden nicht ausreichend berücksichtigt. Oxfam legte eine eigene Studie zum Thema vor. "Die EU versucht auf aggressive Weise, ihre wirtschaftlichen Interessen durchzusetzen, ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse von Entwicklungsländern", sagte Oxfam-Handelsexperte David Hachfeld.
Guter Journalismus kostet
Sie können die Texte auf klimaretter.info kostenlos lesen. Erstellt werden sie jedoch von bezahlten Redakteuren. Unterstützen Sie den Klimaretter-Förderverein
Klimawissen e. V. einmalig durch eine Spende oder dauerhaft mit einer Fördermitgliedschaft.
Spendenkonto
Die Schlagzeilen um 08 Uhr
In dieser Woche am meisten gelesen
Meinungen: Rezension
Die Übermacht der fossilen Industrie In Bonn wird auf der UN-Frühjahrstagung gerade wieder über das Klima verhandelt. Ein umweltverträglicher Kapitalismus ist jedoch nicht abzusehen. Aber auch die Kritiker tun sich schwer - ihnen fehlen die Alternativen. Eine Rezension von Felix Werdermann [mehr...]
Meinungen: Standpunkte
"Altmaier muss die Energiewende retten" Nun ist es amtlich: Der Bundespräsident hat Norbert Röttgen (CDU) entlassen und Peter Altmaier (CDU) seine Ernennungsurkunde zum Umweltminister überreicht. Dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nun einen ihrer engsten Vertrauten für das Projekt Energiewende ins Rennen schickt, ist wichtig für die Kontiunität der Energiewende und für das Kräftespiel zwischen Wirtschafts- und Umweltministerium, findet klimaretter.info-Herausgeber Gero Lücking. [mehr...]
Jahrestag
Das Fukushima-Dossier
11. März 2011: Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, fast 20.000 Menschen sterben. Die Atomanlagen havarieren, ein politischer Tsunami folgt. Kanzlerin Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Welt diskutiert die Atomkraft. Zum Jahrestag präsentiert klimaretter.info jenes Dossier, das damals im Nachrichtendschungel Orientierung gab. [mehr]
Aktion des Monats Das Netzwerk Friends of the Earth hat eine Europäische Bürgerinitiative für den EU-weiten Atomausstieg gestartet. BUND-Hubert Weiger, einer der Initiatoren sagt, mit der Volksinitiative habe man "jetzt endlich eine greifbare Möglichkeit, den Weg in eine sichere und saubere Energiezukunft zu ebnen". Nutzen wir sie! [mehr] | Zu Ihrem Vorteil Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann müssen Sie uns helfen! Unabhängiger Journalismus kostet Geld, und wenn RWE, Vattenfall, die CDU oder die Netzbetreiber nicht dafür zahlen, dann doch wohl Sie! Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...] |
Klimaretter-Jobbörse
Die Pioniere der Energiewende
Ein Elektroingenieur für den Bereich Netzanschluss gesucht? Einen Sicherheitsexperten für die Windkraft? Eine Klimaberaterin für die Verbraucherzentrale in Mainz? Auf der klimaretter.info Jobbörse werden viele spannende Jobs zur Energiewende angeboten. [mehr]
Lexikon Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr] | Klimaretter-Beichtstuhl Na, doch wieder einmal schwach geworden? Doch wieder eine unnötige Strecke mit dem Auto gefahren? Doch wieder ins Flugzeug gestiegen? Fehler zu (be)kennen, ist der erste Schritt zur Besserung: Erzählen Sie einfach sich, was Sie bereuen. Und warum. Sie werden sehen: Das erleichtert! Nutzen Sie einfach unseren "klimaretter.info-Beichtstuhl". [mehr...] |
Deutsche Stahlwirtschaft: Pure Panikmache
DB mobil, die Kundenzeitschrift der Bahn, ist eine honorige Publikation. Erstens beträgt ihre Auflage mehr als 500.000 Stück, nur wenige Magazine bewegen sich in diesen Größenordnungen. Zweitens ist die Zeitschrift gut gemacht. Im Maiheft geht es beispielsweise um Elektromobilität, die[…] [mehr...]Mehr vom Lügendetektor
Klimaretter-Dossiers
Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs
Klimakonferenz-Specials
Durban Dezember 2011 - COP17 in Südafrika
Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13
Facebook Empfehlungen
klimaretter.info auf Twitter
klimaretter.info Newsfeed





Studie zeigt auf, wie ein nachhaltiges Ressourcenmanagement für Neodym, Terbium, Lanthan und Co. aussehen kann
Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) warnt in einer neuen Industriestrategie vor höheren Klimazielen der EU und fordert weniger Skepsis gegen technologische Neuerungen. Die Gesellschaft müsse "mehr Mut zum Risiko entwickeln". Von Martin Reeh
Die chinesische Regierung will eine neue Organisation für den Handel mit Seltenen Erden gründen
EU will gegen Chinas Exportbeschränkungen der Metalle klagen
Deutschland hat sich in der Europäischen Union mit seiner Blockade gegen einen früheren Ausstieg aus der Steinkohlesubventionierung durchgesetzt
Kürzlich hat die Zentralregierung in Peking im neuen Fünfjahrplan Minderungsziele für den Kohlendioxid-Ausstoß festgeschrieben. Reihenweise droht ineffizienten Fabriken das Aus. Der Ökonom Jeff Huang schlägt ein CO2-Handelssystem vor. Chinesische Unternehmen, Medien und Politiker, sagt er im Interview mit Klimaretter.info, fänden die Idee "hochspannend".
Am heutigen Montag konstituiert sich die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestags "Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität. Klimaretter.info sprach mit Kommissions-Mitglied und SPD-Vordenker Michael Müller.
Die EU-Umweltminister haben in Brüssel über die Langfrist-Strategie der Gemeinschaft beim Klimaschutz beraten. Eigentlich sind sich alle einig - nur Polen blockiert. klimaretter.info hat mit Jan Kowalzig von der Entwicklungsorganisation Oxfam darüber gesprochen, wie Warschau doch noch ins Boot geholt werden kann.
Kanzlerin Angela Merkel (CDU) dementiert, zwar, man habe sich bereits auf eine Verlängerung der Akw-Laufzeiten um mindestens zehn Jahre geeinigt, hält jedoch eine zehn bis 15 Jahre für "vernünftig". Das Wirtschaftsministeirum "übersetzt" auf mindestens zwölf Jahre längere Laufzeiten, während sich das Umweltministerium mit Aussagen zurückhält. SPD-Chef Sigmar Gabriel kritisiert die "knallharte Lobby-Politik" der Kanzlerin.
In Luxemburg entscheiden die Umweltminister der 27 EU-Länder: Vor dem Klimagipfel in Mexiko ist in Sachen EU-Klimaziel nichts Neues zu entscheiden. Erst nach Cancún steht "die Option" einer ambitionierteren Zielmarke wieder auf der Europa-Agenda.
Schwarz-Gelb zerstritten: Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU)bekräftigt baldigen Umstieg auf Erneuerbare Energien, Brüderle und Westerwelle (FDP) werben mit niedrigen Strompreisen für die Akw.
Aus der Atomkraft aussteigen und ihre Erforschung dennoch weiter fördern - ein Widerspruch, findet die linke Europa-Parlamentarierin Sabine Wils. Deutschland zahlt jährlich 117 Millionen Euro für die Atomkraftforschung. Eine Konferenz in Berlin beriet, wie dieser Widerspruch zu beenden sei.
Die Brüderle-Affäre hat ihr Bauernopfer gefunden: BDI-Hauptgeschäftsführer Werner Schnappauf gibt seinen Posten auf
Das Bundesumweltministerium stellt aktuellen Entwurf zu einem nationalen Ressourceneffizienzprogramm zur Konsultation
"Diskussionsraum" für Akteure aus Politik, Verbänden und Nichtregierungsorganisationen



