Was "Klimaskeptiker" behaupten ...
... und was die Forschung sagt: In der Szene der Leugner und Bezweifler der klimawissenschaftlichen Erkenntnisse sind einige Aussagen besonders "beliebt" - einer genaueren Überprüfung aber hält keine StandEin Überblick von Toralf Staud
1. Die berühmte „Hockeystick“-Kurve war eine FälschungNein, das war sie nicht. 1998 veröffentlichte der US-Forscher Michael Mann eine erste Version dieser Grafik zum Temperaturverlauf der letzten Jahrhunderte. Die zugrundeliegende statistische Methode hatte aber Defizite, der Griff des Hockeyschlägers erschien zu flach. Eine überarbeitete Fassung – und viele andere Berechnungen – bestätigen jedoch Manns Grundaussage: Indirekte Temperaturdaten (etwa aus Baumringen) lassen darauf schließen, dass es niemals in den vergangenen tausend Jahren so warm war wie heute.
Die "Hockeyschläger"-Kurve (hier die Version von 2008) wird durch zahlreiche Temperaturüberlieferungen gestützt Grafik: PNAS
Mehr zu diesem Punkt: hier
2. Das Klima hat sich immer geändert
Stimmt, aber frühere Klimaänderungen beruhten auf natürlichen Ursachen, etwa Verschiebungen der Erdachse, und sie gingen viel langsamer vonstatten als heute. Den Temperaturanstieg der letzten Jahrzehnte können Wissenschaftler nur durch menschliche Einflüsse erklären: So führte etwa die massenhafte Verbrennung fossiler Rohstoffe zur Freisetzung großer Mengen CO2, die in der Atmosphäre den natürlichen Treibhauseffekt verstärken.
Mehr zu diesem Punkt: hier
3. Die Sonne ist Schuld am Klimawandel
Falsch. Zwar schlagen sich Veränderungen der Sonnenaktivität tatsächlich im Erdklima nieder. Nach Ansicht von Forschern ist aber nur etwa ein Zehntel der heutigen Erderwärmung auf die Sonne zurückzuführen, anderslautende Behauptungen halten einer Prüfung nicht stand. Mindestens während der vergangenen fünfzig Jahre wurde dieser natürliche Faktor durch menschliche Einflüsse überlagert.
Mehr zu diesem Punkt: hier
4. Seit 1998 erwärmt sich die Erde nicht mehr, der Klimawandel hat gestoppt
Ein Trugschluss. Temperaturschwankungen zwischen einzelnen Jahren sind nur natürlich. Doch das Klima ist, salopp gesagt, der 30-jährige Durchschnitt des Wetters – und die Durchschnittswerte zeigen weiter nach oben. Das vergangene Jahrzehnt wirkt nur deshalb relativ kühl, weil 1998 das El-Nino-Phänomen die langfristige Erwärmung noch verstärkte und dies ein außergewöhnlich heißes Jahr war. Die folgenden fielen dahinter etwas zurück, aber insgesamt betrachtet war die vergangene Dekade erneut wärmer als das vorherige Jahrzehnt – und sie war die wärmste jemals registrierte!
Aus identischen Temperaturkurven lassen sich höchst unterschiedliche Trendlinien ableiten - je nach Zeitspanne: Oben zeigen die blauen Geraden einen jeweils achtjährigen Durchschnitt (und es finden sich auch abfallende Linien), die mittlere Grafik zeigt in den blauen Linien die Durchschnitte über jeweils 15 Jahre, in der untersten Abbildung ist der Trend über 30 Jahre eingezeichnet
(Grafik: Stefan Rahmstorf/PIK, die rote Kurve basiert auf dem GISSTEMP-Datensatz der Nasa)
Mehr zu diesem Punkt: hier
5. Selbst eine Verdoppelung von CO2 in der Atmosphäre hätte nur eine Erwärmung um etwa ein Grad Celsius zur Folge
Eine geschickte Untertreibung. Die direkte Wirkung von zusätzlichem Kohlendioxid in der Atmosphäre ist zwar in der Tat begrenzt. Doch sein Anstieg löst zahlreiche indirekte Wirkungen („Feedbacks“) aus. So steigt durch CO2 der Gehalt von Wasserdampf in der Atmosphäre, was starke, weitere Erwärmung bedeutet. Es wird auch mehr Wolken geben. Deren Wirkungen aufs Klima sind komplex. Wolken haben sowohl kühlende als auch wärmende Effekte, und Skeptiker betonen die Kühlwirkung. Doch die starken Klimaschwankungen der Erdgeschichte deuten darauf hin, dass die Feedback-Effekte insgesamt stark sind – und die Klimaskeptiker falschliegen.
Mehr zu diesem Punkt: hier
6. In der Erdgeschichte traten hohe CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre nach einer Erwärmung auf; Kohlendioxid ist also Folge, nicht Ursache von Klimawandel
Dieses Argument beruht auf einer Vermischung urzeitlicher und moderner Phänomene. In Zyklen von Zehntausenden von Jahren erwärmte sich die Erde infolge orbitaler Veränderungen, die so erwärmten Ozeane setzten mit einigen Hundert Jahren Verzögerung große Mengen CO2 frei – was den Klimawandel dann weiter beschleunigte. Die gegenwärtige Situation ist grundlegend anders: Die zusätzlichen Treibhausgase in der Atmosphäre sind nachweislich vom Menschen verursacht und nicht Resultat einer vorherigen Erwärmung.
Mehr zu diesem Punkt: hier

Wird ebenfalls gern behauptet: Kältere Winter in Deutschland führen die ganze Erderwärmung ad absurdum - aber das ist natürlich auch falsch. Warum? Lesen Sie hier.
7. Es gibt keinen wissenschaftlichen Konsens zum Klimawandel
Falsch. Natürlich gibt es auch beim Thema Erderwärmung Akademiker mit abweichenden Meinungen. Die "Klimaskeptiker" jedoch kommen meist nicht aus der Klimaforschung, sondern aus fachfremden Gebieten. Im Jahr 2009 ergab eine Umfrage der University of Illinois unter mehr als 3.000 Geowissenschaftlern, dass rund 90 Prozent von ihnen sicher sind, dass der Mensch das Klima aufheizt. Besonders groß war übrigens die Zustimmung unter Klimatologen, bei Geologen aus der Erdölbranche betrug sie hingegen nur 47 Prozent. Sogar über 90 Prozent lag die Überzeugung unter Klimaforschern mit zahlreichen Fachaufsätzen. Allgemein gilt: Je informierter ein Wissenschaftler, desto besorgter ist er in der Regel über den Klimawandel.
Mehr zu diesem Punkt: hier
Guter Journalismus kostet
Sie können die Texte auf klimaretter.info kostenlos lesen. Erstellt werden sie jedoch von bezahlten Redakteuren. Unterstützen Sie den Klimaretter-Förderverein
Klimawissen e. V. einmalig durch eine Spende oder dauerhaft mit einer Fördermitgliedschaft.
Spendenkonto
Die Schlagzeilen um 08 Uhr
In dieser Woche am meisten gelesen
Meinungen: Rezension
Die Übermacht der fossilen Industrie In Bonn wird auf der UN-Frühjahrstagung gerade wieder über das Klima verhandelt. Ein umweltverträglicher Kapitalismus ist jedoch nicht abzusehen. Aber auch die Kritiker tun sich schwer - ihnen fehlen die Alternativen. Eine Rezension von Felix Werdermann [mehr...]
Meinungen: Standpunkte
"Altmaier muss die Energiewende retten" Nun ist es amtlich: Der Bundespräsident hat Norbert Röttgen (CDU) entlassen und Peter Altmaier (CDU) seine Ernennungsurkunde zum Umweltminister überreicht. Dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nun einen ihrer engsten Vertrauten für das Projekt Energiewende ins Rennen schickt, ist wichtig für die Kontiunität der Energiewende und für das Kräftespiel zwischen Wirtschafts- und Umweltministerium, findet klimaretter.info-Herausgeber Gero Lücking. [mehr...]
Jahrestag
Das Fukushima-Dossier
11. März 2011: Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, fast 20.000 Menschen sterben. Die Atomanlagen havarieren, ein politischer Tsunami folgt. Kanzlerin Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Welt diskutiert die Atomkraft. Zum Jahrestag präsentiert klimaretter.info jenes Dossier, das damals im Nachrichtendschungel Orientierung gab. [mehr]
Aktion des Monats Das Netzwerk Friends of the Earth hat eine Europäische Bürgerinitiative für den EU-weiten Atomausstieg gestartet. BUND-Hubert Weiger, einer der Initiatoren sagt, mit der Volksinitiative habe man "jetzt endlich eine greifbare Möglichkeit, den Weg in eine sichere und saubere Energiezukunft zu ebnen". Nutzen wir sie! [mehr] | Zu Ihrem Vorteil Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann müssen Sie uns helfen! Unabhängiger Journalismus kostet Geld, und wenn RWE, Vattenfall, die CDU oder die Netzbetreiber nicht dafür zahlen, dann doch wohl Sie! Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...] |
Klimaretter-Jobbörse
Die Pioniere der Energiewende
Ein Elektroingenieur für den Bereich Netzanschluss gesucht? Einen Sicherheitsexperten für die Windkraft? Eine Klimaberaterin für die Verbraucherzentrale in Mainz? Auf der klimaretter.info Jobbörse werden viele spannende Jobs zur Energiewende angeboten. [mehr]
Lexikon Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr] | Klimaretter-Beichtstuhl Na, doch wieder einmal schwach geworden? Doch wieder eine unnötige Strecke mit dem Auto gefahren? Doch wieder ins Flugzeug gestiegen? Fehler zu (be)kennen, ist der erste Schritt zur Besserung: Erzählen Sie einfach sich, was Sie bereuen. Und warum. Sie werden sehen: Das erleichtert! Nutzen Sie einfach unseren "klimaretter.info-Beichtstuhl". [mehr...] |
Deutsche Stahlwirtschaft: Pure Panikmache
DB mobil, die Kundenzeitschrift der Bahn, ist eine honorige Publikation. Erstens beträgt ihre Auflage mehr als 500.000 Stück, nur wenige Magazine bewegen sich in diesen Größenordnungen. Zweitens ist die Zeitschrift gut gemacht. Im Maiheft geht es beispielsweise um Elektromobilität, die[…] [mehr...]Mehr vom Lügendetektor
Klimaretter-Dossiers
Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs
Klimakonferenz-Specials
Durban Dezember 2011 - COP17 in Südafrika
Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13
Facebook Empfehlungen
klimaretter.info auf Twitter
klimaretter.info Newsfeed





Die sogenannten "Klimaskeptiker" fühlen sich auch in Deutschland im Aufwind. Mit der wissenschaftlichen Grundtugend der Skepsis habe das meist jedoch nichts zu tun, sagt Hartmut Graßl, einer der renommiertesten deutschen Klimaforscher Deutschlands. Interview von Toralf Staud
Menschengemachte Erderwärmung? Alles Quatsch! Die Gefahr der Zukunft ist die "Deindustrialisierung Deutschlands", heißt es auf einer Konferenz der Klima"skeptiker". Aus Berlin Felix Werdermann
Die Freiheit den Klimawandel zu leugnen: Die "Friedrich Naumann Stiftung für die Freiheit" holt sich die Klimaskeptiker ins Haus
Am vergangenen Wochenende traf sich die deutsche "Klimaskeptiker"-Szene zu ihrer diesjährigen Konferenz in München. Man versuchte, wissenschaftlicher zu werden - doch das misslang fast durchgängig.
Klima“skeptiker“ auf der ganzen Welt freuen sich über eine Aussage des Altbundeskanzlers, in dem er Klimaforschern "Betrug" vorwirft. Doch Schmidt bestreitet das Zitat vehement.
Britische Untersuchungskommission entkräftet Vorwürfe gegen Phil Jones. Bereits im Februar war US-Kollege Michael Mann entlastet worden
Wenn auf der diesjährigen Weltklimakonferenz im südafrikanischen Durban Anfang Dezember keine zweite
Verpflichtungsperiode oder eine andere Vertragsregelung gefunden wird, wird der internationale Klimaschutz auf den Stand von 1997 zurückgeworfen. In einer Serie beleuchtet klimaretter.info, was dies bedeutet. Teil 1 unseres Durban-Countdown: Der Stand der Wissenschaft, erläutert vom Potsdamer Klimaforscher Prof. Stefan Rahmstorf.
Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer hat einen harten Klima"skeptiker" in den Aufsichtsrat der Deutschen Bahn berufen, den Leipziger Unternehmer Knut Löschke. Die Bündnisgrünen im Bundestag halten das für problematisch, die Regierung offenbar nicht.
Der ehemalige ZDF-Journalist und prominente Klimaskeptiker Günter Ederer stellt sein neues Buch vor - präsentiert von Wirtschaftsminister Brüderle
Neue Vorwürfe gegen den Weltklimarat: Der IPCC soll bei der Frage der Gletscher-Schmelze im Himalaya bei seinem jüngsten Sachstandsbericht von 2007 schlampig mit Quellen umgegangen sein. IPCC-Chef Rajendra Pachauri verspricht: "Wir werden das genau prüfen".
Die politische und gesellschaftliche Auseinandersetzung mit "Klimaskeptikern" oder "Klimawandelleugnern" muss von den entsprechenden Akteuren aufgegriffen werden: Frei nach dem Informanten Deep Throat im Film über den Watergate-Skandal: "Follow the money!
Hamburger Forscher von Storch verlangt stärkere Trennung von Wissenschaft und Politik. Londoner Regierungsberater: "Probleme beim Kommunizieren von Unsicherheit"
Nach dem Freispruch vom 1. Juli: Wissenschaftler erneut von Fälschungsvorwürfen freigesprochen. Dem Bericht zufolge besteht kein Zweifel an der Seriösität der Forscher



